Doku-Soap Christian Rach und seine Schüler

Von Frank Armbruster 

Kochen als eine Art Resozialisierungsprogramm – funktioniert dieses Konzept? Christian Rach probiert's. Und bekommt noch tiefere Augenringe.

Preisgekrönt: Sternekoch Christian Rach erhielt für seine Sendung Rach, Restauranttester bereits die goldene Kamera. Nun gibt er mit seiner neuen Sendung verkrachte Existenzen eine Chance. Foto: dpa
Preisgekrönt: Sternekoch Christian Rach erhielt für seine Sendung "Rach, Restauranttester" bereits die goldene Kamera. Nun gibt er mit seiner neuen Sendung verkrachte Existenzen eine Chance. Foto: dpa
Stuttgart - Wenn nicht alles täuscht, waren die Ringe unter Christian Rachs Augen noch nie so tief. Bei seiner preisgekrönten Reihe "Rach, der Restauranttester" ging es noch darum, schlechtlaufende Gaststätten wieder auf die Erfolgsspur zu bringen, indem er Speisekarten entrümpelte und arbeitsscheue Köche bei ihrer Berufsehre packte.

Mit seiner aktuellen Dokusoap "Rachs Restaurantschule", deren sechste Folge am Montag (27.September)läuft, hat sich Rach aber ein Sozialprojekt ans Bein gebunden, das auch den geduldigen Sternekoch immer wieder zur Verzweiflung treibt. Mit zwölf mehr oder weniger verkrachten Existenzen will er in Hamburg ein neues Restaurant eröffnen – wer sich in der von den RTL-Kameras begleiteten Praktikantenphase bewährt, bekommt einen Ausbildungsplatz in der Küche oder im Service.

Das Projekt lehnt sich an jenes des britischen Sternekochs Jamie Oliver an, der bereits 2002 unter dem Namen "Fifteen" ein Restaurant in London eröffnet hat, in dem er ebenfalls Jugendliche beschäftigt hatte, die auf die schiefe Bahn geraten waren.

Rach will das Gute - ohne Gutmensch zu sein


Unter dem Titel "Jamie’s Kitchen" lief die Sendung auch im deutschen Fernsehen. Anders als in seiner Mission als Restauranttester ist Rach dabei weniger als Koch denn als Erzieher gefragt. Mitunter mutet es an wie beim Militär, wenn er seine Rasselbande morgens antreten lässt und kontrolliert, ob die Schürzen sauber und ordentlich gebügelt sind. Ohne Disziplin geht nichts – so lautet Rachs Botschaft an die Teilnehmer zwischen 17 und 44 Jahren, unter denen sich Hartz-IV-Empfänger, Obdachlose, Schulabbrecher, Kuscheltierfanatiker und Vorbestrafte befinden.

Rach will das Gute, aber ein Gutmensch, der für alles Verständnis hat, ist er nicht. Mit Ausreden kann man ihm nicht kommen. Der Extürsteher und Thaiboxer Collin, 28, erhält von ihm die Gelbe Karte, als er mal wieder nicht pünktlich ist und Probleme mit seiner Freundin vorschützt. Noch einmal, das macht ihm Rach klar, und er fliegt raus. Da scheint selbst der smarte Collin beeindruckt. Auch auf persönliche Befindlichkeiten und körperliche Defizite wird wenig Rücksicht genommen. Die schwer übergewichtige Rena scheucht er die Treppen rauf und runter, bis ihr der Schweiß auf der Stirn steht. Nicht ohne Erfolg: mittlerweile will Rena abnehmen und joggt in der knappen Freizeit an der Alster.