Ditzinger Zuckerrüben für Südzucker Riesige Maschinen ernten tonnenweise Rüben – und doch heißt eine „Maus“

Eine Maschine zur Ernte von Zuckerrüben, ein Rübenroder, in Aktion: Vom Feld landen die Rüben direkt auf dem Haufen. Foto: Geronimo Schmidt

Bei Landwirt Andreas Schmid in Ditzingen ist der zweite Teil der enormen Zuckerrübenernte eingefahren worden. Nun warten alle auf den Abtransport in die Zuckerfabrik nach Offenau.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Andreas Schmid ist zufrieden. „Die Menge ist in diesem Jahr sehr gut“, sagt der Ditzinger Landwirt und meint damit den Ertrag, den seine Zuckerrübenfelder in diesem Herbst abgeworfen haben. Dieser Tage hat ein Lohnunternehmer aus Sachsenheim mit dem Rübenroder vorbeigeschaut: Das ist ein imposantes landwirtschaftliches Fahrzeug, das die Rüben aus dem Boden holt und im Anschluss ganz automatisch per Förderband zu großen Haufen auftürmt – jene Haufen, die für den Landstrich zwischen Neckar und Enz im Herbst fast so charakteristisch sind wie übers Jahr gesehen Streuobstwiesen oder Trockenmauern.

 

Die Zuckerrüben werden nach der Ernte in die Zuckerfabrik gekarrt

Mehr als 100 Tonnen sind es in diesem Jahr für Andreas Schmid geworden. Auf insgesamt zwölf Hektar baut er Zuckerrüben an. Der erste Teil der Ernte ist bereits in der zweiten Septemberhälfte eingefahren worden. Der zweite folgte jetzt. Am Ende werden die Rüben auf Laster geladen und kommen in die Südzucker-Fabrik nach Offenau in unmittelbarer Nähe zu Bad Friedrichshall im Landkreis Heilbronn. „Mit der ersten Ernte waren wir früh dran in diesem Jahr, nur ein oder zwei Tage nachdem die Fabrik geöffnet hat“, erzählt der 44-Jährige.

Rübenernte: Die Haufen werden Mitte November abgeholt, die Rüben kommen in die Zuckerfabrik. Foto: Geronimo Schmidt

Aus den Zuckerrüben wird fast ausschließlich, genau, Zucker. „Nur im Schwarzwald gibt es ein paar Landwirte, die welche für Biogasanlagen anbauen“, sagt Schmid. Der Zuckeranteil einer Rübe betrage in diesem Jahr laut Schmid zwischen 15 und 16 Prozent. Das habe die Messung während der Ernte ergeben. Welchen Anteil am Gesamtertrag seiner Landwirtschaft die Rüben ausmachen, kann er hingegen nicht genau beziffern. „Es kommt natürlich auf die Preise bei Milch und Getreide an“, sagt er. Allerdings gebe es bei den Rüben nicht solche großen Schwankungen. „Pro Tonne kommen etwa 35 Euro zusammen“, so Schmid.

Mitte November werden Andreas Schmids geerntete Rüben schließlich geholt. Dann kommt die sogenannte Rübenmaus zum Einsatz, an deren Betrieb sich zahlreiche Landwirte aus der Umgebung beteiligen. Auch hier handelt es sich um ein bemerkenswertes – und abermals enorm großes – Fahrzeug, das entgegen des niedlichen Namens aber so gar nichts mit einem graufelligen Nagetierchen zu tun hat. Es ist in der Lage, tonnenweise Rüben aufzunehmen, sie zu reinigen und direkt auf einen bereitstehenden Lastwagen zu verladen.

Ernte der Zuckerrüben: Legenden ranken sich um den Namen Rübenmaus

Über die Herkunft des Namens der Rübenmaus indes streiten sich die Gelehrten. Ein Hersteller umschreibt ihn als Abkürzung für „Mieten, Aufnahme, Umladen, System“. Wiederum andere glauben, dass der Name tatsächlich von den Mäusen herrührt, die bei der Ernte aus den Haufen, der sogenannten Rübenmiete, die Flucht ergreifen. Darüber hinaus gibt es noch einige weitere Versionen der Geschichte, warum die Rübenmaus nun Rübenmaus heißt.

Im Anschluss geht’s ab in die Fabrik. Bei entsprechender Witterung fahren die Rüben-Laster 24 Stunden am Tag die ganze Woche über ihre Touren von den Haufen zur Fabrik.

Von wegen Rübengeister: Zuckerrüben sind viel härter als Futterrüben

Wer nun allerdings glaubt, ein oder zwei Rüben zum Schnitzen eines Rübengeistes abgreifen zu können, den muss Andreas Schmid enttäuschen. „Geister hat man früher aus Futterrüben geschnitzt. Zuckerrüben sind viel härter, mit denen geht das so gut wie nicht.“

Futterrüben baue in hiesigen Gefilden schon seit rund 20 Jahren niemand mehr an. „Der Futterwert ist viel zu gering“, sagt der Landwirt, der sich jedoch noch sehr gut entsinnen kann, Futterrüben in der Schubkarre vom Lagerplatz am Haus in den Kuhstall verfrachtet zu haben. Ein Blick auf die Plattform „Information Medien Agrar“ bestätigt die Aussage des Ditzingers. Dort heißt es: „Mit 0,05 Prozent der Fläche kommt dem Futterrübenanbau in Deutschland keine bedeutende Rolle mehr zu.“

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