Donald Trump Planlos in Washington

In New York wird gegen einen Kriegseintritt der USA an der Seite Israels gegen den Iran protestiert. Foto: Getty Images via AFP

Donald Trump äußert sich widersprüchlich zur amerikanischen Rolle im Krieg zwischen Israel und dem Iran. Washington hat weder eine Strategie noch ein klares Ziel.

Ein halbes Jahr ist es her, dass Donald Trump im Wahlkampf vollmundig versprach, alle „endlosen Kriege“ zu beenden. Schon während seiner ersten Präsidentschaft hatte der Rechtspopulist das US-Engagement im Irak und in Afghanistan als „schlechteste Entscheidung aller Zeiten“ bezeichnet. Nun kündigte er an, den militärischen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine „in 24 Stunden“ zu lösen.

 

Tatsächlich feuert Moskau fünf Monate nach Trumps Amtsantritt mehr Bomben und Drohnen auf die Ukraine ab als je zuvor. Die Menschen im Gazastreifen leiden unter Hunger und Vertreibung. Jetzt steht Washington vor dem Eintritt in Israels Krieg mit dem Iran. Zwar sind die Signale aus dem Weißen Haus widersprüchlich. Aber Trump hat zuletzt gewaltig aufgerüstet: Er fordert vom Regime in Teheran nicht mehr Verhandlungen, sondern eine Kapitulation. Er droht indirekt mit der Ermordung des Obersten Führers Ayatollah Chamenei (auch wenn er sie „im Augenblick“ ausschließt), und er benutzt das Wort „wir“, wenn er von israelischen Militäroperationen spricht.

Keine Frage: Das Mullah-Regime mit seinen terroristischen Helfern in der Region ist eine reale Gefahr. Es darf nicht in den Besitz der Atombombe gelangen. Das Fehlen jeglicher Strategie in Washington muss jeden Beobachter beunruhigen. In den vergangenen Tagen sagte Trump mal dieses, mal jenes. Die Einschätzung seiner eigenen Geheimdienste, der Iran stehe aktuell nicht vor einem Durchbruch bei seinem Nuklearprogramm, wischt er beiseite. Der gescheiterte „Dealmaker“ ist getrieben - von den Neokonservativen in den Washingtoner Denkfabriken, von seinem Haussender Fox News und vor allem von Benjamin Netanjahu.

Der israelische Ministerpräsident verstand es in den vergangenen Monaten nicht nur im Gazakrieg trotz seiner Verstöße gegen das Völkerrecht meisterlich, Trump vor sich herzutreiben. Noch im Frühjahr hatte Trump einen einseitigen israelischen Militärschlag gegen den Iran abgelehnt. Nun lobt er ihn als „exzellent“ und erwägt, amerikanische Langstreckenflugzeuge mit tonnenschweren Bomben in Marsch zu setzen, um die unterirdische nukleare Anreicherungsanlage Fordo zu zerstören.

Ziel und Folgen eines Kriegseintritts sind unklar. Was wie eine chirurgische Operation zur Beendigung des Atomprogramms klingt, wird nicht begrenzt bleiben. Die Mullahs würden den Angriff auf das Herzstück ihrer Verteidigungsstrategie und ihres nationalen Selbstbewusstseins nicht ohne Vergeltung lassen. Die Reaktionen könnten von einer Sperrung der Schifffahrtsstraße von Hormus mit dramatischen Folgen für den Welthandel bis hin zu Terroranschlägen in der ganzen Welt reichen. Derweil verfolgt Israel längst weitreichendere Ziele: Offen strebt Netanjahu einen Regimewechsel in Teheran an.

Es drohen ein langwieriger Krieg, gewaltige Flüchtlingsströme Richtung Europa und ein Flächenbrand im Nahen Osten. Die Profiteure heißen Russland und China. Schon jetzt wird der Ukraine-Konflikt in den Hintergrund gedrängt. Der US-Senat hat die Verabschiedung von Sanktionen gegen Russland vertagt. Ein steigender Ölpreis hilft Moskau. Derweil kann Peking die Entwicklung beruhigt verfolgen: Mit einer Konfrontation im Iran verlöre Trump seinen Hauptrivalen notgedrungen aus den Augen. Das alles sind extrem besorgniserregende Aussichten. Es wäre einem wohler, wenn man den Eindruck gewänne, dass der mächtigste Mann der Welt einen Plan hätte. Doch der ließ für seine Wähler erst einmal zwei riesige US-Flaggen vor dem Weißen Haus aufstellen. „America First“ halt - als Farce.

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