Dorfladen in Ludwigsburg-Hoheneck Sparkasse verweigert Schleckerfrauen Kredit

Von Benjamin Büchner 

Heike Bayer, Sandra Farace und Leyla Gamurcuc wollen in der ehemaligen Schleckerfiliale in Hoheneck einen Dorfladen eröffnen. Die Sparkasse will die Finanzierung aber nicht übernehmen.

In Ludwigsburg-Hoheneck möchten drei ehemalige Schleckermitarbeiterinnen in der alten Drogeriefiliale einen Dorfladen eröffnen. Foto: dpa
In Ludwigsburg-Hoheneck möchten drei ehemalige Schleckermitarbeiterinnen in der alten Drogeriefiliale einen Dorfladen eröffnen. Foto: dpa

Ludwigsburg - Aus der alten Schleckerfiliale in Hoheneck sollte in den nächsten Wochen ein Dorfladen werden. Die Betreiberinnen Heike Bayer, Sandra Farace und Leyla Gamurcuc müssen eigentlich nur noch die Regale des Geschäfts in der Wilhelm Nagel Straße bestücken und ein paar Möbelstücke kaufen. Doch den ehemaligen Mitarbeiterinnen der Drogerie fehlt das Geld dafür, weil die Kreissparkasse Ludwigsburg ihnen keinen Kredit gibt.

Betreiberin kann Absage nicht nachvollziehen

„Wenn es einen Edeka in der Nähe gibt, kann man darüber streiten, ob ein Laden Sinn macht. Aber nicht an einem Ort, wo es sonst nichts gibt“, sagt Heike Bayer. Die Absage von der Kreissparkasse, kann sie nicht verstehen. Das Geschäftsmodell sei nicht tragbar, habe ihr die Bank während eines Telefonats mitgeteilt. Mit dieser Nachricht zerschlugen sich in der vergangenen Woche die Pläne, die Heike Bayer und ihre Kolleginnen Sandra Farace und Leyla Gamurcuc in den vergangenen Monaten in Zusammenarbeit mit Christina Frank von der Gewerkschaft Verdi ausgearbeitet haben. Sie basieren auf dem Konzept der „Drehpunkt-Märkte“, mit dem Christina Frank schon die Schleckermärkte in Bietigheim-Burg und Schwaikheim wiederbelebt hat. Dort bewilligte die Kreissparkasse die Kredite allerdings.

Im Gegensatz zu diesen Dorfläden beschränkt sich das Konzept der Hoheneckerinnen aber nicht auf Drogerieartikel. „Wir haben als einziger Drehpunkt auch das Grundsortiment Lebensmittel dabei“, sagt Heike Bayer. Fertigsuppen und Nudeln gab es schon bei Schlecker, im Dorfladen sollen aber auch Mehl, Zucker, Butter und Gemüse verkauft werden. Der Laden soll die Nahversorgung für die Menschen sicherstellen, die nicht zum Einkaufen ins Stadtzentrum fahren können. In Hoheneck gibt es nämlich außer einem Bäcker und einem Metzger keine anderen Lebensmittelhändler.

Marktanalyse bescheinigt dem Dorfladen solide Zukunft

„Der Bedarf ist da und in der Vergangenheit hat sich auch gezeigt, dass an der Stelle ein Lebensmittelladen möglich ist“, sagt Sofia Hack von der Wirtschaftsförderung der Stadt Ludwigsburg. Das ginge auch aus einer Marktanalyse des Vereins zur Förderung der Nahversorgung hervor, die dem Dorfladen eine solide Zukunft bescheinige. Deshalb haben Heike Bayer, Sandra Farace und Leyla Gamurcuc in Hoheneck auch schon den Vertrag unterschrieben und die erste Monatsmiete selbst gezahlt. An den ehemaligen Schleckerstandorten in Eglosheim, Neckarweihingen und Pflugfelden laufen derzeit erst die Marktanalysen.

Warum genau die Kreissparkasse den Frauen keinen Kredit geben möchte, will sie wegen des Bankgeheimnisses nicht sagen. „Jeder Finanzierungsantrag wird geprüft, und es gibt dann Fälle, bei denen wir zu dem Ergebnis kommen, dass es nicht tragbar ist“, erklärt der Pressesprecher der Sparkasse, Thomas Baum. Seine Bank hätte bei einer Zustimmung etwa 20 Prozent des Darlehens finanzieren müssen. Den Rest hätte die Bürgschaftsbank Baden-Württembergs beigesteuert. Und die habe dem Konzept nach ersten Gesprächen zwischen der Verdi-Sekretärin Christina Frank und dem Steuerberater der Hohenecker Schleckerfrauen auch zugestimmt, berichtet Heike Bayer.

Betreiberinnen geben trotz der Schlappe nicht auf

Die Schlappe bei ihrer Hausbank hat die Betreiberinnen des Ladens enttäuscht. Aufgeben werden sie aber nicht. Statt dessen wollen sie einen Kredit bei der Volksbank beantragen und hoffen, so eine Finanzierungsmöglichkeit zu finden. „Ich sehe eine Zukunft darin und möchte es nicht sterben lassen. Dafür haben wir schon zu viel reingesteckt“, sagt Heike Bayer.