Doppelter Abiturjahrgang In Labors und beim Wohnraum wird es bald eng

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Doppelter Abijahrgang und Wegfall der Wehrpflicht stellen die Uni Stuttgart vor Probleme: 2000 Studenten mehr wollen wohnen und arbeiten.

„Wir werden 2012 ungefähr 2000 Studierende mehr bekommen“, sagte der Stuttgarter Unirektor Wolfram Ressel. Foto: dpa
„Wir werden 2012 ungefähr 2000 Studierende mehr bekommen“, sagte der Stuttgarter Unirektor Wolfram Ressel. Foto: dpa

Stuttgart - Der doppelte Abiturjahrgang 2012 und der Wegfall der Wehrpflicht stellen die Hochschulen vor große Herausforderungen. "Wir werden 2012 ungefähr 2000 Studierende mehr bekommen", sagte der Stuttgarter Unirektor Wolfram Ressel - in ganz Stuttgart werden es knapp 3000 Anfänger mehr sein, in der Region 3700. Mit einem Maßnahmenpaket will die Uni Stuttgart gemeinsam mit dem Studentenwerk Stuttgart den zu erwartenden Ansturm bewältigen. "Es geht nicht nur um die Lehre, es geht auch um Wohnraum", so Ressel.

Rund 900 zusätzliche Anfängerplätze habe die Uni im Rahmen des Ausbauprogramms in den NC-Fächern eingerichtet. Aufgestockt worden seien vor allem gefragte Studiengänge wie Maschinenbau, Luft- und Raumfahrttechnik, Sozialwissenschaften und technisch orientierte BWL. Auch in den unbeschränkten Fächern können mehr Anfänger starten. Zudem habe man neue Studiengänge wie Erneuerbare Energien und Medizintechnik (gemeinsam mit Tübingen) eingerichtet. Auch die Unibibliothek und das Sprachenzentrum hätten ihr Angebot ausgeweitet. Zudem werde die Belegung der Hörsäle durch einen Hörsaalmanager optimiert und die Vorlesungszeit von 8 bis 19 Uhr ausgeweitet. So werde man auch ohne Samstagsbelegung auskommen.

Möglichst früh für einen Wohnheimplatz bewerben

Weitere Entzerrungen erhofft sich die Uni durch das neu eingerichtete Mint-Kolleg, das Anfänger auf technische Fächer vorbereite. Verstärkt wird die Lehre nicht nur durch 25 zusätzliche Professoren, sondern auch durch mehr als hundert wissenschaftliche Mitarbeiter, die auch Tutorien leiten. Gruppengrößen von maximal 25 Studenten sollen hierbei eine gute Prüfungsvorbereitung gewährleisten.

Ressel räumte jedoch ein, es gebe zwei Flaschenhälse: einer entstehe bei den Labors, der andere beim Wohnraum. "Wir kommen mit der Schaffung von Wohnraum kaum hinterher", bestätigte auch Christoph Hartmeier, der Geschäftsführer des Studentenwerks Stuttgart, das für 13 Hochschulen zuständig ist. Deshalb habe man bereits 2010 die Wohndauer von drei auf zwei Jahre verkürzt. Dies schafft zwar mehr Wohnheimplätze, verlagert aber die Problematik auf den allgemeinen Wohnungsmarkt.

Außerdem solle zum Wintersemester ein Wohnheim mit 400 Plätzen in Vaihingen fertig werden, ein weiteres mit 330 Plätzen entstehe am Nordbahnhof. Hartmeier empfiehlt künftigen Studierenden, sich möglichst früh für einen Wohnheimplatz zu bewerben. Bei der Essensversorgung müssten sich die Studenten trotz erweiterter Mensa-Öffnungszeiten eben flexibel zeigen und notfalls ihr eigenes Vesper mitbringen. Für die Bearbeitung der Bafög-Anträge sorgten zusätzliche Kräfte.

Ursula Duppel-Breth vom Landeselterbeirat ist erfreut über die Maßnahmen, befürchtet aber einen Verdrängungswettbewerb bei Ausbildungsplätzen sowie Schwierigkeiten durch das umständliche Auswahlverfahren wegen der Mehrfachbewerbungen. Der Ansturm werde zu einem Studientourismus führen, "die Kosten bleiben an den Eltern hängen". Ressel sagte: "Die Zulassung ist für uns kein Problem." Er hofft, dass die geplante zentrale Abgleichstelle für Mehrfachbewerbungen bis zum Wintersemester 2012/13 funktioniert.

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