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DJ Leif Müller aus Stuttgart „Ein guter Track ist ein guter Track"

Von Martin Elbert 

Gemeinsam mit dem Globetrotter Konstantin Sibold bildet Leif Müller das Duo Common Sense People. Jetzt hat Leif Müller seine erste Platte "Humpty Times" veröffentlicht.

Leif Müller dreht an den Knöpfen in Leeds. Foto: Leif Müller
Leif Müller dreht an den Knöpfen in Leeds. Foto: Leif Müller

Stuttgart - Der Name Leif Müller ist unweigerlich mit dem Namen Konstantin Sibold verbunden. Seit der 5. Klasse Musik tauschen sie Musik aus, zuerst wurden sie von HipHop beeinflusst und später von Detroit-Techno. Seit einigen Jahren bilden sie das DJ- und Veranstalter-Duo Common Sense People und werten das lokale Nachtleben kulturell auf.

Konstantin schaffte 2013 dank einigen globalen Clubhits den internationalen Durchbruch, lebt seither den Jetset-Traum vieler Djs und hat zuvor schon viele Jahre lang eigene Musik kreiert und veröffentlicht, während für Leif Müller das Produzieren lange Zeit „eher Traum anstatt Plan“ war, wie er sagt. Seit kurzem ist nun Leifs Debüt-EP „Humpty Times“ erhältlich, bestehend aus zwei ehrlichen, zeitlosen Techno-Stompern. Für beide Tunes wurden aus altem Filmmaterial seines Vaters, aufgenommen 1989 in den USA, Youtube-Clips geschnitten.


„Aus zeitlichen Gründen habe ich mich lange nur auf das DJ-Dasein und unsere Common Sense People Partys konzentriert“, sagt Müller. Wie so oft bei Djs, kam auch bei ihm irgendwann das Verlangen auf, eigene Musik zu schaffen, zumal man - gerade in der Techno/House-Szene - meist nur mit eigenen Releases weit über das VVS-Verbundsnetz hinaus kommt.

Um diesen Vorgang zu beschleunigen, hocken sich manche DJs einfachhalber mit einem versierten Produzent ins Studio und dirigieren diesen etwas umher, Hauptsache am Ende steht der Name auf der Platte. Keine Option für Leif Müller, auch wenn es anfangs hart war. „Vor allem im ersten Jahr hatte ich auch viele Momente, in denen ich dachte, fuck it, produzieren sollen Andere.“

Beeinflusst von Detroit-Techno

Technik läuft jetzt bei ihm und nun gibt es „nichts Schöneres“ als Produzieren. Und aus dem Bauch heraus klappt das am Besten bei ihm. Detroit-Techno sei immer noch ein Einfluss, meint er, ansonsten sei die Inspirationen ein ständiger Prozess. „Im Endeffekt ist ein guter Track ein guter Track, egal von wem und von wann.

Die Debüt-Platte „Humpty Times“ ist dem Plattenladen Humptys gewidmet, der jahrelang im heutigen Suppa-Sneakerladen in der Paulinenstraße in Stuttgart residierte und zuletzt in der ehemaligen Bahndirektion am Hauptbahnhof. Leif Müller skizziert das, wirklich einmalige, Humptys-Biotop aus Blödsinn labern, Youtube-Videos anschauen, Freunde treffen, alten Geschichten von den Besitzern Daniel Benavente und Oli Hauf lauschen und so ganz nebenher stundenlang neue Platten durchhören. „Konsti und ich haben den Humpty Jungs viel zu verdanken und die Zeiten dort waren schön und prägend, daher die Widmung.“


Das Humptys gibt es schon seit einigen Jahren nicht mehr. Die Stadt sowie die Clubszene sind im Wandel. Wie beurteilt Leif Müller die Entwicklung in Stuttgart? „Momentan empfinde ich die Clubszene, auf elektronische Musik bezogen, als nicht so prickelnd. Da passiert wenig neues, kein Risiko und viele Wiederholungen.“

Er ist sich bewusst, dass Kritik immer einfach sei, aber seiner Meinung nach hätten Veranstalter und Clubs auch die Aufgabe, den musikalischen Horizont der Clubgänger zu erweitern. „So war das, als Konsti und ich angefangen haben in Clubs zu gehen, und das wollen wir durch unsere Partys zurückgeben.“ Ein entscheidender Faktor dieser negativen Entwicklung sind für ihn die Politiker, „die Subkultur einschränken anstatt sie zu fördern.“

Seine eigene Subkultur will Leif nun weiter fokussieren und fördern – neben der Master-Thesis an der Uni Hohenheim. Neue Nummern warten darauf veröffentlicht zu werden, darunter auch ein Remix für die Szenengröße Anja Schneider aus Berlin, sowie viele „coole“ Gigs und Festivals.

Wie das dann alles weitergeht, kann man schwer planen, sagt er. „Bei mir und auch bei Konsti ist das alles aus Leidenschaft entstanden und hat sich über die Jahre natürlich entwickelt.“ Man könnte natürlich die „Masse“ bedienen und so vielleicht den Erfolg erzwingen, aber er stehe mehr auf Zeitlosigkeit und mache Musik aus Intentionen „Davon dann auch noch Leben zu können, ist ein Privileg und mein Ziel. Um das zu erreichen, werde ich, solange es Spaß und Sinn macht, alles tun was in meiner Macht liegt.“




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