Der „Tag der Landwirtschaft“ zeigt, wie anstrengend Feldarbeit einst war – und wie vielfältig sie ist. Das Programm zum Jubiläum lockt viele Zuschauer.

Der leicht zum Weizenfeld abfallende Ackerrain bildet als Naturtribüne die perfekte Kulisse und die historischen Erntevorführungen erweisen sich als Publikumsmagnet für die Erntevorführungen bei Kaiserwetter am Sonntagnachmittag.

 

Diese sind ein Höhepunkt beim „Tag der Landwirtschaft“, mit dem die Haslacher Ortsgruppe des Bauernverbands, der im Dorf beheimatete Obst- und Gartenbauverein sowie die Orts-Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr gemeinsam den Feierreigen zum 1250-Jahr-Jubiläum des Herrenberger Teilorts mit rund 1700 Einwohnern bereichern.

Von der Waffe zum Arbeitsgerät

Den Auftakt bei der Reise in die Vergangenheit machen Werner und Ruth Rau. Sie zeigen, wie arbeitsintensiv und hart die Getreideernte einst von Hand mit einer Mähsense und das anschließende Garbenbinden war. Gedroschen wurde dann zumeist erst im arbeitsärmeren Winter in der Scheune.

Dass sie diese alte Kulturtechnik noch beherrschen, zeigen anschließend Mitglieder der Kayher Trachtengruppe, die im gleichmäßigen Rhythmus nacheinander auf die auf einer Holzplatte im Kreis ausgelegten Garben eindreschen, damit sich das Korn aus den Ähren löst. „Der Dreschflegel ist eines der ältesten bäuerlichen Arbeitsgeräte. Es wurde im Mittelalter wegen seiner enormen Schlagkraft als Waffe eingesetzt“, kommentiert Moderator Klaus Kohler, der einen der sieben noch vorhandenen Höfe in Haslach betreibt, die schweißtreibende Arbeit.

Erste mechanische Unterstützung bei der Feldernte gab es dann durch den Mähbinder, der noch in den 1960ern im Einsatz war. Dieser ist angehängt an einen Lanz Bulldog in Aktion zu sehen. „Ein Riesenfortschritt in der damaligen Zeit“, ordnete Kohler diese maschinelle Unterstützung ein. Auch beim Trennen der Getreidekörner von Stroh und Spreu hielt die Mechanisierung mit Dreschmaschinen Einzug.

Diese Maschine war eine riesige Unterstützung bei der Feldernte Foto: Eibner-Pressefoto/Stefan Rosenfeld

Benzingeruch und Strohstaub liegen in der Luft, als der nächste technische Fortschritt bei der Gerätschaft gezeigt wird, die Daniel Dengler, Mitglied im Vorstand des Bauernverbands Nordschwarzwald-Gäu-Enz als „die Schlüsselmaschine bei der Ernte“ bezeichnet: Einer der ersten Mähdrescher der Marke Massey-Harris, bei dem erstmals die beiden namensgebenden Arbeitsschritte in einer Maschine vereint sind.

Da er noch nicht über einen Korntank verfügt, steht auch bei der Vorführung ein Mitfahrer neben dem Fahrer auf einem seitlichen Stand, um das gedroschene Getreide direkt in Säcke abzufüllen. Komplettiert wird die historische Maschinenschau durch einen der ersten Lanz Bulldogs, der wie alle gezeigten Maschinen von der Familie Görlach aus Haslachs Nachbarort Jettingen kommen, der mit seinen Eisenreifen und angehängtem Pflug seine Bahnen auf dem Acker zieht.

„Der hat 15 PS mit einem Booster, mit dem man ihm auf 30 PS hochdrücken kann“, erklärt Klaus Kohler, der gemeinsam mit seinem Kollegen Jürgen Haas treibende Kraft bei der Veranstaltung ist.

Die Aussaat übernimmt ein Roboter

Mehrere 100 PS haben dagegen die modernen Großgeräte bei der Maschinenschau, die Groß und Klein bestaunen, wie etwa ein Kartoffelvollernter, der zwei Reihen auf einmal aus der Erde holt oder ein besonders bodenschonender Traktor mit Raupenlaufwerk.

Ein besonderer Anblick ist neben den Schaufeldern, die die Vielfalt der angebauten Getreidearten und Kulturpflanzen von Gerste, Emmer, Roggen und Dinkel über Sojabohnen, Sonnenblumen und Raps bis hin zu Mais und Zuckerrüben zeigen, ein autonom fahrender Aussaat- und Hackroboter. Dieser entfernt, von Solarenergie betrieben, nicht nur zwischen den Reihen, sondern auch zwischen den einzelnen Pflanzen Unkraut.

Vielfalt vom Feld Foto: Eibner-Pressefoto/Stefan Rosenfeld

Ein weiterer Hingucker sind die über 70 historischen Getreidesäcke, die mit den aufgedruckten Namen, Jahreszahlen, Nummern und schmückenden Motiven wie Pferden oder Blumen verziert sind und die Wände der zum Festzelt umfunktionierten Maschinenhalle schmücken, in der für das leibliche Wohl bestens gesorgt ist.

Diese Zeugnisse der Vergangenheit – der älteste stammt aus dem Jahr 1842 – seien auch Ausdruck dessen, dass Landwirtschaft und Haslach „einfach zusammengehören“, wie Ortsvorsteher Thomas Deines betont.

Aus 90 Milchlieferanten wurde einer

So hätten Mitte des 19. Jahrhunderts bei 350 Einwohnern fast 80 Prozent der Häuser einen Stall gehabt, in den 1950ern wären bei 500 Einwohnern noch 90 Milchlieferanten gewesen. Heute gibt es noch einen Milchviehbetrieb.

Aktionstage wie diese, die gleichzeitig Teil der Veranstaltungsreihe „Gläserne Produktion“ im Landkreis Böblingen ist, seien als „Schaufenster“ für die Landwirtschaft wichtig dafür, um zu zeigen, wo die Lebensmittel herkommen und wer die Kulturlandschaft prägt und pflegt, unterstreicht Vize-Landrat Martin Wuttke.

1250 Jahre Haslach

Das Jahr 775
Am 1. November dieses Jahres wird der Ort erstmals namentlich in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch benannt. Diesem vermacht ein gewisser Isenhart seinen Besitz samt 15 Leibeigenen.

Das Jubiläumsjahr 2025
Gemeinsam feiert die Haslacher Dorfgemeinschaft und ihre Vereine mit einer vielfältigen Veranstaltungsreihe das ganze Jahr. Ein weiteres Highlight neben dem Festwochenende im April und dem nun stattgefundenen Erntefest sind die dieses Mal zweitägigen „Kult(o)urtage“ mit einem abwechslungsreichen Programm mit Ausstellungen, Musik und Bewertung im ganzen Ort am 3. und 4. Oktober.