Das schwäbische Technologieunternehmen Trumpf schafft einen Umsatzrekord und legt beim Gewinn zu. Ein überraschender Erfolg in Europa trägt wesentlich dazu bei.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau: Matthias Schmidt (mas)

Die Gewinnbeteiligung bei Trumpf steigt um mehr als tausend Euro auf 2478 Euro pro Mitarbeiter. Wenn das Geld demnächst auf deren Konten eingeht, wäre ein gedanklicher Gruß ans Nachbarland Holland nicht verkehrt. Denn zum ersten Mal in der 99-jährigen Geschichte des Technologiekonzerns aus Ditzingen ist nicht mehr Deutschland der größte Einzelmarkt. Mit einem Umsatz von 838 Millionen Euro sind es vielmehr die Niederlande – deutlich vor den USA, Deutschland und China. Das ist so überraschend wie erklärungsbedürftig.

Dahinter steht die Erfolgsgeschichte eines einzigen Trumpf-Kunden: ASML, ein 1984 gegründeter Hersteller von Maschinen zur Produktion von Hochleistungschips mit Sitz in Veldhoven. Trumpf liefert die Laser, mit denen extrem ultraviolettes Licht (EUV) erzeugt wird, das bei der Produktion modernster Hochleistungschips eine entscheidenden Rolle spielt. ASML ist derzeit die einzige Firma, die derartige Maschinen bauen kann, sie rüstet die weltgrößten Chiphersteller TSMC, Samsung und Intel damit aus.

Trumpf erntet den Lohn für hohe Investitionen

Mit dem Kunden ASML agiere man mittlerweile wie „ein virtuell integriertes Unternehmen“, sagte Peter Leibinger, Technikvorstand von Trumpf, bei der Vorstellung der Bilanz des zurückliegenden Geschäftsjahres (Juli 2021 bis Juni 2022). Die Entwicklungsteams der beiden Unternehmen seien eng miteinander verwoben, „wir haben ständig zwei-, dreihundert Leute in Veldhoven“. Trumpf erntet mit dem Erfolg der EUV-Technologie den Lohn für Investitionen der vergangenen Jahre im dreistelligen Millionenbereich: Statt den angepeilten 50 Prozent wuchs der Umsatz in diesem Bereich um 82 Prozent auf 795 Millionen Euro.

Konsequenterweise investierte Trumpf mit 448 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung erneut mehr als zehn Prozent des Umsatzes in Innovationen. „Trumpf ist und bleibt ein sehr forschungsstarkes Unternehmen“, resümierte Nicola Leibinger-Kammüller die aus ihrer Sicht „guten bis sehr guten Zahlen“ der aktuellen Bilanz.

Der Umsatz liegt erstmals bei mehr als vier Milliarden Euro

Beim Umsatz der gesamten Gruppe vermeldete die Vorstandssprecherin des Familienunternehmens einen Rekordwert. Erstmals nahm Trumpf mit 4,2 Milliarden Euro die Vier-Milliarden-Hürde. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg um mehr als ein Viertel auf 468 Millionen Euro. Die Umsatzrendite wuchs von 10,5 auf 11,1 Prozent und lag damit über den eigenen Prognosen.

Dennoch wurde die Bilanzpressekonferenz nicht zur ungetrübten Feierstunde. Zu viele Ungewissheiten prägen den Blick nach vorn. Ein Indiz, wie stark angespannte Lieferketten das Geschäft nach wie vor belasten, findet sich in der Bilanz. Trumpf konnte lange nicht so viel ausliefern, wie bestellt wurde: Der Auftragseingang lag um mehr als eine Milliarde über dem Umsatz.

Das Chinageschäft steht auf dem Spiel

Im wichtigsten Geschäftsfeld Werkzeugmaschinen (2,3 Milliarden Euro Umsatz) blieben die Erlöse deshalb unter den Erwartungen. Maschinen konnten wegen fehlender Komponenten nicht ausgeliefert werden, die Lieferzeiten haben sich von rund drei bis sechs auf sechs bis zwölf Monate verlängert. Für die kommenden Monate bleibe große Unsicherheit, „wie sich die Engpässe in den Lieferketten, die hohe Inflation, steigende Material- und Energiepreise sowie Transportkosten auf unser Geschäft auswirken werden“, sagte Leibinger-Kammüller. In vielen Märkten sei zudem eine wachsende Zurückhaltung der Nachfrage zu spüren. All dies werde auf die Rendite drücken. Hinzu kämen die geopolitischen Risiken, namentlich die wachsenden Spannungen zwischen der westlichen Welt und China. Sollte China Taiwan annektieren, „kann es für überzeugte deutsche Staatsbürger und Demokraten keinen Zweifel geben, an wessen Seite wir stehen“, sagte die Vorstandschefin. Das China-Geschäft stünde dann im Ganzen zur Disposition. Trumpf müsste sich verstärkt andere Märkte suchen – und bräuchte andere Lieferanten für viele Einzelteile. „Wir sind nicht so abhängig von China wie die Autoindustrie, aber jeder weiß, dass wir unseren Wohlstand ohne den Handel mit China nicht halten können“, sagte Leibinger-Kammüller.

Immerhin: Das EUV-Geschäft wäre nur zum Teil betroffen. ASML darf seine hochmodernen Chipanlagen schon heute nicht nach China liefern. Bedroht wäre das Geschäft in Taiwan, aber die Märkte Korea, USA und EU würden wichtiger und stünden offen.