Doch kein Förderstopp Betreiber von Wasserkraftanlagen erleichtert
Kleine Anlagen sollen doch weiterhin gefördert werden. Die Initiative Waiblingen Klimaneutral will nun Wasserkraftbefürworter und Kritiker an einen Tisch bringen.
Kleine Anlagen sollen doch weiterhin gefördert werden. Die Initiative Waiblingen Klimaneutral will nun Wasserkraftbefürworter und Kritiker an einen Tisch bringen.
Kehrtwende in Sachen Wasserkraft: Kleine Anlagen mit einer Leistung von weniger als 500 kW sollen auch zukünftig eine Einspeisevergütung bekommen – zur großen Erleichterung von Betreibern wie dem Ingenieur Martin Vogelmann aus Remshalden oder dem Hegnacher Müller Ulrich Stietz. Die Pläne der Bundesregierung, kleine Wasserkraftanlagen ab dem kommenden Jahr „aus ökologischen Gründen“ nicht mehr nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu fördern, sind diese Woche im Bundestag gekippt worden.
„Wenn das gekommen wäre, wäre das ein Fiasko gewesen“, sagt Ulrich Stietz, der den aus Wasserkraft gewonnenen Strom für den Betrieb seiner Mühle nutzt und den Rest ins Netz einspeist. Müsste er hingegen den Strom kaufen, ließe sich die traditionsreiche Hegnacher Mühle nicht mehr wirtschaftlich betreiben, argumentiert Stietz und äußert seine Verwunderung darüber, dass die Wasserkraft, die lange Zeit als grüne Energie gegolten habe, plötzlich solchen Gegenwind erfahren habe: „Das war nicht absehbar.“
Auch Martin Vogelmann, der seit rund zwölf Jahren ein privates Wasserkraftwerk in Geradstetten betreibt, klingt erleichtert. „Kurz gesagt, bleibt alles beim Alten“, sagt der Ingenieur – so wie es aussehe, gebe es sogar eine kleine Verbesserung, denn die Wasserkraft sei sogar aufgewertet worden. Wie bei der Solar- und Windenergie gelte jetzt, dass sie „im überragenden öffentlichen Interesse“ liege, was Erleichterungen für Betreiber mit sich bringen könnte. „Genehmigungsverfahren könnten in Zukunft eventuell etwas zügiger laufen“, sagt Vogelmann.
Die kleinen Wasserkraftanlagen sollen demnach weiter nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz 2021 gefördert werden, was für deren Betreiber bisher bedeutet, dass sie für die Dauer von 20 Jahren mit einer EEG-Einspeisevergütung von gut zwölf Cent je Kilowattstunde kalkulieren können. Falls sie sich danach entschlossen, die Leistung ihrer Anlage zu steigern oder in ökologische Verbesserungen zu investieren, wurde das mit einer garantierten Einspeisevergütung für weitere 20 Jahre belohnt.
„Ich bin als Bürger sehr glücklich und nicht nur, weil ich meine Brötchen damit verdiene“, sagt Martin Vogelmann. Die Wasserkraft liege ihm seit jeher am Herzen, in den 1980er Jahren habe er dafür gekämpft, dass die Hahn’sche Mühle in Waiblingen wieder in Betrieb genommen wird.
Diese gehört zu den insgesamt vier kleinen Wasserkraftanlagen, welche die Stadtwerke Waiblingen betreiben. In den vergangenen Jahren wurden dort Fischtreppen gebaut, um die Rems flussauf- und flussabwärts durchgängig zu machen.
Leider funktionierten die Fischabstiege entlang des Flusses oft nicht und die Aufstiege nicht zu 100 Prozent, sagt Werner Boßler, der sich im Arbeitskreis Gewässerentwicklung Unteres Remstal engagiert. „Wir kümmern uns um die Rems, aber auch um kleinere Gewässer“, erzählt er. Das Ziel: „Die Flüsse sollen renaturiert und durchgängig für die darin lebenden Lebewesen werden.“
Der Arbeitskreis arbeite mit dem North Atlantic Salmon Fund (NASF) Deutschland zusammen, der sich für die Wiederansiedlung und den Schutz der atlantischen Lachse und weiterer Wanderfische einsetzt und Flüsse und Bäche so gestalten will, dass sie als Lebensräume geeignet sind. „Was Wanderfischen guttut, hilft auch den anderen Lebewesen“, argumentiert Boßler. Der Arbeitskreis habe sowohl die Rems als auch die Wieslauf und die vorhandenen Wehranlagen im Hinblick auf deren Durchgängigkeit unter die Lupe genommen – und festgestellt, dass diese nicht so gut sei, wie erhofft. Meist sei der Fischabstieg ein Problem. Dieser sei für die Fische oft schwer zu finden, „weil die Hauptströmung in die Turbine reingeht und die Fische dieser folgen“. Oder die Fische träten den Rückzug an und kämen nicht weiter. Es brauche also funktionierende Leitsysteme, mittels derer Fische um Turbinen geleitet werden, sagt Werner Boßler und betont, das habe nichts mit Schikane zu tun. Die Maßnahmen seien aber teils sehr aufwendig und kosteten viel.
Erschwerend komme hinzu, dass jedes Wehr anders sei, es keine Standardlösungen gebe. „Rein vom ökologischem Standpunkt her müssten viele Wehre geschleift werden“, sagt Boßler, aber angesichts der Stromknappheit müsse man Wege finden, damit die Durchgängigkeit gewährleistet sei. „Wenn kleine Wasserkraftwerke eine ordentliche Durchgängigkeit haben, sollten sie bezuschusst werden, wenn nicht, dann nicht.“
Die Initiative Waiblingen Klimaneutral plant, die Befürworter und Kritiker der Wasserkraft an einen Tisch zu bringen. Ulrich Stietz findet diese Idee gut: „Ich wünsche mir, dass sich Gespräche entwickeln zwischen denen, die die Wasserkraft ganz negativ sehen und denen, die sie positiv sehen.“