Dix-Porträt im Kunstmuseum Stuttgart kauft ein weiteres Dix-Gemälde

Otto Dix: „Selbstbildnis mit Palette vor rotem Vorhang“, 1942 Foto:  
Otto Dix: „Selbstbildnis mit Palette vor rotem Vorhang“, 1942 Foto:  

Frohe Kunde aus dem Kunstmuseum: Das Selbstporträt von Otto Dix aus dem Jahr 1942 gehört nun dem Museum. Möglich wurde der Ankauf, weil mehrere Stiftungen und die Stadt zusammengelegt haben, um den Kaufpreis aufzubringen.

Kultur: Amber Sayah (say)
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Stuttgart - Frohe Kunde aus dem Stuttgarter Kunstmuseum: das „Selbstbildnis mit Palette vor rotem Vorhang“ von Otto Dix, das seit 1980 als Leihgabe aus Privatbesitz in der städtischen Sammlung hing, gehört jetzt dem Kunstmuseum. Am Montag teilte die Direktorin Ulrike Groos mit: „Dix’ Gemälde ist ein künstlerisches und zeitgeschichtliches Dokument ersten Ranges und ein Schlüsselwerk im Œuvre des Malers. Ich freue mich deshalb sehr, dass das Werk auch weiterhin der bedeutenden Dix-Sammlung in Stuttgart erhalten bleibt.“ Die Stuttgarter Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) sagte: „Wir unterstützen gern den Ankauf des Gemäldes von Otto Dix, das zur Bereicherung der hochkarätigen Sammlung des Kunstmuseums Stuttgart beiträgt.“

Möglich wurde der Ankauf, weil die Kulturstiftung der Länder, die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Wüstenrot Stiftung sowie die Stadt Stuttgart zusammengelegt haben, um den Kaufpreis aufzubringen. Nach Auskunft von Ulrike Groos betrug er eine einstellige Millionensumme – über die genaue Höhe ebenso wie über die Identität der Vorbesitzer wird jedoch Stillschweigen bewahrt.

Das Selbstporträt aus dem Jahr 1942 nimmt im Schaffen von Dix eine heraus­ragende Stellung ein. Entstanden ist es im Atelier in Hemmenhofen am Bodensee, wo die Familie nach der Entlassung des Künstlers 1933 aus dem Lehramt an der Dresdner Kunstakademie wohnte und wo das Kunstmuseum seit 2013 das Museum Haus Dix betreibt. Mitten im Zweiten Weltkrieg stellt sich der Maler darauf als blinden, den Untergang voraus­ahnenden Seher dar. Die Vulkanlandschaft im Hintergrund weist auf die Katastrophe voraus, die imperiale Geste des roten Vorhangs ist dagegen eine Reminiszenz an Dix’ altmeisterlichen Stil der Dresdner Zeit, während die fragile Gestalt des Künstlers, seine grüblerischen Gesichtszüge und die verschattete Augenpartie seine existenzielle Verunsicherung zum Ausdruck bringen. Groos zählt das Bild zu den Hauptwerken innerhalb des einzigartigen Dix-Bestands des Kunstmuseums. Beginnend mit dem frühen „Selbstbildnis als Soldat“ von 1914 ließen sich anhand der Selbstporträts in Stuttgart Leben und Werk des Malers von den Anfängen in Dresden bis zu den letzten Lebensjahren am Bodensee aufzeigen.

Der Chefin des Kunstmuseums ist es seit Langem ein Anliegen, wichtige Leih­gaben in den Besitz des Museums zu überführen und sie so dauerhaft für die Sammlung zu sichern. Intern hat sie deshalb eine Liste „unverzichtbarer Dix-Werke“ aufgestellt, die ihrem Haus von privater Seite überlassen wurden – und das seien immerhin noch „einige“. „Im Ansatz“ begrüßt Ulrike Groos daher auch die von Kulturstaats­ministerin Monika Grütters angestrebte Reform des Kulturgut­schutz­gesetzes. Es sei zwar „noch nicht zu Ende gedacht“, werde letztlich aber helfen, wesentliche Werke im Museums­besitz zu bewahren.




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