Dorotheen-Quartier in Stuttgart Die neue Mitte nimmt Gestalt an – die Mieter stehen fest

Von Martin Haar 

Das im Frühjahr 2017 fertiggestellte Dorotheen-Quartier zwischen Karls- und Marktplatz soll mehr sein als ein Einkaufscenter. Investor Breuninger will der Stadt mit dem Gesamtkonzept eine neue Mitte geben. „Es soll ein neuer Treffpunkt in der Stadt werden“, sagt Breuninger-Chef Willy Oergel.

Der Blick vom siebten Stock des Dorotheen-Quartiers auf die Stiftskirche Foto: Lichtgut/Leif Piechowski 13 Bilder
Der Blick vom siebten Stock des Dorotheen-Quartiers auf die Stiftskirche Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Punktgenau. Nicht zu früh, nicht zu spät. Mit dem Glockenschlag der Stiftskirche um 11 Uhr lüftet Willy Oergel, Vorsitzender der Breuninger Unternehmensleitung, das Geheimnis der neuen Mieter im Dorotheen-Quartier. Es sind so klangvolle Marken wie American Vintage, Louis Vuitton, Rolex und Zadig&Voltaire dabei. Aber die Namen der Labels, die ab Frühjahr 2017 in das 200-Millionen-Euro-Projekt neben Breuninger einziehen, sind nicht alles. Es ist die Geschichte hinter diesen Namen, die Neues schaffen soll. Es ist das Gesamtkonzept, dass die Kräfte in der Stadt neu ordnen dürfte, wie auch City-Managerin Bettina Fuchs glaubt: „Wenn das Dorotheen-Quartier fertig ist, werden die Karten neu gemischt.“

Dem Mix aus hochwertigem Handel, Nahversorgung, Büros, Wohnen und Gastronomie auf 65 000 Quadratmetern zwischen Sporer-, Dorotheen- und Holzstraße räumt Oergel beste Erfolgsaussichten ein. Der Breuninger-Chef sieht darin sogar einen „positiven Beitrag zur Stadtentwicklung und ein Bekenntnis zur Stadt“. Aus der Idee, die der damalige Breuninger-Chef Willem G. van Agtmael 2004 exklusiv gegenüber den „Stuttgarter Nachrichten“ noch „Da Vinci“ nannte, ist nun zu etwas gereift, was Experten längst ahnten: ein neues Machtzentrum. Die Handelslandschaft stehe vor ihrem zweiten Wandel, heißt es in der Branche. Den ersten erlebte die Stadt durch die Eröffnung der beiden Einkaufscenter Milaneo und Gerber. Nun, so prophezeit Willy Oergel, werden sich die Laufwege und die Passantenfrequenzen von der Königstraße in Richtung Dorotheen-Quartier verschieben.

Konkurrenz zur Königstraße

„Unser Ziel ist es jedoch nicht, die Königstraße in der Passantenfrequenz zu schlagen“, sagt Oergel. Dort werden vom Makler John Lang Lasalle derzeit um die 8890 Passanten pro Stunde gezählt. Diesen Spitzenwert wird das Dorotheen-Quartier nie erreichen, aber es könnte der „neue Treffpunkt in der Stadt werden“ (Oergel), ein neuer Anziehungspunkt. Anlass zu diesen Thesen des Breuninger-Chefs gibt auch das Platzkonzept. Dort, wo früher Betten Braun residierte, entsteht der Dorotheenplatz. Hier soll das gelingen, was dem benachbarten Marktplatz fehlt: „Es soll lebendig, urban zugehen. Es soll ein Erlebnisquartier mit Lebens- und Wohlfühlwert werden“, hofft Oergel.

Im Mittelpunkt dieses Platzkonzeptes steht die Gastronomie – insbesondere die Außengastronomie der Pächter. „Durch die Gastronomie, die auch nach Ladenschluss offen bleibt, wird abends Betrieb sein“, ahnt Breuninger-Immobilien-Chef Bernd Schade.

Aber nicht nur die neuen Marken und das städtische Flair sollen Menschen anziehen. In eines der drei Gebäude zieht der Lebensmittelmarkt Hit ein. Mit 3000 Quadratmeter wird es der größte Nahversorger der Stadt sein. „Er wird mit seinem Konzept Feinkost Böhm sehr nahe kommen“, sagt Bernd Schade. Auf die Nachbarschaft und die Konkurrenzsituation zur Markthalle angesprochen, meint Schade: „Die Händler in der Markthalle freuen sich, da sich das Angebot ergänzt.“ Zudem wollen die Markthallen-Händler in Zukunft von den 250 öffentlichen Parkplätzen des Dorotheen-Quartiers profitieren.

Markthallen-Händler freuen sich

Gegenseitiger Profit ist das verbindende Stichwort: Das Breuninger-Stammhaus hofft erheblich von dem neuen Quartier, an das die Luxus-Zone der Stiftsstraße angrenzt, zu profitieren: Markthalle, Dorotheen-Quartier und Breuninger sollen laut Oergel ein attraktives Ensemble bilden, das sich in Sachen Umsatz und Frequenz gegenseitig befruchtet. Die Ansicht teilt offenbar der Handel. Die Anfragen für die 28 Läden in den Neubauten lagen laut Unternehmens-Sprecher Christian Witt im „dreistelligen Bereich“. Entsprechend ist der Vermietungsstand. Ob bei den 28 000 Quadratmeter Büro- oder der Handelsfläche – überall heißt es „praktisch vollvermietet“. Nur die exklusiven 20 Wohnungen mit einer Fläche von insgesamt 3000 Quadratmeter den Dächern des Dorotheen-Quartiers sind im Prinzip noch alle zu haben. Grund: Die Vermarktung der Wohnungen beginnt erst am Ende des Jahres.

All das macht Breuninger-Chef Willy Oergel sehr selbstbewusst. „Wir stärken mit dem Dorotheen-Quartier das Zentrum der Stadt.“ Er hätte auch sagen können: Wir sind das neue Zentrum von Stuttgart.

Die neuen Mieter:

Das sind die neuen Händler im Dorotheen-Quartier: American Vintage (Textil), Boconcept (Möbel), Diesel (Textil), Gant (Textil), Hallhuber (Textil), Hit (Lebensmittel), Hugendubel (Bücher), IKKS (Textil), Marcolis (Textil/Einrichtung, Kunst), Rolex (Uhren), Steiff (Stofftiere), Woolrich (Textil), Zadig & Voltaire (Taschen, Schmuck, Mode, Schuhe).

Gastronomie: Das Enso bietet neben Sushi auch warme asiatische Gerichte sowie Grillspezialitäten. Das Nesenbach spezialisiert sich auf Frühstück, Tagesküche und Barbetrieb am Abend. Das Oh Julia bietet typische italienische Gerichte, wie Antipasti, Pizza und Pasta. Und schließlich die Sansibar, die das Zentrum der Gastronomie mit 250 Plätzen im Innen- (Karlspassage) sowie 180 Plätzen im Außenbereich darstellt. Das Angebot reicht von Sylter Austern, Currywurst oder Seeteufel bis hin zum Sansibar-Kaiserschmarrn.

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