Doppelmord in Allmersbach Die Getötete hatte Angst um die Tochter

Der 36-jährige Angeklagte stellte sich einen Tag nach der Tat der Polizei. Foto: 7aktuell.de/Kevin Lermer/7aktuell.de | Kevin Lermer

Im Prozess um einen Doppelmord in Allmersbach hat die erste Zeugin aus dem Umfeld des Opfers ausgesagt. Sie beschreibt den Angeklagten als eigen und sehr ich-bezogen.

Waiblingen - Der Prozess am Donnerstag gegen den Mann, der im Juni vergangenen Jahres seine 41-jährige Ex-Freundin und deren neunjährige Tochter in Allmersbach im Tal ermordet hat, ging schleppend voran. Die Verhandlung startete mit einer Verzögerung von einer halben Stunde, da der Angeklagte im Vorfeld angekündigt hatte, seinen Pflichtverteidiger austauschen zu wollen. Doch dann zog der 36-jährige Mann das Ansinnen nach einem klärenden Gespräch mit dem Anwalt wieder zurück.

 

Der Videoanruf mit der Noch-Ehefrau wird verlegt

Später streikte die Technik, als per Liveschaltung die Noch-Ehefrau des Angeklagten als Zeugin angehört werden sollte. Der 36-Jährige wollte sie nach dem begangenen Doppelmord eigentlich auch noch töten, kam aber vor ihrem Haus in Gaildorf (Kreis Schwäbisch Hall) nach eigener Aussage zur Besinnung. Da eine direkte Konfrontation mit ihrem Ehemann für sie psychisch zu belastend wäre, sollte die Anhörung per Videoanruf stattfinden. Nun wurde sie auf den nächsten Verhandlungstag am 26. Januar verlegt.

In Person sagte aber die erste Zeugin aus dem unmittelbaren Umfeld von Täter und Opfer aus: die Lebensgefährtin des Bruders der getöteten Frau. Die 34-Jährige und ihr Freund waren gemeinsam mit dem späteren Opfer und dem mutmaßlichen Täter am Abend vor der Tat unterwegs, erst in einer Besenwirtschaft und dann in einem Biergarten. Dort traf die später Getötete auf einen Bekannten, mit dem sie sich für den späteren Abend in ihrem Haus verabredete. Der Angeklagte soll dies mitbekommen haben und dabei rot im Gesicht geworden sein. In einer früheren Vernehmung hatte der Angeklagte jedoch angegeben, dass er überrascht gewesen sei, als er jenen Mann bei seiner Ex antraf, als er sie später in derselben Nacht gegen deren Willen besuchte. Nachdem der Bekannte gegangen war, tötete der Angeklagte erst die 41-jährige Frau und dann noch ihre Tochter.

Laut Zeugin ist der Angeklagte sehr besitzergreifend

Die Zeugin gab auch Einblicke in das Verhältnis zwischen dem Angeklagten und seinem Opfer. Sie beschrieb den Mann als eigen und sehr ich-bezogen. Wenn er alkoholisiert gewesen sei, hätten sich diese Wesenszüge noch verstärkt. Außerdem sei er sehr besitzergreifend gewesen. Er habe der ermordeten Frau immer wieder versucht, seine Vorstellungen von Ordnung aufzuzwingen. Ebenso habe er immer wieder probiert, in die Erziehung der Tochter einzugreifen. Habe die Ermordete zu Beginn der Beziehung noch strahlend gewirkt, kam sie ihr später „so gestresst wie nie“ vor. Der Mann mache sie verrückt, soll die Getötete laut der Zeugin gesagt haben. Die Zeugin verstand sich zwar gut mit dem Angeklagten, fand aber manche seiner Eigenheiten irritierend. So habe der Hobbyschäfer öfter davon erzählt, wie er seinen Schafen und anderen Tieren, die er am Straßenrand fand, die Kehle durchgeschnitten habe, da er Tierschädel sammle.

Die Beziehung zwischen dem Angeklagten und der Tochter der Getöteten beschrieb die 34-Jährige ebenfalls als schwierig. Die Neunjährige habe den neuen Freund der Mutter als Eindringling empfunden. Beim vergangenen Verhandlungstag hatte sich der Angeklagte bereits darüber beschwert, dass das Kind am Anfang zunächst immer mit den Erwachsenen in einem Bett geschlafen habe.

Die Zeugin hatte den Eindruck, dass der Angeklagte nicht mit Kindern umgehen könne, obwohl er selbst welche habe. Zeichen für eine Spannung zwischen dem 36-Jährigen und dem ermordeten Mädchen habe es während der Beziehung für die Zeugin auf jeden Fall gegeben: Die Getötete soll kurz vor der Trennung von ihrem späteren Mörder gesagt haben, dass sie Schluss machen müsse, um ihre Tochter zu schützen.

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