Sich den gesellschaftlichen Problemen zu stellen und an ihrer Lösung mitzuwirken, soll nicht länger reine Männersache sein. Daran arbeiten die Lions von Ditzingen, Gerlingen und Leonberg. Zugleich will der Präsident Alexander Steineck an Präsenz vor der Pandemie anknüpfen.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)

So sehr er in die Gesellschaft hineinwirkt, tut sich auch der Lions Club Solitude schwer, auch nur annähernd die Gesellschaft in den eigenen Reihen abzubilden. Dessen Präsident Alexander Steineck hätte das gerne längst geändert.

 

Herr Steineck, was haben Sie zuletzt gelesen?

Ich habe zum ersten Mal „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque gelesen, aus Anlass der Oscar-Prämierung des gleichnamigen Films. Eine packende und lohnenswerte Lektüre! Remarque ging es darum zu zeigen, was der Krieg mit den jungen Soldaten macht, dass er sie unfähig fürs Leben nach dem Krieg macht, weil sie nichts anderes kennen als den Krieg. Das wird im Buch direkter vermittelt als im Film. Im Übrigen war ich erstaunt, dass ich viele Szenen aus dem Film im Buch wiederfand – das hätte ich so nicht erwartet.

Der Lions Club war ja mit dem Büchermarkt erstmals seit Corona wieder weithin präsent. Wie war die Resonanz?

Wir sind sehr froh, dass wir den Büchermarkt im Leo-Center – unsere größte Aktivität zur Spendengenerierung – nach drei Jahren Coronapause wieder auf die Beine stellen konnten. Wir durften an beiden Annahmetagen Zehntausende Bücher entgegennehmen, was in etwa das Vor-Corona-Niveau darstellt. Bei den Käufern sah es anders aus: Wir hatten etwas weniger Zulauf, was zum Teil aber auch dem guten Wetter an beiden Verkaufstagen geschuldet war. Wir haben dennoch 7500 Euro eingenommen, die wir für wohltätige Zwecke verwenden können.

Wer hat den Erlös erhalten?

Wir versuchen, einerseits eine gesunde Mischung von örtlicher und überregionaler Hilfe zu finden, andererseits eine Balance über die Generationen hinweg. Die letzten Spenden in unserem Einzugsgebiet gingen an das Gymnasium in der Glemsaue in Ditzingen und an den Hospizdienst in Gerlingen. Am Ditzinger fördern wir die Lehrerfortbildung mit Lions Quest, einem Lebensertüchtigungsprogramm für Kinder und Jugendliche. Für den ambulanten Hospizdienst in Gerlingen, der sich im Aufbau befindet, fördern wir die Ausbildung ehrenamtlicher Helfer. Überregional beteiligen wir uns regelmäßig am RTL-Spendenmarathon, bei dem jede Spende von RTL verdoppelt wird. Zudem finanzieren wir, nachdem kurzfristig ein Spender ausfiel, für ein Jahr das Frühstück in einem Waisenhaus in Südafrika.

„Tue Gutes und rede darüber“ lautet das Credo des Lions Club. Was ist der Satzungszweck des Vereins?

Unser Motto ist „We Serve“ (Wir dienen). In unserer Satzung heißt es: „Zweck des Clubs ist, der Allgemeinheit zu dienen. Seine Mitglieder verpflichten sich zu entsprechenden Initiativen (Activities).“ Dann wird dort weiter aufgeführt, was unter dem Dienst an der Allgemeinheit zu verstehen ist, etwa den Geist gegenseitiger Verständigung unter den Völkern der Welt zu wecken, darüber hinaus die Grundsätze eines guten Staatswesens und guten Bürgersinns zu fördern, aktiv für bürgerliche, kulturelle, soziale und allgemeine Entwicklung der Gesellschaft einzutreten und zudem bei materieller und geistiger Not zu helfen.

Muss man stets über das Gute reden? Man könnte schweigen und genießen.

Ja, das könnte man natürlich. Allerdings würde man sich dann schwertun, die Spenden zu bekommen, die man braucht, um Gutes zu tun. Wir stellen immer wieder fest, wie wichtig es ist, zu erklären, was mit unseren Erlösen passiert. Ich finde, jeder Spender hat ein Recht darauf, das zu erfahren.

Wer kann Clubmitglied sein?

Ich zitiere unsere Satzung: „Als Mitglied kann jede volljährige Person mit gutem Leumund und charakterlicher Eignung aufgenommen werden, die sich zu den Lions-Zielen bekennt.“ Dabei streben wir eine Mischung unterschiedlicher Berufs- und Altersgruppen und unterschiedlicher Herkunft an. Die Mitgliederversammlung muss die Aufnahme des neuen Mitglieds beschließen.

Die Mitgliedschaft war traditionell Männersache. Hat sich das geändert?

Viele Lions Clubs sind mittlerweile gemischte Clubs. Was den Lions Club Solitude angeht: Obwohl die Satzung das nicht vorschreibt, sind derzeit noch alle unsere Mitglieder männlich. Ich persönlich und auch viele andere in unserem Club finden das nicht mehr zeitgemäß. Wir führen derzeit eine intensive Diskussion, um das zu ändern.

Corona ist überwunden. Was ist als nächstes geplant?

Nachdem wir unsere Vor-Covid-Aktivitäten erfolgreich reaktiviert haben – das heißt, unsere Präsenz beim Leonberger Adventsdörfle sowie eben dem Büchermarkt, stellen wir uns in der Tat die Frage, wie wir unsere Aktivitäten weiter entwickeln wollen. Ich möchte unserem internen Workshop nicht vorgreifen. Ich könnte mir etwa vorstellen, erstens das Programm Lions Quest, das derzeit so erfolgreich am Ditzinger Gymnasium läuft, auch auf Leonberger und Gerlinger Schulen auszuweiten, und zweitens unser Engagement für ausgewählte Altersheime in der Region weiterzuentwickeln; bisher waren wir mit Ausfahrten und Ostergeschenken am Samariterstift in Leonberg aktiv.

Ihre Amtszeit endet bald. Welche Lektüre empfehlen Sie Ihrem Nachfolger?

Mein Nachfolger, Steffen Manke, ist wie ich beruflich sehr eingespannt. Daher empfehle ich ihm zur Abwechslung den Roman „Ein Gentleman in Moskau“ von Amor Towles. Es geht um einen russischen Grafen, der im Zuge der russischen Revolution zu lebenslangem Aufenthalt in einem Hotel verurteilt wird, und was er daraus macht. Das Buch ist humorvoll und geistreich geschrieben und eignet sich bestens als Urlaubslektüre.