Doppelhaushalt 2026/2027 Kultur in Not: Gellendes Pfeifkonzert für OB Nopper

Lautstarker Protest gegen Kürzungen der Zuschüsse für den Kulturbetrieb. Foto: StZN/Nikolai B. Forstbauer

Gellendes Pfeifkonzert statt Hochgenuss: Mehr als 500 Kulturschaffende protestierten am Montagmorgen gegen geplante harte Einschnitte in die Kulturförderung. Wie geht es weiter?

Sie waren viele. Und sie waren laut. Mehr als 500 Kulturarbeitende verwandelten am Montagmorgen das Stuttgarter Rathaus in eine Aktionsbühne für den Protest gegen die geplanten Einschnitte in die Kulturförderung der Stadt Stuttgart. Den Großen Sitzungssaal, Ort der aktuellen Verhandlungen über den Doppelhaushalt 2026/2027, erreichte Oberbürgermeister Frank Nopper durch ein lautstarkes Protest-Spalier.

 

Bildung, Soziales und Kultur im Protest-Schulterschluss

Inzwischen fast 30 000 Unterschriften für die Petition gegen Kürzungen in den Bereichen Bildung, Soziales und Kultur, der Auftritt der 400 Kulturschaffenden am späten Samstagabend im Anschluss an die „Hamlet“-Premiere im Schauspielhaus – und nun gellende Pfiffe der 500 Demonstrantinnen und Demonstranten im Rathaus: Der Protest nimmt deutlich Fahrt auf.

Am Samstag nach der „Hamlet“-Premiere: Protest gegen die Pläne der Stadt auf der Bühne des Schauspielhauses Foto: Forstbauer

Und bunt und laut soll es bleiben, bevor am 19. Dezember in dritter Lesung über den Haushalt entschieden wird. Bereits an diesem Mittwoch, 10. Dezember, wird das Rathaus erneut zur Protestbühne – Stuttgarts Staatsopernchor und das Staatsorchester Stuttgart laden „alle“ ein, dabei zu sein und mitzusingen, wenn am Mittwoch um 8 Uhr Chor und Orchester unter Leitung von Generalmusikdirektor Cornelius Meister den „Gefangenenchor“ aus Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ anstimmen.

Die Stadt Stuttgart plant, die Förderung der meisten Kultureinrichtungen für 2026 und 2027 jeweils um sechs Prozent zu senken. Die von Stadt und Land je zur Hälfte geförderten Staatstheater Stuttgart sehen sich mit einem Zuschussminus von 4,4 Millionen Euro für 2026 und von 4,6 Millionen Euro für 2027 konfrontiert – und müssen ein vertragsrechtlich gestütztes Absenken der Landeszuschüsse um den gleichen Betrag fürchten.

Kürzungen: Theater Rampe bangt um Programm 2026

Derweil sieht nach dem Württembergischen Kunstverein Stuttgart etwa auch das Theater Rampe als weithin anerkannte Drehscheibe der Stadtgesellschaft bereits das Programm für 2026 akut gefährdet. Die Kürzungen um sechs Prozent machen für die Rampe 54.846 Euro pro Jahr aus – „das entspricht“, sagt Bastian Sistig, Intendant der Rampe, „über der Hälfte unseres Programmetats, den wir bisher sehr erfolgreich dafür einsetzen konnten, Drittmittel zu akquirieren. In diesem Jahr über 350 000 Euro an zusätzlichen Programmmitteln, die nach Stuttgart fließen“. Und: „Ohne Eigenmittel im Programmbereich ist die Akquise von Drittmitteln kaum möglich. Jede Kürzung verdreifacht sich bei uns im Durchschnitt auf diese Weise.“

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