Dorotheen-Quartier in der Innenstadt Stadt arbeitet an besseren Bedingungen für Radler

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Radler und der ADFC kritisieren das Radwegenetz rund um das neue Dorotheen-Quartier. Auf der Holzstraße sind Fahrradfahrer und Fußgänger durch die kreuzenden Ausfahrten beeinträchtigt.

Fußgängerzone? Einige Radler und Fußgänger stört es, dass dort Baufahrzeuge  auch außerhalb der genehmigten Zeiten fahren. Foto: Nina Ayerle
Fußgängerzone? Einige Radler und Fußgänger stört es, dass dort Baufahrzeuge auch außerhalb der genehmigten Zeiten fahren. Foto: Nina Ayerle

S-Mitte - Ende Mai hat das Dorotheen-Quartier zwischen Charlotten-, Markt- und Karlsplatz eröffnet. Ziel des Investors Breuninger war es, auf diesen rund 65 000 Quadratmetern einen Mix aus hochwertigem Handel, Nahversorgung, Büros, Wohnen und Gastronomie zu bieten. Mit diesem Gesamtkonzept wollte man der Stadt „eine neue Mitte“ geben. Diese Idee mag vielen gefallen, für andere bringt es einige Umstellungen mit sich. So sieht sich die Stuttgarter Radler-Lobby Gefahrenstellen ausgesetzt, die es ihrer Meinung an dieser Stelle vorher nicht gab.

Für die Radler ist durch den Neubau eine Fahrradstraße weggefallen

So ist durch den Bau des Dorotheen-Quartiers die Fahrradstraße auf der Münzstraße weggefallen. Die Verbindungsstraße zwischen Markt- und Karlsplatz ist nun eine Fußgängerzone, die aber für Radler frei ist. Das bedeutet: Die Radfahrer haben nicht mehr Vorfahrt, sondern müssen sich an Schrittgeschwindigkeit halten. Irritierend finden manche, dass Taxifahrer und Lieferfahrzeuge nach wie vor in die Fußgängerzone fahren. Dabei gilt die Ausnahmeregelung laut Stadtverwaltung für den Lieferverkehr nur von 18 bis elf Uhr. Derzeit gebe es eine mobile Beschilderung, feste Schilder folgen in den nächsten Tagen, heißt es aus dem Rathaus. Taxis dürften den Bereich nicht mehr passieren.

Das ist aber an sich gar nicht das größte Problem. Grünen-Stadträtin Christine Lehmann, die Betreiberin des Blogs „Radfahren in Stuttgart“, sagt, die wegfallende Fahrradstraße und die Fußgängerzone akzeptiere man. Nur mit der Alternative sei sie absolut nicht zufrieden. Der neue Radweg führt entlang der Holzstraße am Charlottenplatz. Lehmann hat dort vor Ort mit einigen anderen Radlern einige kritische Stellen identifiziert.

Sie stört sich besonders an der Unübersichtlichkeit des Radwegs. Direkt hinter dem IfA-Haus versperre links ein Klohäuschen die Sicht, dann folgten Ausfahrten aus Seitenstraßen und dem Parkhaus des Dorotheen-Quartiers. Auch die Bushaltestelle erschwere die Sicht. „Da ist alle paar Meter eine Gefahrensituation“, zeigt Lehmann mit Blick auf den neuen Radweg.

Alle paar Meter kommt für die Radler eine Gefahrensituation

Außerdem sei den Radfahrenden vor etwa einem Jahr versprochen worden, der Radweg auf der Holzstraße zwischen Breuninger und der B 14 werde „breit und schön“ – das wäre er aus ihrer Sicht gewesen, wenn man von der zweispurigen Straße einfach eine Spur weggenommen hätte. Damit wären die Radler von den Ausfahrten räumlich besser getrennt gewesen.

In einem entsprechenden Gemeinderatsantrag fordert Lehmann nun dies. Denn mehr sei es an dieser Stelle auch schon zu Kollisionen gekommen, weiß Lehmann von Radfahrern. Inzwischen hat Breuninger dort beidseitig Hinweisschilder aufstellen lassen: „Vorsicht Parkgaragenausfahrt. Fahrzeuge kreuzen.“

Der Kreisverband Stuttgart des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) ärgert sich ebenfalls über die Situation rund um das Dorotheen-Quartier. Bereits vor vier Wochen habe er einen Brief an den Fahrradbeauftragten und an das Ordnungsamt geschrieben, sagt der Stuttgarter Vorsitzende Cornelius Gruner. Am 24. Juni schickte der Verband noch einen offenen Brief an den Gemeinderat hinterher.

Ähnliche Lösungen wie Lehmann schlägt auch der Fahrradclub vor: „Aus Sicht der Radfahrer ist es am besten, eine der Kfz-Spuren zu einer geschützten Radspur zu machen“, schreibt der stellvertretende Kreisvorsitzende Frank Zühlke. Der neue Radweg sei „unterdimensioniert“ und nicht „geradlinig“.

In dem offenen Brief kritisiert der Verband auch die Verlegung des Radweges auf die Holzstraße, denn die meisten Radler hätten den Weg entlang der Münzstraße über den Karlsplatz in Richtung Schloßgarten gerne genutzt. Dort hätte man die Planie einfach zügiger queren können, sagt Zühlke. Deshalb fordert der ADFC nun, zumindest die Ampelschaltung am Charlottenplatz anzupassen. Die Radfahrer sollen dort ohne Zwischenstopp queren können.

Die Ampel an der Planie bremst die Radler aus

Auch Lehmann hat dieses Problem bei dem Test mit mehreren Radlern erkannt: „Die Ampel ist ein echter Stopper.“ Man werde auf der dreigeteilten Straße ausgebremst, auf der mittleren Verkehrsinsel hätte ein Fahrrad mit Anhänger nicht einmal ausreichend Platz. „Und das ist unsere Hauptradroute eins“, sagt Lehmann. „Die Leute sollen doch auch Spaß am Radfahren haben.“ Das gelinge so, zumindest in der Innenstadt nicht. Die Ampel an der Rechtsabbiegespur in Richtung Schlossplatz sei doch überflüssig. Der ADFC wiederum fordert eine längere Grünphase für die Radler.

Bei der Stadt weiß man um die Probleme für Radler und Fußgänger auf dem neuen Radweg auf der Holzstraße, sagt Pressesprecher Sven Matis. Das Stadtplanungsamt werde sich in Kürze mit Breuninger zusammensetzen, um an einer Verbesserung zu arbeiten. So müssten auch die Autofahrer deutlich auf die kreuzende Radler und Fußgänger hingewiesen werden.

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