Tedesco ist seriös, respektvoll, auch ein Stück weit demütig, aber eben auch selbstbewusst und ungemein ehrgeizig. Das hat er in seiner bisherigen Trainerlaufbahn eindrucksvoll bewiesen. In jungen Jahren hat der 36-Jährige bei Vereinen mit durchaus schwierigem Umfeld wie dem FC Erzgebirge Aue (2017), dem FC Schalke 04 (2017 bis 2019) oder auch bei Spartak Moskau (2019 bis 2021) erfolgreiche Arbeit abgeliefert. Jetzt also soll er RB Leipzig erneut in die Champions League führen. Der Einstand war schon mal richtig gelungen. „Insgesamt war es ein schöner Start“, fand auch Tedesco.
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Viel Zeit hatte er wahrlich nicht, um den RB-Express nach drei Bundesliga-Niederlagen hintereinander wieder in die Spur zu bekommen. Am Donnerstag heuerte er in Leipzig an. Am Freitag gab es eine Trainingseinheit, danach horchte er bis zum Spiel in die Mannschaft hinein, holte Meinungen ein und ließ sie in seine Ideen einfließen.
Das Ergebnis? Spielfreude, gute Kombinationen und viele Tore durch Josko Gvardiol (21.), André Silva (33.), Christopher Nkunku (90.+1) und Benjamin Henrichs (90.+4). RB Leipzig entdeckte den Spaßfußball wieder. „Ich glaube, dass dieser Stil uns sehr, sehr guttut“, sagte Mittelfeldspieler Kevin Kampl. Das Zauberwort lautete dabei: Ballbesitz. „Die Mannschaft lechzt ein Stück weit danach“, stellte Tedesco fest: „Die Elf braucht Ruhephasen, um sich den Gegner auch mal zurechtzulegen und zu verschnaufen. Das hat heute ganz gut funktioniert.“
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Taktische Variabilität zeichnet ihn aus – genauso wie seinen Vorvorgänger Julian Nagelsmann, mit dem er 2016 gemeinsam die Fußballlehrer-Ausbildung absolvierte. Der gefeuerte US-Amerikaner Jesse Marsch (48) setzte dagegen fast ausschließlich auf den RB-typischen Plan P – P wie Pressing-Fußball. „Ich denke, wenn wir die Philosophie des Trainers erst einmal richtig verinnerlicht haben, werden wir noch um einiges besser“, blickte Kampl voraus. „Wir haben es gegen Gladbach schon recht gut gemacht, hätten aber noch viel mehr Tore machen müssen. Ich denke, der Trainer ist jung und will richtig Gas geben. Das wollen wir auch. Wir passen, glaube ich, recht gut zusammen.“
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Sogar sehr gut zusammen passen Tedesco und sein Assistent Andreas Hinkel, mit dem er schon bei den B-Junioren des VfB Stuttgart ein Erfolgsteam bildete. Die beiden ergänzen sich optimal: Der ehemalige Nationalspieler Hinkel (39) bringt viel Profierfahrung als Spieler mit, kann mit seiner ruhigen Art den bisweilen heißblütigen Tedesco auch mal einbremsen. Schwaben sind sie beide. Tedesco ist ab seinem dritten Lebensjahr in Aichwald aufgewachsen, hat gemeinsam mit seiner Frau und den beiden Töchtern seinen Hauptwohnsitz in Stuttgart-Bad Cannstatt. Hinkel ist mit seiner Frau und den fünf Kindern in Winnenden zu Hause.
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Jetzt wohnen die beiden Familienväter erst einmal im Hotel in Leipzig und konzentrieren sich ganz auf Fußball. Zu den Champions-League-Plätzen ist es noch ein weiter Weg. „Wir rennen noch hinterher, auch mit dem Sieg gegen Gladbach sind es immer noch einige Punkte, bis wir in Zielnähe sind“, erklärte Geschäftsführer Oliver Mintzlaff vor den beiden Jahresabschlussspielen beim FC Augsburg (Mittwoch, 20.30 Uhr) und gegen Arminia Bielefeld (Samstag, 15.30 Uhr). Doch ein Anfang ist gemacht. Ein Anfang, der RB Leipzig sehr viel Hoffnung macht.