Ditzinger Lebenslauf Weil jeder gelaufene Kilometer zählt

  Foto: Simon Granville

Beim 26. Ditzinger Lebenslauf zugunsten des Vereins Mukoviszidose war die Stimmung bestens. Auch die Zahl der Teilnehmenden stieg weiter an.

„Nächstes Mal zwei Runden?“ Lachend stupst ein Vater sein Kindergartenkind an, das auf Mamas Schoß liegt. „War schön“, lacht der Kleine. Es ist Mittagszeit, die Familie ist im Shuttle zurück zum Parkplatz. Wie alle in dem vollen Bus. Sie waren beim Ditzinger Lebenslauf, der zum 26. Mal an diesem Sonntag stattfindet.

 

Andere, die zusteigen Richtung Stadtmitte, schnüren noch die Joggingschuhe, um zugunsten des Vereins Mukoviszidose für das Leben zu laufen. Wie Andreas Ernst, der wieder für einen Freund mitläuft. Dessen Kind leidet an der unheilbaren Stoffwechselerkrankung, deren Ursache eine Genveränderung ist. „Wichtige Sache, der Lauf“, sagt er. „Man tut was für andere – und für sich, für Körper und Geist.“ Sein Ziel: 15 Kilometer. Zwei Euro gebe der Sponsor des Freundes pro 1000 Meter.

Gelaufene Kilometer konnte man auch digital erfassen

Das ist der Charme am Ditzinger Lebenslauf, bei dem es vom Schulzentrum in der Glemsaue aus auf zwei Kursen – zwei und dreieinhalb Kilometer – durchs Grüne geht: Jede Runde, jeder Kilometer, die da gelaufen, gegangen, spaziert mit Plausch werden, sind Geld wert, alle Läufer und Läuferinnen sind Spendensammler. Unterstützer, Firmen, Geschäfte und andere zahlen dafür – oder auch mancher Läufer selbst. Das geht auch hybrid. Was zu Corona eingeführt wurde, bleibt: Schon seit dem 14. April konnte man individuell anderswo Kilometer zusammentragen und ins Onlineportal eingeben.

In der Glemsaue indes ist von 8.30 Uhr bis 16 Uhr live zu erleben, mit welcher Freude Einzelne, Familien mit Kindern, Babyjoggern, Hunden, Seniorinnen und Senioren, Teams aus Unternehmen, Verwaltung, Schulen und Praxen Meter für Meter Sportschuhgummi geben für den guten Zweck. Neben Ditzingern laufen Menschen aus nah und ferner mit, wie die Kinder-Physiotherapeutin Monja Sales-Prado aus Gerlingen, Martina Martens aus Leonberg oder Herman Samson Besong aus Kornwestheim. Der Lebenslauf sei nicht nur der guten Sache wegen toll, sondern auch eine Möglichkeit, Kinder an Sport und Engagement heranzuführen, heißt es begeistert.

Über zwei Millionen Euro an Spenden gesammelt

Erstmals dabei sind Clara und Malena, Auszubildende einer Bäckerei: Die 17-Jährigen haben 22 respektive 25 Kilometer erlaufen. „Hat Spaß gemacht, die Gruppe, ja alle spornen an, wenn man müde wird.“ Prima sei auch das Programm: Während die einen laufen, spielen Bands oder führen Vereine etwas vor, etwa Taekwondo. Dass die Stimmung so großartig ist, freut Organisatorin Jana Maierhofer. Die Projektleiterin der Regionalgruppe Ludwigsburg-Heilbronn des Vereins Mukoviszidose und ihr Mann haben den Lebenslauf von Elke Detzmeier und deren 2019 plötzlich verstorbenem Mann Manfred Schröder übernommen. Dafür dankte Ditzingens OB Michael Makurath in seiner Rede explizit.

Beide Paare haben Kinder mit Mukoviszidose. Als Detzmeier und Schröder den Benefizlauf nach Schweizer Vorbild 1999 ins Leben riefen, kamen 700 Laufende, darunter der heutige Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne). Die Teilnehmerzahlen stiegen stetig bis 2019 auf rund 4000 – dann kam Corona. Nun ziehe es wieder an, so Maierhofer. Für den Lauf in Präsenz hatten sich dieses Mal über 2000 Menschen angemeldet. Wie viele es dann insgesamt werden mit Nach- und Spontanmeldungen inklusive Hybridteilnehmern, das müsse man noch auswerten, sagt Maierhofer. Das gilt auch für den Gesamterlös. „Manche spenden uns die Lebensmittel, Essen- und Getränkeverkauf ist dann Reinerlös für uns.“

Seit Beginn des Charity-Events kamen bis dato über zwei Millionen Euro an Spenden zusammen. Diese fließen etwa in psychologische Betreuung und eine Schwesternstelle der Mukoviszidose-Ambulanz Schillerhöhe, eine mobile Physiotherapeutin für schwerkranke Mukoviszidose-Patienten, zur Nachsorgeklinik Tannheim und in Forschungsprojekte.

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