Doch noch eine Pferdemarkt-Location Die Waldhexen haben einen Ort zum Feiern gefunden

Die „Sonnenzeiten“ sind vorbei – in diesem Jahr geht es woanders weiter. Foto: Simon Granville

Das ging schnell: Dachte die Leonberger Narrenzunft lange, bei der diesjährigen Ausgabe des Pferdemarkts ohne Location dazustehen, sieht es jetzt ganz anders aus. Wir haben mit den Beteiligten gesprochen.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Sie hatten sich schon damit abgefunden, beim 332. Leonberger Pferdemarkt nicht wie gewohnt aktiv zu sein. Die Narrenzunft Waldhexen hatte viele Jahre lang das historische, leer stehende Gasthaus Sonne bewirtet und dorthin zu gut besuchten Partys eingeladen. Da die Eigentümerfamilie die Immobilie im Innenbereich nun aber aufgehübscht hat und anderweitig nutzen möchte – etwa bei der Langen Kunstnacht –, standen die Hexen ohne Lokalität da. Bis vor wenigen Tagen.

 

Amtei-Eigentümer melden sich nach Zeitungsartikel

„Nach dem Artikel vergangene Woche in der Leonberger Kreiszeitung haben sich die Eigentümer der Alten Amtei bei uns gemeldet“, frohlockt Zunftmeister Andreas Beißwenger. Für die Location werde aktuell ein Pächter gesucht. „Und der Wunsch ist, dass die Amtei zum Pferdemarkt öffnet und damit das Angebot bereichert.“ Für Beißwenger und die Waldhexen war klar: „Da sind wir mit dabei.“

Die Alte Amtei, gelegen in der Oberamteistraße fast unmittelbar am Leonberger Marktplatz, besteht vorrangig aus einem historischen Gewölbekeller aus dem Jahr 1620. Das Lokal weist laut offiziellen Angaben auf der Internetseite der Stadt Leonberg 50 Plätze im Innenbereich und zehn im Nebenzimmer aus, dazu noch zwölf Plätze auf der Terrasse. Insgesamt ist es somit deutlich kleiner als die Sonne – und schon dort ging es phasenweise wirklich kuschelig zu. Manchmal mussten die Partygängerinnen und -gänger auch draußen warten, bis andere Gäste herauskamen und weiterzogen. Das Prozedere regelte über Jahre hinweg souverän eingespieltes Security-Personal.

Spontaner Neustart nach langer Suche

Jetzt gibt es also den spontanen Pferdemarkt-Neustart für die Zunft in der Alten Amtei. Am Sonntag saß man erstmals mit den Eigentümern zusammen. Eigentlich hatten die Waldhexen schon im vergangenen Jahr lange Zeit die Lage sondiert, nachdem sich abgezeichnet hatte, dass es mit der Sonne wahrscheinlich nichts mehr werden würde. Die zentrale Frage: Gibt es irgendeine Lokalität, die leer steht und die man bewirten könnte? Ist eventuell eine „Schirmbar“ draußen irgendwo realisierbar? Letzteres wurde rasch mit „nein“ beantwortet.

Oberhexe Andreas Beißwenger Anfang 2024 in der Sonne: Inzwischen hat sich dort einiges getan. /Simon Granville

Bei Ersterem allerdings war die Alte Amtei sehr wohl schon in den Fokus der Zunft gerückt. Nur: Auf den Versuch der Kontaktaufnahme meldete sich niemand. Das hatte einen Grund, wie Andreas Beißwenger berichtet: „Die Mailadresse im Internet ist, wie wir heute wissen, nicht mehr aktuell.“ So sei die Anfrage nie an der richtigen Stelle angekommen. „Wir hatten dann einen anderen Weg probiert und die Info bekommen, dass der Eigentümer im Ausland ist und schwer zu erreichen sei.“ Nachdem auf der Pferdemarkt-Internetseite dann schließlich Öffnungszeiten für die Alte Amtei veröffentlicht wurden, stellten die Hexen schließlich ihre Recherche in diese Richtung ein.

„Es geistert wohl noch eine E-Mail-Adresse eines früheren Pächters im Internet herum“, sagt Amtei-Miteigentümer Stefan Weiss. Nach dem Zeitungsartikel sei man aber proaktiv auf die Hexen zugegangen, eine Einigung sei schnell erzielt gewesen. „Wir suchen ohnehin nach einem Pächter für das Lokal“, so Weiss. Seit August 2024 hat die Alte Amtei geschlossen, das soll sich möglichst rasch ändern. „Wir sind optimistisch“, so Weiss, „und falls sich doch niemand finden sollte, könnten wir auch eine Eventlocation daraus machen.“ Die Anfragen seien da, auch wenn das laut Weiss „eine absolute Notlösung“ wäre. Er geht davon aus, dass ohne Bestuhlung etwa 70 Personen in die Amtei passen.

Waldhexen sind nicht mehr zum Zuschauen verdammt

Bleibt die Frage, wer das Lokal ohne die Waldhexen beim Pferdemarkt betrieben hätte? Die Antwort darauf gibt Stefan Weiss. „Zur Not hätten wir es selber gemacht, was aber tatsächlich schwierig geworden wäre.“ Zum Glück für alle Beteiligten ist es jetzt aber ganz anders gekommen. Oder, wie Weiss sagt, „eine Win-Win-Situation.“ Für die Hexen ist die Hauptsache: Sie dürfen wieder ran und sind beim diesjährigen „Rossmärkt“, abgesehen von einem Stand auf dem Krämermarkt und der Teilnahme am Umzug, nicht mehr zum Zuschauen verdammt.

„Für uns gibt’s jetzt jede Menge zu tun“, sagt Andreas Beißwenger, „organisieren, beantragen, bestellen und natürlich noch Werbung machen.“ Denn schließlich geht es schon am Freitag in einer Woche los. „Jetzt müssen alle mitspielen“, so die Oberhexe. Die Öffnungszeiten der Alten Amtei sind die von der Sonne bekannten: am Freitag, 7., Samstag, 8., und Montag, 10. Februar, hat die Location jeweils ab 19 Uhr geöffnet. Am Sonntag, 9. Februar, sind die Waldhexen außerdem beim Rathaussturm mit dabei – und, wie erwähnt, am Dienstag, 11. Februar, bei Krämermarkt und Umzug.

Weitere Themen