Dividende deckt Zinsen Kalkül um EnBW-Rückkauf geht weiter auf

Seit seinem „EnBW-Coup“ ist das Land Großaktionär: Stefan Mappus Foto: dpa/Ronald Wittek

Das Land kann die Zinskosten für den EnBW-Rückkauf immer besser aus der Dividende decken – so soll es auch bei der geplanten Kapitalerhöhung um insgesamt drei Milliarden Euro funktionieren.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Es ist ein stolzer Betrag: Drei Milliarden Euro soll der Energiekonzern EnBW von seinen Eignern, dem Land und dem oberschwäbischen Landkreiseverbund OEW, als Kapitalerhöhung bekommen. Jeweils zur Hälfte soll das Geld von der Landesgesellschaft Neckarpri, die die EnBW-Aktien hält, und der entsprechenden OEW-Gesellschaft aufgebracht werden. Landtag und Kreistage müssten für die benötigten Darlehen eine Garantie übernehmen; im aktuellen Haushaltsentwurf des Landes ist diese bereits vorgesehen.

 

Die Kreditzinsen sollen mit der Dividende der EnBW bezahlt werden – so wie es schon der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus beim Rückkauf der Aktien aus Frankreich angekündigt hatte. Lange ging seine Rechnung nicht auf, doch seit einigen Jahren klappt es – und das immer besser. Im aktuellen Jahresabschluss der Neckarpri GmbH, der an diesem Donnerstag (31. Oktober) veröffentlicht wurde, stieg der Überschuss kräftig an: von 54 Millionen Euro im Vorjahr auf 102 Millionen Euro.

Dividende steigt im Ausnahmejahr kräftig

Der Hauptgrund: für die EnBW war 2023 ein Ausnahmejahr mit 6,4 Milliarden Euro Gewinn, die Dividende stieg daher von 1,10 auf 1,50 Euro – macht 193,9 statt 142,2 Millionen Euro. Die Ausgaben für Zinsen stiegen derweil nur von 87,6 auf 91,1 Millionen Euro, weil man sich langfristig relativ günstige Sätze gesichert hatte. Der Überschuss wandert ins Eigenkapital von nun 325,5 Millionen Euro, das mit 6,2 Prozent zwar noch gering ist, aber reicht, um zwei Jahre mit Dividendenausfall abzufedern – derzeit reine Theorie.

Die Darlehen für den EnBW-Rückkauf – insgesamt 5,3 Milliarden Euro – wurden inzwischen auf 4,9 Milliarden reduziert. Bei unterschiedlichen Laufzeiten beträgt der Zins im Durchschnitt 1,8 Prozent. Für die zur Kapitalerhöhung benötigten 1,5 Milliarden Euro – nach Zustimmung der Hauptversammlung im Mai 2025 – dürfte der Zinssatz deutlich höher liegen; erwartet werden an die drei Prozent. Bisher reichte eine Dividende von 71 Cent, um die Kreditkosten zu decken; auch bei höheren Zinsen bestünden also noch ordentlich Spielraum. Wenn sich die EnBW planmäßig weiter entwickele, heißt es bei der Neckarpri, lasse sich die Finanzierung „nachhaltig wirtschaftlich darstellen“.

Aktienwert liegt weiter über Kaufpreis

Auch beim Wert der Landesanteile, der jedes Jahr neu von Wirtschaftsprüfern ermittelt wird, sieht es weiterhin gut aus: Er liegt unverändert über dem Kaufpreis, den Mappus einst für die Aktien bezahlt hatte. Die genaue Zahl wird nicht genannt. Einen gewissen Anhaltspunkt liefert der Aktienkurs, obgleich der Streubesitz gering ist. Er lag zuletzt bei 66 Euro; bei Mappus’ „EnBW-Coup“ betrug der Preis etwas über 40 Euro.

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