Ali Tasocak will in seinem Dönerladen mit einer neuen Idee günstigere Preise anbieten. Foto: Simon Granville
Ali Tasocak aus Freiberg (Kreis Ludwigsburg) bricht aus der Döner-Preisspirale aus. Bei ihm kostet das deutsche Lieblingsessen seit Januar nur noch 6,50 Euro – doch es gibt einen Clou.
Die Berliner SPD hat 2023 damit Wahlkampf gemacht, die Linke in Schwerin ein Jahr später ebenfalls: Mit der Forderung nach einer „Dönerpreisbremse“ wiesen die Parteien humorvoll auf zu hohe Lebensmittelpreise hin. Dass der Döner als eines der beliebtesten Fast-Food-Gerichte der Deutschen immer teurer geworden ist, weiß Ali Tasocak nur zu gut – er ist der Inhaber des Dönerimbiss „Zentrum“ in Freiberg am Neckar.
Im Oktober entschied sich Tasocak aus dem Hamsterrad der ständigen Preisanpassungen auszusteigen und einen komplett anderen Weg zu gehen. Zum Jahreswechsel stellte er sein Konzept radikal um – nun ist der Kunde gefragt.
„Als wir bei acht Euro waren, habe ich gemerkt, dass es knifflig wird.“
Ali Tasocak Inhaber „Zentrum“ Freiberg
Bis etwa 2021, sagt Tasocak, hätte der Döner im Brot bei ihm 4,50 Euro gekostet, dann habe er innerhalb kürzester Zeit immer wieder den Preis erhöhen müssen – steigende Energiekosten, steigende Lebensmittelpreise, steigender Mindestlohn. Im vergangenen Jahr wäre es wieder so weit gewesen, 8,50 Euro oder gar neun Euro standen im Raum.
Eine bundesweite Entwicklung. Während laut des Verbands der Dönerproduzenten Deutschlands der Döner 2019 im Schnitt noch 5,40 Euro gekostet hat, waren es 2024 schon 8,90 Euro – eine Steigerung um 87 Prozent. So seien unter anderem die Kosten für Zutaten wie Mehl um 175 Prozent gestiegen, Rotkohl um 160 Prozent.
Seit Januar kostet der Döner nur noch 6,50 Euro
„Jedes Mal, wenn wir die Preise erhöht haben, haben wir Kundschaft verloren“, sagt Tasocak. Er habe aber nicht von seiner Philosophie abrücken wollen, nur frische Zutaten anzubieten und die Brote selbst zu backen – wie lassen sich also die ständigen Preiserhöhungen vermeiden und die Qualität halten? „Als wir bei acht Euro waren, habe ich gemerkt, dass es knifflig wird.“ Seit Januar kostet der Döner im „Zentrum“ nur noch 6,50 Euro. Denn Ali Tasocak hat sich etwas überlegt: „Pimp my Kebap“.
Wer bei ihm den Döner in der Basis-Variante bestellt, darf neuerdings zwischen drei Brotsorten wählen und bekommt darin für besagte 6,50 Euro 100 Gramm Fleisch, zwei Sorten Kraut, Salat, Zwiebeln, Tomaten und zwei Soßen. Wer mehr Fleisch oder zusätzliche Toppings will, zahlt drauf.
Pro 50 Gramm Fleisch werden 1,50 Euro Aufschlag fällig. Daneben gibt es in der „Premium-Theke“ unter anderem Mais, Karotten, Radieschen oder Granatapfelkerne. Die kosten jeweils 50 Cent zusätzlich, Empfehlung des Hauses sind die Granatapfelkerne. „Da war ich am Anfang selber skeptisch, aber die schmecken auf dem Döner extrem gut“, sagt Tasocak.
Mit Granatapfelkernen kostet der Döner im „Zentrum“ Freiberg sieben Euro. Foto: Maximilian Kroh
Auf den Chef und sein Team kommt durch das neue Konzept erst einmal mehr Arbeit zu. Schließlich muss das Dönerfleisch nun nicht mehr nur vom Spieß geschnitten, sondern auch jedes Mal gewogen werden. Außerdem ist die Idee so neu, dass Tasocak viel Zeit damit verbringt, seinen Kunden alles zu erklären.
Der Chef selbst sieht aber vor allem die Vorteile: „Früher musste ich bei jeder Preiserhöhung mit den Leuten diskutieren, ihnen erklären, warum das sein muss“, sagt er. „Jetzt kann sich keiner mehr darüber beschweren, dass es zu teuer ist – für den Preis ist jetzt jeder selbst verantwortlich.“
„Für den Preis ist jetzt jeder selbst verantwortlich.“
Ali Tasocak Inhaber „Zentrum“ Freiberg
Grenzen nach oben gibt es übrigens keine: Wenn jemand 400 Gramm Fleisch haben will, bekomme er das auch, versichert Tasocak – er nehme dann eben ein größeres Fladenbrot. In dieser Größenordnung kam bisher aber ohnehin noch nichts vor, den teuersten Döner habe er für zehn Euro verkauft. Für seine Stammkundschaft zur Mittagszeit hat sich ohnehin nichts verändert, außer dass es neue Brotsorten gibt: Der Schülerdöner kostet weiterhin sechs Euro.
Ansonsten habe es bislang nur positives Feedback gegeben, sagt Ali Tasocak. „An Neues müssen sich die Leute immer erst gewöhnen, aber es kommt gut an.“ Markus Langenbucher isst seinen Döner am Donnerstagmittag mit Karotten und Granatapfelkernen, hat also 7,50 Euro bezahlt. „Die Idee ist kreativ und der Preis fair“, sagt der Student und ist von einer Sache sogar überrascht: „Ich hätte es nicht gedacht, aber 100 Gramm Fleisch im Döner reichen tatsächlich, um satt zu werden.“