3725 Läufer sind am 15. Ditzinger Lebenslauf an den Start gegangen. Trotz schlechten Wetters sind allein am Sonntag 40.000 Euro an Spenden für den Mukoviszidose-Verein Heilbronn-Ludwigsburg zusammengekommen.

Ditzingen - Eigentlich ging es Luiz Henseling in den letzten Wochen nicht so gut. Der lange Winter hat dem 16-Jährigen Mukoviszidose-Patienten aus Remshalden nicht gut getan. Am Ditzinger Lebenslauf ist er am Sonntag dennoch an den Start gegangen. Vor fünf Jahren, als Luiz zuletzt an dem Sponsorenlauf teilgenommen hatte, lief er über den gesamten Tag verteilt knapp 40 Kilometer. Kurz vor 12 Uhr an diesem Morgen hat er vier Kilometer zurückgelegt – allerdings nicht mehr im Laufschritt, sondern im Spaziertempo. Denn in den vergangenen fünf Jahren hat sich die Lungenfunktion des Schülers verschlechtert, aktuell liegt sie bei 45 Prozent. Aber 21 Minuten für eine Zwei-Kilometer-Runde durch die Glemsaue – „das ist schon mal nicht schlecht“, resümiert Luiz. Eine dritte Runde will er noch zusammen mit seiner Mutter Susanne machen – mehr geht gerade nicht, auch wenn seine Puste reichen würde: Um 13 Uhr bekommt Luiz seine nächste Dosis Antibiotikum, derzeit macht er eine intravenöse Therapie.

 

Ein Schrittzähler für die Helfer?

Valerie Volk bekommt an diesem Tag keine Urkunde über ihre gelaufenen Kilometer – „dabei würde bestimmt ordentlich was zusammenkommen“, sagt sie 25-Jährige und lacht. Nächstes Jahr will sie sich einen Schrittzähler an die Hose heften. Valerie Volk steht an der Information und nimmt die Anmeldungen von Läufern an, die sich spontan entscheiden, beim Ditzinger Lebenslauf ihre Runden zu drehen.

Das hört sich nach einem stehenden Job an, aber tatsächlich ist die junge Frau aus Hemmingen den ganzen Tag auf den Beinen. Um 6 Uhr an diesem Morgen hat sie bereits kontrolliert, ob auch noch überall die Hinweisschilder für die Läufer hängen – „manche verschwinden nämlich über Nacht“ –, seit dem Start des Sponsorenlaufs um acht Uhr steht sie an der Information. „Am Sonntagabend wird es sicher 20 Uhr werden, bevor alles fertig ist“, sagt sie. „Dann werde ich richtig platt sein“, sagt sie und lacht wieder. Das ist in jedem Jahr so, das gehört für sie zum Lebenslauf, seit sie vor 15 Jahren das erste Mal dabei war. „In der nächsten Woche nehme ich einfach ein paar Tage Urlaub“, sagt sie. Ein bisschen Erholung ist dann nötig, denn auch Valerie Volk ist Mukoviszidose-Patientin und auch ihr hat der lange Winter zu schaffen gemacht. „Meine Lungenfunktion liegt gerade bei 32 Prozent“, sagt sie. „Aber ich bin auf dem Weg der Besserung.“

Rückenschmerzen vom Apfelschnitze machen

Zweihundert Meter weiter, im Versorgungszelt, macht Jennifer Zaiser aus Ditzingen gerade eine Pause und hofft ebenfalls auf eine Verbesserung – und zwar auf eine Entspannung ihrer Rückenmuskulatur. Seit morgens um 8 Uhr presst die 24-Jährige Äpfel durch eine Form in Schnitze, Wegzehrung für die Läufer. „Seit 11 Uhr merke ich es im Rücken“, sagt sie. Mehr als 400 Kilo Äpfel werden sie und die anderen Helfer im Laufe des Tages in fingerfertige Happen pressen. Sie schlenkert zum Ausgleich mit den Armen. „Aber es macht Spaß“, sagt sie. Jennifer Zaiser hilft bereits seit acht Jahren beim Lebenslauf mit. Sie ist nicht an Mukoviszidose erkrankt, aber eine Nachbarin. „Und ich habe selbst eine andere Krankheit. Ich weiß, wie wichtig es ist, Unterstützung zu bekommen“, sagt sie. „Ich finde es einfach wichtig, denen, die eine so kurze Lebenserwartung haben, zu helfen.“ Ein kleiner Schritt für Dich, ein großer Schritt für jemand anderen – so steht es auch auf einem Plakat entlang der Laufstrecke.

3725 Läufer am Start

150 Helfer haben bei diesem 15. Ditzinger Lebenslauf mitgemacht. Im Vorfeld haben sich allein 3300 Läufer in Gruppen angemeldet – was ein Anmelderekord war. Tatsächlich gestartet sind am Sonntag 2968 Läufer in Gruppen. Hinzu kamen 757 Einzelläufer – insgesamt sind damit 3725 Läufer rund 50 000 Kilometer gelaufen. „Obwohl das Wetter nicht ganz so gut war“, sagt Petra Fix, eine der Organisatorinnen des Laufs und Mitglied im Mukoviszidose-Verein, Regionalgruppe Heilbronn-Ludwigsburg. Das große Ziel, die Million zu knacken, haben die Organisatoren damit aller Wahrscheinlichkeit nach dennoch geschafft: Allein am Tag des Laufs haben sie 40 000 Euro eingenommen. Viel mehr Geld kommt in den nächsten Wochen rein. „Die Gruppen überweisen es zumeist später“, sagt Elke Detzmeier, eine der Initiatorinnen. Das Endergebnis stehe deswegen erst im September fest. „In den vergangenen Jahren haben wir im Schnitt 125 000 Euro eingenommen“, so Detzmeier. Mit dem Geld unterstützt der Muko-Verein Projekte für Mukoviszidose-Patienten. .