Aus dem Kirchheimer Dorfladen wird „Katerini’s“. Was steckt hinter dem Konzept der neuen Laden-Betreiber?

Ludwigsburg: Sandra Lesacher (sl)

Können Dorfläden in der heutigen Zeit bestehen? Das Beispiel Kirchheim zeigt: alles scheint möglich. Die 6000-Einwohner-Gemeinde im nördlichen Landkreis Ludwigsburg machte erst vor wenigen Monaten Schlagzeilen, weil der Dorfladen, ein Projekt auf halb-ehrenamtlicher Basis, nach neun Jahren schließen musste. Zu wenige Kunden kauften zu wenig dort ein. Es lohnte sich nicht mehr.

 

Jetzt – voraussichtlich Mitte September – wird in die Räume in der Kirchheimer Ortsmitte ein neuer Laden einziehen. Die Freude ist groß. Auch er bietet alles für den täglichen Bedarf und soll zudem sozialer Treffpunkt sein. Das Konzept erscheint also ähnlich.

Kann das klappen? „Ja!“

Damit stellt sich die bange Frage: Kann das klappen? Die neuen Pächter sagen ganz deutlich „Ja!“. Papadopoulos Stylianos, gebürtiger Grieche und im Ländle aufgewachsen, ist Kaufmann mit Leib und Seele, er ist gern mit Menschen zusammen, er will sie beraten und sie von seinen Produkten überzeugen. Und er sagt: „Der Preis muss stimmen, die Leute müssen es sich leisten können.“

Nach Griechenland, wo ein Großteil seiner Waren herkommen soll, hat der 62-Jährige gute Beziehungen. Seit Jahren importiert er Olivenöl, Honig und vieles mehr aus seiner Heimat, hatte schon in der Ludwigsburger Hospitalstraße einen kleinen Laden, hatte beim Bietigheimer Sternlesmarkt einen Stand, liefert und verkauft aus und in seiner Garage in Gemmrigheim an Menschen aus der ganzen Region, wie er berichtet.

Dabei gibt es nicht nur Waren aus Griechenland, sondern auch aus Italien. Denn seine Frau Rosa Stylianos ist Italienerin. So soll es auch in dem neuen Laden in Kirchheim, der „Katerini’s“ heißen soll, Produkte aus Griechenland und Italien geben: Balsamico, Feta, Joghurt, Hülsenfrüchte, zig Pastasorten... Aber auch Waschmittel und Shampoo. Und im Winter natürlich Orangen aus Griechenland.

Hinzu kommen wird Regionales aus der Umgebung: Eier, Mehl, Kartoffeln, Gemüse aus den umliegenden Orten, Äpfel aus Kirchheim und vieles mehr. Auf den 320 Quadratmetern Verkaufsfläche des ehemaligen Kirchheimer Dorfladens soll es alles geben, was man zum Leben braucht – und noch einiges mehr.

Der Mix aus Griechenland, Italien und der Region wird sich auch in der Weinauswahl widerspiegeln. Das Gleiche gilt für die Bäckerei und das kleine Café im Laden. Neben regionalen Backwaren und Kuchen, plant Papadopoulos Stylianos, dort auch italienische und griechische Leckereien anzubieten: Kadaifi mit Walnüssen, Baklava, Cannoli oder Tiramisu zum Beispiel.

Eröffnung ist im September

Im Laden stehen wird Papadopoulos Stylianos selbst, seine Frau Rosa, die Tochter, die Nichte und einige weitere Angestellte. Die Eröffnung ist für den 13. oder 20. September geplant, momentan wird der ehemalige Kirchheimer Dorfladen renoviert. „Ich freue mich schon so“, sagt Papadopoulos Stylianos.

Die Freude teilt der Kirchheimer Bürgermeister Uwe Seibold. Die Schließung des Kirchheimer Dorfladens war bitter für alle Beteiligten. Nach nur wenigen Monaten Stillstand sei es nun umso schöner, dass die Fläche wieder belebt sei. Und zwar mit einem Geschäft, „das auch Mehrwert für die Ortsmitte bringt“, so Seibold. Denn mit dem Konzept des Ehepaars Stylianos „lebt auch ein bisschen was vom Geist des Dorfladens weiter. Das Soziale und das Miteinander wird es weiterhin geben.“