Donzdorfs Pfarrerin packt heiße Eisen an Krimi statt Predigt

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Kathinka Kaden knöpft sich in ihrem Krimi Armutsprostitution und Zölibat vor. Und wer wissen möchte, wie die dazugehörige Liebesgeschichte ausgeht, sollte zum Buch greifen.

Die Donzdorfer Pfarrerin Kathinka Kaden hat  ihre neueste Botschaft zwischen zwei Buchdeckel gepackt. Foto: Horst Rudel
Die Donzdorfer Pfarrerin Kathinka Kaden hat ihre neueste Botschaft zwischen zwei Buchdeckel gepackt. Foto: Horst Rudel

Donzdorf - Wie kommt eigentlich eine Pfarrerin dazu einen Krimi zu schreiben? Noch dazu einen, der nicht nur vom Scharfsinn der Ermittlerin lebt, sondern eine ganze Palette heißer Eisen – von Menschenhandel bis zum Zölibat – aufs Korn nimmt. Für Kathinka Kaden aus Donzdorf war es ein jahrelanger Prozess. Bevor die vielfältig talentierte Theologin zur Autorin wurde, lernte sie die Gemeindearbeit kennen und schärfte als Studienleiterin an der Evangelischen Akademie in Bad Boll ihren intellektuellen Blick. In Theologenkreisen landesweit bekannt wurde Kaden als Vorsitzende der Offenen Kirche, der liberalen evangelischen Vereinigung in Württemberg. Weniger bekannt sein dürfte, dass die frühere Justizministerin Corinna Werwigk-Hertneck Kadens älteste Schwester ist.

Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung sind ihre Themen

„In unserer Familie gibt es eine ganze Menge Juristen, aber auch einige Theologen“, erläutert Kaden, die an der Uni neben der Theologie auch Jura bis zur Zwischenprüfung hörte. Und es sind die großen ethischen Themen wie Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung, die Kaden seither offenbar stets umgetrieben haben.

Diesen Blick über den Tellerrand habe sie vor allem als Studienleiterin für Politik und Recht in den Jahren 2005 bis 2013 in Bad Boll genossen. Für Kaden eine intensive Zeit, in der die heute 55-Jährige zahlreiche Tagungen rund um die Themen Strafvollzug, Tierschutz, Adoptionsrecht und Menschenhandel verantwortete.

Wegen Brandbriefs in der Taz gelandet

Nach dem Abitur in Göppingen absolvierte Kaden aber zunächst ein Zeitungsvolontariat. Auch ihr Zwillingsbruder Marcus Hertneck entwickelte schreiberische Fähigkeiten; er lebt heute als gefragter Drehbuchautor in Potsdam. „Er hat mich bei der Suche nach einem Verlag gut beraten,“ berichtet Kaden, die das Manuskript in einem einzigen Sommerurlaub niederschrieb.

Vor einigen Jahren hat es die kämpferische Theologin sogar in die Berliner Tageszeitung, die „taz“, geschafft. Zwar nicht als Autorin, aber als Interviewpartnerin, nachdem sie als Sprecherin der Offenen Kirche den Machtanspruch der Evangelikalen in der hiesigen Landeskirche in einem Brandbrief angeprangert hatte.

Kaden kämpft gegen den evangelischen Fundamentalismus

Dieser stark konservativ geprägte Protestantismus fordert Kathinka Kaden bis heute heraus. Mit entsprechend großem Wohlwollen betrachte sie deshalb auch die aktuelle Kirchenrevolte der Dekane in Württemberg, die gegen die abschlägige Entscheidung zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare auf der vergangenen Herbstsynode nun den Aufstand proben.

Die Auseinandersetzung mit Homophobie, mit Evolutionsgegnern und mit dem Fundamentalismus sind Debatten, die Kaden seit vielen Jahren beschäftigten. Viele dieser ernsten Themen hat die Pfarrerin nun in ihrem ersten Krimi leicht verdaulich verarbeitet, in dem sie dafür sorgt, dass sich ihre schwäbischen Originale in der zunächst noch heilen Kleinstadtwelt immer tiefer in die Machenschaften rund um Armutsprostitution und Menschenhandel verstricken. Und ökumenisch pikant wird der Plot dank einer unmöglichen Liebesgeschichte zwischen der jungen Vikarin und forschen Ermittlerin Fride und ihrem katholischen Amtsbruder, der in derselben Kleinstadt sein Pfarrvikariat ableistet und mit der sich Kaden den Zölibat vorknöpft.

Die erste Pfarrerin im katholischen Donzdorf

Die rein fiktive Geschichte und ihre Figuren habe sie über Jahre entwickelt, erste Anregungen stammten noch aus der Zeit als Gemeindepfarrerin in Heidenheim-Mergelstetten und auf der Stubersheimer Alb, berichtet sie. Seit fünf Jahren ist Kathinka Kaden wieder an der Basis angekommen – diesmal sogar in der Diaspora und gleichzeitig als allererste Pfarrerin überhaupt im katholischen Donzdorf.

Auch das passt ganz gut zu der kämpferischen Seelsorgerin, die sich auf die Feiern zu 50 Jahren Frauenordination im Sommer freut und die es über alle Religionsgrenzen hinweg auch diesmal wieder bei der Donzdorfer Weiberfasnet krachen lassen will.




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