Domina in Degerloch Begehrte Demütigung

„Ich bin ein Spätzünder“, sagt die Domina über ihren Job. Weitere Bilder aus dem Studio gibt es in unserer Fotostrecke. Foto: MH Skoele Photography 22 Bilder
„Ich bin ein Spätzünder“, sagt die Domina über ihren Job. Weitere Bilder aus dem Studio gibt es in unserer Fotostrecke. Foto: MH Skoele Photography

Lady Victoria macht sich Männer auf deren eigenen Wunsch zu Untertanen. Sie verdient ihr Geld als Domina. In ihrem Sadomaso-Studio in Degerloch begeben sich Männer freiwillig in die Macht der Herrin.

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)
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Degerloch - Die Herrin öffnet in Zivil. Sie ist eine zierliche Frau, dezent geschminkt, mit schwarzumrandeter Brille, ihre Schneewittchenhaare sind zu einem strengen Pferdeschwanz zusammengefasst. Sie trägt eine orange Jacke und eine schwarze Hose, beides aus Leder. Die Rollos sind unten. Sie lässt sich auf dem Samtdiwan nieder, zündet eine Zigarette an und erzählt von ihrem Job. In ihrem Studio, irgendwo in Degerloch, empfängt sie Männer, kettet sie an, peitscht sie aus, tritt und erniedrigt sie. Die Männer bezahlen dafür. Die Frau, die hier nur unter dem Namen Lady Victoria redet, ist eine Domina.

Wer Lady Victoria auf der Straße oder im Supermarkt begegnet, würde kaum vermuten, dass sie ihr Geld mit Sadomaso verdient. Sie kann durch ihre Brille ziemlich autoritär dreinschauen, aber wenn sie was lustig findet, giggelt sie wie ein Schulmädchen. „Ich habe viele Facetten“, sagt sie.

Bevor sie in ihrem Studio nach hinten stöckelt, um ihren Arbeitsplatz zu zeigen, gibt es das Vorgespräch auf der Samtcouch. Die steht nur ein paar Schritte von der Eingangstür entfernt. So handhabt sie es auch mit ihren Gästen. Es gebe nur wenige, mit denen das Spiel sofort beginne. Das sind dann Männer, die sie schon gut kennt.

Bei den Pumps wird einem schon beim Anblick schwindlig

Der Gast bestimmt, in welche Kleider Lady Victoria schlüpft. Ob sie in Ledermontur öffnet, ob sie Gummi anhat, ob sie Schuhe anzieht, deren Absätze mit knapp 16 Zentimetern so hoch sind, dass einem schon beim Anblick schwindlig wird. Der Kunde ist König. „Es geht darum, dass er seine Fantasien realisieren kann“, sagt sie.

Es gibt Fußfetischisten, die treibt sie mit ihren Füßen fast zum Wahnsinn. Sie rekelt sich auf einer Psychologenliege, er liegt vor ihr auf dem Boden und liebkost ihre Beine und Füße. Es gibt Stiefelfetischisten. Es gibt Lederfetischisten. Es gibt Gummifetischisten. Es gibt Fetischisten für irgendwie alles. Es gibt Männer, die gieren danach, dass sich die Herrin während des Spiels auf ihr Gesicht setzt. „Er will dann, dass ich ihn als Möbelstück benutze“, sagt sie. Es gibt Männer, die klemmt sie in ein Holzgerät, das einem Schemel ähnelt. Oben hat es ein Loch, durch das der Penis passt. Der Mann liegt auf dem Rücken, sein Geschlechtsteil reckt sich der Domina entgegen – und sie tritt danach. Da ist es wieder, das Giggeln.

Auch wenn Lady Victoria eine Verwandlungskünstlerin ist, eines bleibt immer gleich: Sie ist die Herrin, sie bestimmt, wo es langgeht, und genau deshalb kommen die Männer zu ihr ins Studio. „Ich wechsele nicht zwischen devot und dominant“, sagt sie. „Ich bin eine dominante Frau, die ihren Spielpartner gerne für ihr Spiel benutzt.“

Männer lassen sich im Spiel zur Hure ausbilden

Und darauf stehen die Gäste – egal welche Vorliebe sie haben. Und wie viele verschiedene Vorlieben es gibt, davon vermitteln das Mobiliar und die Utensilien im Studio eine Ahnung: Ketten, Gurte, Seile mit Knoten am Ende, Lederpeitschen in verschiedenen Farben, Handschellen, Nietengürtel, sogar eine Haarbürste und ein Kochlöffel hängen an der Wand. Auf den Schränken reihen sich Dildos aneinander. In einem Zimmer stehen zwei Frauenarztstühle. Lady Victoria muss grinsen beim Gedanken daran, wofür ihr diese Möbel dienen. „Man kann damit wunderbar anal machen“, sagt sie. Dafür fixiert sie die Männer, schnallt sich einen Gummipenis um und penetriert ihre ausgelieferten Gäste.

Es gibt Männer, die kommen, um sich von Lady Victoria im Spiel zur Hure ausbilden zu lassen. Die Kunden schlüpfen in Stöckelschuhe für Männer, sie streifen sich eine Plastikmaske mit Frauengesicht über, dann geht es los. Oder sie ruiniert auf Wunsch den Orgasmus. Das geht so: Kurz vor dem Samenerguss hört sie auf zu masturbieren. Mit der richtigen Technik hat der Mann zwar körperlich einen Orgasmus, nicht aber im Kopf. „Das ist sehr demütigend“, sagt sie.

Jenseits der SM-Szene schwer vorstellbar

Lady Victoria macht schmutzige Dinge mit den Männern, Dinge, die sich Menschen jenseits der SM-Szene vermutlich nur schwer vorstellen können oder wollen. Aber sie schläft mit keinem der Gäste. Und nackt zeigt sie sich auch nicht.

Sie lebt nicht in Degerloch, in ihr Studio kommt sie nur zu Terminen. Sie verabredet sich per Telefon oder Mail mit ihren Gästen. Sie sagt, sie habe ein internationales Klientel. Was sicherlich mit ihrem zweiten Job zusammenhängt: Sie dreht und verkauft Filme, in denen sie die Domina gibt.

Ihre Gäste bleiben in der Regel ein bis zwei Stunden im Studio, in Ausnahmefällen auch eine ganze Nacht. Manche kommen in ihrer Mittagspause. Nicht selten sind es Anzugträger mit viel Verantwortung am Arbeitsplatz und einer glücklichen Familie daheim. Im Degerlocher SM-Studio streifen sie dieses Leben ab und begeben sich in die Macht von Lady Victoria. Sie ist die Herrin, er ist der Untertan. „Er ist dann mein Spielzeug“, sagt sie. „Warum sollen diese Männer das nicht erleben?“

Das Dominante kam auf den Bildern gut rüber

Die Herrin hat sich eine neue Zigarette angezündet. Sie ist Anfang 40, sieht aber zehn Jahre jünger aus. Nach der Schule hat sie eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Übers Modeln nebenher kam sie mit der Sadomaso-Szene in Kontakt. Die Fotografen hätten ihr Talent entdeckt, sagt sie. Das Dominante, der Fetisch, das kam gut rüber auf den Bildern. Dass sie einen Hang zu SM hat, hat sie erst nach und nach bemerkt. Plötzlich hatte das, was sie selbst schon ausprobiert hatte, einen Namen. Sie meint damit Brustwarzenzwirbeln, liebevolles Würgen oder Fesseln.

„Ich bin ein Spätzünder“, sagt sie und meint: Domina-Karrieren würden meist früher beginnen. Sie sei erst seit sieben Jahren ein SM-Profi. Es hat ihr aber auf Anhieb gefallen – auch wegen der Selbstständigkeit. „Das wollte ich immer“, sagt sie. Angestellte seien Diener, „und ich bin kein Befehlsempfänger“. Sie ist die Herrin.

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