Donzdorfer Dokument Doppelehe des Herzogs kam schlecht an
Anno 1707 sorgte die Doppelehe des württembergischen Herzogs mit seiner Mätresse für Furore. In Donzdorf gab es beißenden Spott, wie ein historisches Dokument zeigt .
Anno 1707 sorgte die Doppelehe des württembergischen Herzogs mit seiner Mätresse für Furore. In Donzdorf gab es beißenden Spott, wie ein historisches Dokument zeigt .
Donzdorf - Im Archiv der Grafen von Rechberg schlummerte ein Dokument, das ein Schlaglicht auf Vorgänge im Herzogtum Württemberg anno 1707 wirft und das beschreibt, wie diese im rechbergischen Donzdorf einige Wellen schlugen. Jetzt wurde es entdeckt. Was spielte sich damals in Stuttgart ab? Nicht weniger als einer der größten Skandale: Herzog Eberhard Ludwig, obwohl bereits vermählt, heiratete 1707 seine Mätresse – und musste sie bald darauf in die Verbannung schicken.
Eine „schändliche und landverderbliche Creatur“ – so urteilte Herzogin Johanna Elisabeth 1722 in einer Klageschrift über Christina Wilhelmine von Grävenitz, die Mätresse ihres Mannes Eberhard Ludwig. Die war weitaus mehr als eine fürstliche Geliebte. Über 20 Jahre hinweg wirkte die herzogliche „Favoritin“ als eine Art Ressortchefin für Kultur- und Personalwesen maßgeblich an den politischen Angelegenheiten des Landes mit. Indem Günstlinge an zentralen Stellen des Hofes installiert wurden, konnte sie ihrer Partei einen ständig wachsenden Einfluss sichern. Das erregte im ganzen Land Zorn. Der Mythos der „Landverderberin“ fand sich in Spottgedichten wieder. 1716 hing am Stuttgarter Schandesel, einer Art Sitz-Pranger, ein Pamphlet: „Schad ist, dasz auf deinem Rücken Jenes Weib nicht sitzen soll, welche toll von Fotzen-Tücken Unsern gantzen Staat verderbt […].“
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Die Doppelehe rief auch in der Herrschaft der Grafen von Rechberg großen Unmut hervor. Als württembergische Untertanen im November 1707 zwei Wagenladungen Wein nach Donzdorf brachten und nach dem Vorzeigen ihres Passierscheins ein Entgelt erhalten sollten, entgegneten die Donzdorfer: „Wür scheißen dir in deinen Pass! Der Herzog Von Württemberg hat unß nichts zue befehlen, wos frag wür nach Ewerer Herrschafft? Ewer Herzog ist ein Schellm, er hat 2 weiber genommen! Der hirth [Hirte] ist nichts nutz, wos wollte dann die herrd [gemeint ist eine Schafherde als Metapher für die Württemberger] etwos nutz seyn!“
Die Donzdorfer hätten diese „hochsträflichen reden wider die hoheit undt Würdte Unsers gnädigsten Fürsten und Herrn, ohne Scheü undt nicht nur ein, sondern mehr alß 10 mahl im würthshauß“ geäußert. Die Württemberg mussten in Arrest und zwei Tage lang Schimpf, Spott und wohl auch eine Tracht Prügel über sich ergehen lassen. Dann führten sie die Fracht selbst die Donzdorfer Kupfersteige bis nach Steinheim hinauf – ohne Entgelt erhalten zu haben.