Doping-Vergangenheit an Uniklinik Freiburg Freiburger Ermittler darf doch aussagen

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Innenminister Gall kommt der Kommission zur Aufklärung der Doping-Vergangenheit der Freiburger Uniklinik entgegen. Ein Polizeibeamter, der einst an den Ermittlungen beteiligt war, darf nun doch befragt werden. Dagegen hatte sich Gall zuvor gewehrt.

Reinhold Gall hatte die Genehmigung 2014 noch verweigert, nach der Internvention der Wissenschaftsministerin Bauer darf ein Polizeibeamter nun doch aussagen. Foto: dpa
Reinhold Gall hatte die Genehmigung 2014 noch verweigert, nach der Internvention der Wissenschaftsministerin Bauer darf ein Polizeibeamter nun doch aussagen. Foto: dpa

Freiburg - Die Kommission zur Aufklärung der Freiburger Doping-Vergangenheit hat einen wichtigen Teilerfolg erzielt: Sie darf nun doch einen Freiburger Polizeibeamten als Zeitzeugen befragen, der einst an den Ermittlungen gegen den Sportmediziner Armin Klümper beteiligt war. Eine entsprechende Genehmigung hat Innenminister Reinhold Gall (SPD) jetzt erteilt, nachdem er diese voriges Jahr noch verweigert hatte. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte der StZ den Sinneswandel, über den inzwischen auch die Kommission unter Leitung von Letizia Paoli informiert wurde. Zuvor hatte sich Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) bei Gall dafür eingesetzt, dass der Beamte aussagen darf.

Die Ablehnung hatte Gall 2014 damit begründet, dass keine Akten mehr zum Ermittlungs- und Strafverfahren gegen Klümper vorhanden seien. Daher könne „nicht überprüft werden, auf welches dienstliche Wissen sich die Befragung des Beamten konkret beziehen würde“. Die Behauptung der Freiburger Staatsanwaltschaft, es gebe keine Akten mehr, erwies sich jedoch als falsch: Man habe in einem „Außenlager der Registratur“ doch noch Unterlagen gefunden, teilte die Ermittlungsbehörde inzwischen mit.

Daher „war die Rechtslage neu zu bewerten“, sagte ein Sprecher Galls – mit dem Ergebnis, dass jetzt doch eine Aussagegenehmigung erteilt werden könne. Die Kommission dürfe zudem einen zweiten damaligen Ermittler anhören. Es handele sich um eine ehemaligen Beamten des Landeskriminalamts (LKA), der inzwischen in Sachsen tätig sei; das sächsische Innenministerium habe die Erlaubnis erteilt. Wann die Beamten gehört würden, entscheide die Kommission, sagte der Sprecher.

Die Aussagen sind dem Gremium wichtig, um sie mit den Angaben des früheren Chefermittlers in Sachen Klümper abzugleichen. Bei dessen Vernehmung habe sich ein „ausgesprochen brisanter Sachverhalt“ ergeben, hatte die Vorsitzende Paoli berichtet. Es gehe um Einblicke in das Agieren „damaliger CDU-Landesregierungen, CDU-Minister und Angehöriger der Freiburger Staatsanwaltschaft . . .“, um eine „unvollständige Auskunft“ an den Landtag und um Akten, die angeblich aus der Asservatenkammer des LKA gestohlen worden seien. Hintergrund sind offenbar Klümpers gute Kontakte in die Politik und der Eindruck, dass er von der Justiz geschont werden sollte. Über Fortgang und Abschluss der Kommission soll bei einem Treffen mit Wissenschaftsministerin Bauer Ende Februar in Stuttgart beraten werden. Daran sollen neben Paoli auch Vertreter der Universität Freiburg teilnehmen, mit der sie sich zuletzt teils scharfe Auseinandersetzungen geliefert hatte.