Die Ditzinger Mobilitätsmesse trotzt widrigen Bedingungen. Doch Aussteller und Besucher zeigen: Das Interesse an alternativen Wegen ist groß.

Auch wenn vielen Ausstellern und Besuchern am Wochenende bei der 25. Messe „Ditzingen Mobil“ die Kälte unter die Jacken und Mäntel gekrochen ist: Am Ende der zweitägigen Veranstaltung war nicht nur Organisator Joachim Degl von Leo aktiv mit dem Verlauf zufrieden. Auch das Gros der beteiligten Unternehmen und Organisationen zog eine positive Bilanz und will bei der nächsten Auflage im Jahr 2027 wieder mit dabei sein.

 

Nachdem die 25. Auflage der im Jahr 2000 erstmals organisierten Mobilitätsmesse, die ursprünglich vor allem das Thema Radfahren im Blick hatte, am Samstag recht gut gestartet war, so herrschte insbesondere am Nachmittag des ersten Messetages bei einigen Akteuren etwas Ernüchterung. Aufgrund von Regen, Wind und anhaltender Kälte war die Zahl der Besucher mehr als überschaubar. Und nicht wenige der Aussteller hätten ihre Präsenz auf der Mobilitätsmesse gerne mit der heimischen Couch getauscht, das die Nässe und Kühle die gute Laune etwas trübte. Die meisten Aussteller hielten trotzdem durch und setzten auf den Sonntag, an dem die Besucher dann auch in weitaus größerer Zahl als am Vortag strömten.

Dass Fahrräder nicht nur zum Fahren, sondern auch für Transporte gut eingesetzt werden können, zeigte der ADFC Ditzingen. Foto: Ralf Recklies

Joachim Stickel, der mit Joes E-Mobile erstmals an der Mobilitätsmesse teilgenommen hat, war am Sonntag über die vielen guten Gespräche erfreut. Mit seiner noch jungen Rutesheimer Firma hat der Inhaber Joachim Stickel zwei Zielgruppen im Blick. Senioren, die sich ihre Mobilität erhalten wollen sowie junge Menschen, die noch keinen Autoführerschein haben, sich aber elektrisch fortbewegen wollen. Durch die Anschaffung zweier Elektromobil für seine Eltern war Stickel auf die Idee gekommen, sich dem Thema Elektromobilität mit alternativen Gefährten anzunehmen. „Aber wir müssen erst bekannt werden“, sagt Stickel. Der Start sei zwar gut gelungen, nun gelte es die Verkaufszahlen aber zu steigern. Das Interesse an Fahrzeugen mit Elektromotor sei auf jeden Fall gegeben, so Stickel.

Das sieht auch Martin Schlitter, Teamleiter Neuwagenverkauf bei Volkswagen Automobile so. Das Interesse an E-Fahrzeugen nehme zu. Nicht zuletzt die stark gestiegenen Spritpreise würden selbst manchen Skeptiker nun auf die Schiene der E-Mobilität bringen. In Ditzingen präsentierte Volkswagen Automobile Stuttgart sowohl E-Fahrzeuge von Seat, Cupra und VW als auch Fahrzeuge mit hybridem Antrieb oder Verbrenner.

Am Sonntag waren deutlich mehr Besucher gekommen. Foto: Ralf Recklies

Felix Neugebauer von von Kia ATH Leonberg hatte mit seinem Team 16 Modelle dabei – davon die Hälfte rein elektrisch, „und diese sind sehr gut nachgefragt“, so Neugebauer. Gerade im Segment der Kleinwagen und Vans sei man mit den Modellen EV2 und PV5 sehr gut aufgestellt.

Für alle Freunde des Radfahrens gab es am Samstag eine Fahrradbörse, organisiert vom 1. Karnevalsverein Leonberg. Deren erster Vorsitzender Thomas Kohn war mit dem Verlauf insgesamt recht zufrieden. Neben rund die Hälfte der 70 bis 80 angebotenen Räder hätten neue Besitzer gefunden, die von den Verkäufern entrichteten Gebühren für die Abwicklung sowie zehn Prozent des Verkaufserlöses als Gebühr kämen dem Verein für die Finanzierung von Gardeuniformen und Masken zugute.

ADFC zeigt: Lastenräder sind sehr gefragt

Dass Fahrräder nicht nur zum Fahren, sondern auch für Transporte gut eingesetzt werden können, zeigte der ADFC Ditzingen an seinem Stand am Sonntag, als Räder mit Lastenanhängern präsentiert wurden. Mit von der Partie auch Jonathan Popp und Stefan Bauer aus Stuttgart, die seit geraumer Zeit Fahrradanhänger per Upcycling anbieten und deren Hänger auf großes Interesse stießen. „Wir haben schon mehrere Anhänger verkauft“, freute sich Bauer, der die Umbauten vor allem aus Freude realisiert und die Hänger zum Selbstkostenpreis anbietet.

Ganz kostenlos war das Angebot am benachbarten Radkultur-Stand, an dem Räder durchgecheckt und kleinere Reparaturen durchgeführt wurden. Kostenlos waren auch die Erstberatungen am Stand der Fahrschule Kraft und Schlatterer aus Hirschlanden, die erstmals an der Messe beteiligt war. Es habe am Sonntag viele gute Gespräche gegeben, so Patricia Schlatterer. Am Vortag habe man den Stand mangels Besucher etwas früher geschlossen. „Aber da sich das Wetter geändert hat, hat sich die Teilnahme für uns sicher gelohnt“, ist Patricia Schlatterer überzeugt.