Ditzinger beim Ironman Hawaii Stephan Schwarz’ Kampf gegen Quallen und Qualen

Startnummer 1345 gibt Gas: Stephan Schwarz machte auf dem Rad einen großen Rückstand wett. Foto: privat

Der Ditzinger Stephan Schwarz trotzt beim legendären Ironman auf Hawaii zahlreichen Widrigkeiten – und er weiß trotz einer starken Platzierung: Es ist noch Luft nach oben.

Die Schlagzeilen beim diesjährigen Ironman auf Hawaii gehörten Patrick Lange. Der 38-Jährige wurde nicht nur zum dritten Mal Weltmeister, er stellte in 7:35:53 Stunden zudem eine Rekordzeit auf. Seine ganz eigene Geschichte schrieb aber auch Stephan Schwarz: Der 42 Jahre alte Vorsitzende der SVGG Hirschlanden-Schöckingen war bei seiner Hawaii-Premiere und seinem erst dritten Rennen über die Langdistanz (3,8 km Schwimmen/180 km Radfahren/42 km Laufen) überhaupt auf Anhieb drittbester Deutscher seiner Altersklasse.

 

Im Feld der 2418 Starter aus 85 Nationen bedeutete seine Zeit von 9:13:10 Stunden Rang 18 in seiner Altersklasse und Platz 175 im Gesamtklassement. „Auf diese Leistung bin ich sehr stolz. Aber es gab einige Faktoren, die verhindert haben, dass es ein perfektes Rennen für mich wurde“, meint Stephan Schwarz rückblickend.

Einer dieser Faktoren war das Schwimmen. Noch vor der Startlinie erlebte der Ditzinger die erste unangenehme Überraschung: Auf den knapp 100 Metern im Wasser wurde er von mehreren Quallen gestochen. Der nächste heikle Moment war der Start. „Als alle auf einmal losgeschwommen sind, ist das Wasser aufgeschäumt, wie wenn eine Rührmaschine angeschaltet wird“, erinnert sich der 42-Jährige. Da alle Triathleten gleichzeitig von der Vertikalen in die Horizontale wollten, fehlte der Platz. „Man muss höllisch aufpassen, nicht heruntergedrückt oder überschwommen zu werden“, erklärt Stephan Schwarz. Es dauerte rund 600 Meter, bis sich das Feld einigermaßen sortiert hatte.

Enttäuschung beim Schwimmen

Nach der Wende bei 1900 Metern gelang es dem 42-Jährigen, einige Schwimmer zu überholen. Bis ins Ziel kämpfte der Ditzinger mit seinem Rhythmus, weil ihm ein Kontrahent beharrlich an den Füßen klebte und immer wieder nach unten drückte. „Immerhin ist meine schwächste Disziplin dadurch wie im Flug vergangen“, meint Stephan Schwarz schmunzelnd, der auf Filmaufnahmen hinterher feststellte, dass ihn ein Hai und Delfine begleitet hatten. Ein wenig enttäuscht war er, dass er nur als 156. in seiner Altersklasse aus dem Wasser gestiegen war.

Körpertemperatur 39,45 Grad

Dies hatte zur Folge, dass der Zug der starken Radfahrer schon auf und davon war und er die windanfällige Strecke weitgehend im Alleingang absolvieren musste. Allerdings machten sich hier die 15 000 Trainingskilometer positiv bemerkbar, schon bis zur Wende bei Kilometer 95 hatte Schwarz zahlreiche Kontrahenten eingesammelt und sich um 89 Plätze bis auf Rang 67 seiner Altersklasse verbessert. Auf dem Rückweg mit bis zu 75 Stundenkilometern bergab überholte er weitere Konkurrenten und kam auf Rang 41 ins Ziel – nach 180 Radkilometern und 1772 gestrampelten Höhenmetern. Bedenklich allerdings: Sein Temperatursensor maß schon bedenkliche 39 Grad Körperkerntemperatur.

Um sein Ziel, den abschließenden Marathon in drei Stunden zu schaffen, drückte der erfahrene Ultraläufer anfangs aufs Tempo und war auf den ersten zwölf Kilometern mit einem Schnitt von 4:05 Minuten pro Kilometer unterwegs – allerdings mit der Folge, dass seine Körpertemperatur auf 39,45 Grad anstieg. „Diesen Wert hatte ich im Training nie erreicht“, erläutert der Ditzinger, für den der Lauf ab Kilometer 18 zum Überlebenskampf von einer Verpflegungsstation zu nächsten wurde. „Die Luft war so feucht, dass Schweiß und Wasser nicht verdunstet sind. Manchmal kam ich mir vor, als ob ich in den heißen Abgasen hinter einem Lastwagen stehe“, beschreibt Stephan Schwarz seine Leiden anschaulich.

Platz 18 in der Altersklasse

Die letzten zehn Kilometer entwickelten sich zu den gefühlt längsten des Jahres. Kurz vor dem Ziel schoss dem 42-Jährigen ein Schmerz in den linken Oberschenkel – ein Krampf wäre das letzte, was er hätte gebrauchen können, zumal dicht vor und hinter ihm jeweils ein Läufer war. Als 18. seiner Altersklasse überquerte er schließlich die Ziellinie – und brauchte schließlich eine ganze Stunde, um sich emotional und körperlich wieder in der Lage zu fühlen, seine Frau Claudia in die Arme zu nehmen und Freunde zu treffen.

2026 will Stephan Schwarz noch einmal auf Hawaii starten, wenn er 2025 die Qualifikationsnorm schafft. Und er weiß, was er besser machen muss, um seinen Traum von einem nicht nur sehr guten, sondern perfekten Rennen zu verwirklichen. „Ich muss beim Schwimmen weiter vorne landen, damit ich beim Radfahren den Anschluss an die Spitzengruppe habe und nicht so viel allein fahren muss“, lautet eine Erkenntnis. Und Nummer zwei. „Ich muss dem Thema Hitze in der Vorbereitung noch mehr Bedeutung beimessen, das ist beim Laufen der limitierende Faktor“, weiß Stephan Schwarz.

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