“Dok Premiere“ Ludwigsburg Die Doku feiert im Caligari Sternstunden

Kay Hoffmann (rechts) hat im Caligari auch den Oscar-Preisträger Pepe Danquart interviewt und dessen Film „Vor mir der Süden“ vorgestellt. Foto: Haus des Dokumentarfilms/Günther Ahner

Der Dokumentarfilm erlebte im Ludwigsburger Caligari manchen Höhepunkt. Jetzt hört der Macher Kay Hoffmann auf. Er blickt auf Besonderheiten und prominente Gäste wie Volker Schlöndorff. Die Filmreihe geht indes weiter.

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Jeden Monat hat Kay Hoffmann einen Dokumentarfilm im Ludwigsburger Kino Caligari angeboten, beim der Autor mit dem Publikum ins Gespräch kam. Jetzt hört er auf. Am Mittwoch präsentiert der 65-Jährige zum letzten Mal einen Film, nach 13 Jahren wird Christine Schäfer die Tradition übernehmen. Unter Hoffmann hat sich die Reihe „Dok Premiere“ zu einem festen Bestandteil der cineastischen Szene in der Barockstadt entwickelt.

 

Die Dokumentarfilmer blieben zunächst unter sich

Kay Hoffman war es, der im Jahr 2005 den Branchentreff Dokville in Ludwigsburg aufbaute. Zunächst blieben die Dokumentarfilmer unter sich. Die MFG Filmförderung und der SWR vergaben in der Musikhalle den mit 20 000 Euro dotierten Deutschen Dokumentarfilmpreis. „Es gab aber die Idee, neben der Fachtagung auch etwas für die Bevölkerung anzubieten.“ Hoffmann, der im Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart angestellt war, zeigte zunächst alle nominierten Filme binnen einer Woche. Die geballte Wucht war für das Publikum jedoch des Guten zu viel. Erst die monatlichen Premieren in Zusammenarbeit mit dem Verein Kinokult zündeten.

Im Caligari findet sich seither ein treues Publikum ein. „Die Gespräche mit den Filmautoren machen die Abende zu besonderen Events“, sagt Hoffmann. Für die Zuschauer sei es wichtig, mehr über die Filme und ihre Hintergründe zu erfahren. So plauderten sogar schon Oscar-Regisseure wie Volker Schlöndorff oder Pepe Danquart aus dem Nähkästchen, aber auch junge Talente, unter anderem aus der Filmakademie in Ludwigsburg. Hoffmann ist überzeugt: „ Jeder Dokumentarfilm erreicht ein Zielpublikum.“

Manchmal tritt das Genre aus dem Schatten des Spielfilms

Leicht hat es der Dokumentarfilm von jeher nicht gegen den Glamour, den Spielfilme mit ihren raffinierten Plots und schauspielerischen Leistungen verbreiten. Aber auch durchdachte Dokus können Zuschauer emotional erreichen. So habe sich der Dokumentarfilm insbesondere zwischen 1998 und 2008 aus dem Schatten des Spielfilms befreit, erklärt Kay Hoffmann. Danach sei zwar die mediale Konkurrenz gewachsen, insbesondere durch die Digitalisierung und das Internet. „Die ‚Dok Premiere’ zeigt aber, dass das Interesse durchaus geweckt werden kann.“ Wie ein Filmer das Vertrauen des Protagonisten und dessen Nähe gewinne, finde er neben technischen und ökonomischen Aspekten besonders spannend.

Eine Sternstunde war für Hoffmann „Wildes Herz“ von Charly Hübner und Sebastian Schulz über die Band Feine Sahne Fischfilet. „Damals kamen sogar Autogrammjäger auf den Akademiehof.“ Größte Panne war ein defekter Vorhang, der das Bild einschränkte. „Die Autorin trug es mit Fassung.“

Die „Dok Premiere“ am Mittwoch, 22. Mai, mit „Das leere Grab“ beginnt um 19.30 Uhr. Der Film handelt von der Trauer afrikanischer Familien um Opfer in der Kolonialzeit.

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