Donzdorf und Schwäbisch Gmünd Wettbewerb um Firmenansiedlungen

Siedeln bald Firmen auf der Grünfläche oder sagen die Donzdorfer beim Bürgerentscheid nein zur Erschließung? Foto: Staufenpress

In Schwäbisch Gmünd im Ostalbkreis und in Donzdorf im Kreis Göppingen scheinen ähnliche Unternehmen an Gewerbeflächen interessiert zu sein. Auch ein Verteilzentrum von Amazon ist in beiden Städten im Gespräch.

Donzdorf - Namen schwäbischer Automobilhersteller und der Online-Versandhändler Amazon fallen, wenn es um Firmen geht, die sich im Gewerbepark Lautertal ansiedeln könnten. Konkrete Namen werden bisher nicht genannt. Bürgermeister Martin Stölzle hat aber in Stellungnahmen und Mitteilungen Hinweise auf Interessenten gegeben. Demnach soll ein großes deutsches Automobilunternehmen an Grundstücken interessiert sein, um dort Brennstoffzellen zu fertigen, ein Unternehmen für Metalldesign und ein „bekannter internationaler Online-Versandhandel“ seien ebenfalls interessiert.

 

Bei „internationaler Online-Versandhandel“ liegt der Schluss nahe, dass Amazon an Donzdorfer Flächen interessiert ist. Schließlich ist bekannt, dass der Online-Gigant weitere Logistik- und Vertriebszentren aufbaut. So plant Amazon, im Gewerbegebiet Rinderberg in Heidenheim ein Logistikzentrum einzurichten wird. Dafür soll der Investor Gazeley, der Immobilienlogistik entwickelt, 13,4 Hektar gekauft habe. Amazon ist auch in Schwäbisch Gmünd im Gespräch. Im Gebiet Benzfeld gehe es allerdings nicht um ein Logistik-, sondern um ein Verteilzentrum, hat der Sprecher der Stadtverwaltung, Markus Herrmann, erläutert. Das sei viel kleiner, etwa vier, fünf Hektar groß. Von den Verteilzentren würden die Pakete auf kleinere Auslieferfahrzeuge umgeladen. Die Stadt erwarte die Bauanfrage, sagte Herrmann.

Wie sehr konkurrieren Gmünd und Donzdorf?

Manuel Lesch, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei Amazon, bestätigt das Interesse an Gmünd: „Wir prüfen weiterhin die Möglichkeit, ein Verteilzentrum in Schwäbisch-Gmünd zu eröffnen“, reagiert er auf eine Anfrage. Die Firma wolle ein guter Nachbar sein. „Amazon Logistics bietet lokalen Lieferpartnern die Möglichkeit, mit Amazon zu wachsen.“ Der Online-Händler möchte zusätzliche Kapazität und Flexibilität für die letzte Meile. Zur Frage nach einem möglichen Amazon-Interesse an Donzdorf äußert sich der Pressesprecher nicht.

Eine Konkurrenz Gmünd – Donzdorf könnte sich auch für moderne Technologien im Bereich Autoindustrie entwickeln. Im Gmünder Technologiepark Aspen soll ein Schwerpunkt Wasserstofftechnologie entstehen. An dem Standort sollen „große Namen aus der Automobilbranche“ und begleitende kleinere Betriebe Interesse zeigen, bestätigte Herrmann. Auch Mittelständler seien inzwischen im Wasserstoffbereich unterwegs.

Meist werden mehrere potenzielle Flächen besichtigt

Die künftige Autoindustrie und der Online-Händler – im Rems- wie im Lautertal scheinen sich die Anfragen zu ähneln. Bürgermeister Stölzle verwundert die Übereinstimmung nicht. Es sei völlig normal, dass sich die professionellen Entwickler solcher Standorte mehrere potenzielle Gewerbeflächen anschauen. Ihn ärgert allerdings, dass in Schwäbisch Gmünd schon Namen genannt wurden. „Es ist eigentlich Konsens, dass Anfragen vertraulich behandelt werden.“ Er werde keine Namen nennen.

Stölzles Ansicht nach sorgt der Strukturwandel dafür, dass sich Firmen nach geeigneten Grundstücken umsehen. Deshalb sei es so wichtig, dass der Zweckverband Gewerbepark Lautertal vorbereitet ist, um ein attraktives Unternehmen anzusiedeln. Ob er auch ein Verteilzentrum von Amazon als attraktiv für Donzdorf einstuft, lässt der Bürgermeister offen. Er verweist auf die Kriterien, die der Zweckverband für die Vergabe der Grundstücke vereinbart hat. Arbeits- und Ausbildungsplätze, Ertragskraft, Energieeffizienz, innovative Produkte sollen eine Rolle spielen. Allerdings möchte Stölzle auch flexibel bleiben, da niemand die Zukunft vorhersagen könne.

Amazon steht im Ruf, wenig Steuern und niedrige Gehälter zu bezahlen. Das könne er nicht beurteilen, sagt der Bürgermeister. Jedoch macht er klar: „Wegen 10 000 Euro Gewerbesteuer verkaufen wir keine fünf Hektar Land.“

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