Ditzingener Wochenmarkt seit 40 Jahren Auf dem Wochenmarkt gibt es eine besondere Ware kostenlos
Samstags ist Markt auf dem Ditzinger Laien. Seit vier Jahrzehnten kommen die Händler in die Ortsmitte. Drei von ihnen sind von Beginn an dabei.
Samstags ist Markt auf dem Ditzinger Laien. Seit vier Jahrzehnten kommen die Händler in die Ortsmitte. Drei von ihnen sind von Beginn an dabei.
Der Samstag beginnt sehr früh am Morgen. Doch wären die Marktbeschicker nicht da, würde der Wochenmarkt nicht das sein, was er für die Kunden ist: Ein Ort, an dem es frische, qualitativ gute Produkte gibt. Zugleich ein Ort der Kommunikation. Seit vier Jahrzehnten ist das so auf dem Ditzinger Wochenmarkt. Von Beginn an mit dabei sind die Familien Stammel und Giek und auch Käse Widmann.
„Die Vielfalt ist hier noch groß“, sagt Thomas Giek. Matthias Stammel und seine Schwester Roswitha Mergel bestätigen ihn, sie alle sind über die Woche verteilt auf mehreren Wochenmärkten präsent. Es gebe alles: Butter, Käse, Fleisch, Gemüse, Obst, Eier, Oliven vieles andere noch dazu. Dann folgt doch eine kleine Einschränkung der Beschicker: Es fehle ein Bäcker. Über all die Jahre habe es einen gegeben, es waren Pausen dazwischen, es gab Wechsel, immer fand sich ein Nachfolger. Das ist nun anders, seit geraumer Zeit fehlt ein Bäcker.
Einen Marktstand zu betreiben, „das muss man wollen“, sagt Matthias Stammel. Er lässt keinen Zweifel daran, dass es nicht damit getan ist, einen Verkaufswagen aufzustellen und die Ware daraus zu verkaufen. Stammel vertreibt auch weiterhin Obst und Gemüse, nachdem die Höfinger Gärtnerei im Familienbesitz verpachtet wurde. Er wie auch Thomas Giek vom gleichnamigen Geflügelhof in Möglingen haben sich bewusst für das Marktleben entschieden. Wind und Wetter, frühe Anfangszeiten – all das ist für die beiden kein Thema. Man gewöhne sich daran, wenn die Nacht um drei Uhr zu Ende ist – und schlechtes Wetter gebe es nicht, es gebe nur schlechte Kleidung, sagt Stammel. Gleichwohl: „Der erste kalte Tag ist hart“ , sagt Thomas Giek. Aber ja: Es sei eine Frage der Gewöhnung, jedes Jahr aufs Neue, meint der 52-Jährige lachend.
Ende Juni war auf dem Laien vor dem Rathaus, dort, wo der Markt statfindet, dessen 40-jähriges Bestehen groß gefeiert worden. Die Marktbeschicker machten eigens Sonderangebote. Die Kunden werden das gerne zu Kenntnis genommen haben – wenngleich für die Stammgäste die Preisgestaltung auf dem Markt nur ein Aspekt von vielen ist: Mehr zählt das Vertrauen in den Händler, das Gespräch, das sich zum Austausch auch über Persönliches wandelt. Man kennt sich, auch das macht den Markt aus.
Das weiß auch Roswitha Mergel. Jahrzehntelang war sie der Ansprechpartnerin für die Stadtverwaltung, gab Informationen von der Stadt an die anderen Marktbeschicker weiter, etwa wenn an einem Samstag mal ein Aktionsstand aufgebaut werden musste. Inzwischen 69 Jahre alt, hat sie sich zurückgezogen, sie hilft aber noch immer aus, wenn mal jemand ausfällt.
Die Freude bei den Kunden, sie wieder zu sehen, zaubert einmal mehr ein Lachen in ihr Gesicht. „Man kennt sich“, sagt sie. Und man wisse, wenn die Kundin, in Gedanken versunken, mal etwas vergesse. „Heute keine Champions?“ – „Ach, natürlich, die hätte ich beinahe vergessen.“ So oder so ähnlich läuft am Samstag manches Gespräch ab. Die Marktbeschicker sind für etliche Kunden wichtige Gesprächspartner, umgekehrt gilt das: Viele Verkäufer genießen den Plausch. Er vermisse die Ansprache, erzählt etwa ein langjähriger Verkäufer, der an einem Samstag zufällig als Privatmann vorbeischaut. Mergel begrüßt ihn wie einen alten Bekannten. Man ahnt, wovon der Mann spricht.
Märkte auf festen Plätzen in Städten – das gibt es vielerorts und zwar seit Jahrhunderten. Als einer der ältesten Märkte gilt der Trierer Hauptmarkt, er soll im Jahr 958 eingerichtet worden sein. Der größte soll deutschlandweit der Isemarkt in Hamburg sein, einer der bekanntesten ist gewiss der Münchner Viktualienmarkt. Typisch für Marktgründungen Ende des 14. Jahrhunderts war, dass die Märkte im Zentrum der Siedlungen angelegt wurden. Mitunter wurden daraufhin alte Handelsstraßen so umgelenkt, dass sie an den neu angelegten Marktplätzen vorbeiführte. Andererseits differenzierten sich die Märkte aus. Fachmärkte entstanden und verschwanden auch wieder, Wochenmärkte und häufig auch Krämermärkte blieben. Der Ditzinger Krämermarkt etwa findet am Dienstag, 8. Oktober, auch wieder in der Ortsmitte statt.
Der zentral gelegene Standort ist wichtig. Der Wochenmarkt ist auf dem Laien, seit es diesen gibt; er war nur während des Rathausbaus Ende der 1980er Jahre verlegt worden.
Der Markt steht für saisonale, regionale Ware, für das bewusste Einkaufen von Waren, die – anders als im Supermarkt – vorher nicht bereits zigfach angefasst worden waren. Er steht für Fragen der Verbraucher zur Herkunft der einzelnen Produkte, aber auch für die Offenheit gegenüber den Kundenwünschen. Diese sind auch von den Anregungen der Spitzenköche in Funk und Fernsehen geleitet, fragen mal Exotischeres nach. Gleichwohl hat Familie Stammel beobachtet, dass ein in Vergessenheit geglaubtes Gemüse nie ganz weg ist oder auch länger Saison hat. Etwa die Petersilienwurzel und die Pastinake. Und Kürbis habe heutzutage länger Saison.