Donald Trump in Davos Man hört es gern, allein es fehlt der Glaube

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In Davos ist Donald Trump den versammelten Mächtigen der Politik und Wirtschaft mit einer Ansprache der leisen Töne gegenüber getreten. Das ist besser, als ein Auftritt in verkappter Wahlkampfmanier, kommentiert Christian Gottschalk.

In der Schweiz schlägt Donald Trump eher ruhige Töne an. Foto: AP
In der Schweiz schlägt Donald Trump eher ruhige Töne an. Foto: AP

Davos - Das Rätselraten hat ein Ende – und geht doch weiter. Bei seiner mit Spannung erwarteten Rede vor dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos ist US-Präsident Donald Trump vergleichsweise moderat geblieben. Keine Ausfälle wie gegen Nordkoreas Herrscher Kim Jong-un, keine Hass-Tiraden wie gegen seinen ehemaligen Chefberater Stephen Bannon. Den versammelten Mächtigen der Politik und Wirtschaft trat Trump mit einer Ansprache der leisen Töne gegenüber, ruhig und konziliant. Das ist besser, als ein weiterer Auftritt in verkappter Wahlkampfmanier. Das Grundproblem allerdings bleibt erhalten. Die Wechselhaftigkeit Trumps, die Launen, die Wendemanöver der US-Präsidenten machen ihn unberechenbar. Selbst diejenigen, die er heute harsch beschimpft können morgen umgarnt werden. Andersrum natürlich ebenso. Dass das soeben vom US-Präsidenten in die Tonne getretene Freihandelsabkommen mit den Pazifikanrainern nun wieder eine Chance bekommen soll, das passt ins Bild.

Der rote Faden heißt: America first

Bei aller Wechselhaftigkeit: Der Grundsatz des Amerika zuerst zieht sich als roter Faden durch die einjährige Amtszeit, daran hat sich auch in den Schweizer Alpen nichts geändert. Immerhin gab es die Einschränkung, dass Amerika zuerst nicht gleichbedeutend sei mit Amerika allein. Man hört es gern, allein es fehlt der Glaube. Dass der US-Präsident „fairen Handel auf Gegenseitigkeit“ lobt, das bringt Applaus. Die genaue Definition von dem, was fairer Handel eigentlich ist, könnte zwischen Redner und manch einem Zuhörer höchst unterschiedlich ausfallen. Solche Interpretationsunterschiede haben in Davos allerdings schon Tradition. Vor einem Jahr hat sich an gleicher Stelle Xi Jinping als Hüter des freien Wettbewerbs inszeniert. Auch dessen Definition von unbeschränktem Handel ist nicht immer gleichbedeutend mit dem, was sich der Rest der Weltgemeinschaft so vorstellt.




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