Dortmunder begeistern auch beim VfB Stuttgart Spektakel à la BVB

Von Dirk Preiß 

4:0 gegen den VfB Stuttgart, 27 Tore insgesamt, Tabellenführung und ganz viel Spektakel – warum bei Borussia Dortmund derzeit fast alles klappt.

Jubelnde Dortmunder im Spiel beim VfB Stuttgart – daran hat man sich in der dieser Bundesligasaison bereits gewöhnt. Foto: dpa
Jubelnde Dortmunder im Spiel beim VfB Stuttgart – daran hat man sich in der dieser Bundesligasaison bereits gewöhnt. Foto: dpa

Stuttgart - Eine flinke Körpertäuschung, ein, zwei schnelle Schritte, schon war Christian Gentner ausgespielt – und der VfB Stuttgart wusste im Spiel gegen Borussia Dortmund: Nun kann es wieder gefährlich werden. Obwohl es keiner der Hochgeschwindigkeitskicker der Schwarz-Gelben war, der das Tänzchen gewagt hatte, sondern Abdou Diallo.

Der junge Mann ist Innenverteidiger – weshalb die Szene ganz gut belegt, was bei Borussia Dortmund derzeit klappt: so gut wie alles. „Das war ein bärenstarker Gegner“, sagte Michael Reschke, nachdem der VfB beim 0:4 im Grunde keine echte Siegchance gehabt hatte, „der BVB ist in dieser Verfassung eine außergewöhnliche Mannschaft.“ Und der Sportvorstand der Stuttgarter war nicht der einzige, der diese Meinung vertrat.

Fast 60 000 Zuschauer in der Mercedes-Benz-Arena mussten anerkennen, dass nicht nur den VfB derzeit Welten trennen vom Dortmunder Konkurrenten, sondern dass der BVB da eine Truppe auf dem Platz stehen hat, die einerseits Ergebnisse liefert, andererseits aber auch noch mit ihrer Art Fußball zu spielen begeistert. Und die Typen im Team hat, die einfach Spaß machen.

Der VfB hätte Bruun Larsen gerne behalten

Der schnelle Jaden Sancho ist so einer. Engländer, 18 Jahre jung, mit auffälligen neongelben Schuhen bereift und in diesen nicht nur sehr trickreich unterwegs, sondern auch extrem schnell. Auch Jacob Bruun Larsen gehört dazu. Däne, 20 Jahre jung und in Stuttgart bestens bekannt. In der Rückrunde der vergangenen Saison war er vom BVB an den VfB ausgeliehen, Reschke hätte ihn gerne länger behalten, hätte für einen Kauf tief in die Kasse gegriffen, aber in Dortmund sah man nicht einmal eine Verhandlungsbasis. Nun zeigt Bruun Larsen, warum. „Wir haben junge Spieler auf den Flügeln“, sagte der BVB-Trainer Lucien Favre, „Sie sind stark im Eins-gegen-Eins, sie haben viel vor, man kann mit ihnen gut kombinieren.“ Der am Samstag eingewechselte Christian Pulisic (20) gehört ebenfalls noch in diese Kategorie – und dann sind da ja noch Paco Alcacer und Marco Reus.

Der Spanier, derzeit noch ausgeliehen vom FC Barcelona, ist jetzt schon ein Phänomen. 106 Minuten war er in der Bundesliga bisher am Ball, das reichte für sieben Treffer (bei lediglich 13 Torschüssen) und aktuell Platz eins in der Torschützenliste – die Kaufoption (23 Millionen Euro) soll zügig gezogen werden. Reus ist in dieser Rangliste Dritter mit fünf Toren, vier Vorlagen hat er zudem geliefert, Sancho hat sogar schon sechsmal assistiert. Mario Götze, Maximilian Philipp, Marius Wolf und Shinji Kagawa komplettieren das Offensivpotenzial, über das der neue VfB-Trainer Markus Weinzierl sagt: „Schnell, quirlig, gut.“ 27 Tore in acht Spielen hat der BVB entsprechend bereits erzielt, das 4:0 in Stuttgart war das vierte Bundesligaspiel in Folge mit mindestens vier Treffern – was auch nach dem achten Spieltag die Tabellenführung bedeutet. Und noch mehr?

Mahnende Worte vom Kapitän

„Sie sind Erster, also sind sie auch ein Meisterkandidat“, erklärte Mario Gomez am Samstag. Der Stürmer des VfB erinnerte sich aber auch daran, dass die vergangenen Saison für den BVB ähnlich begann – am Ende war es ein Kraftakt, immerhin die Champions League zu erreichen. „Wer sagt uns, dass es dieses Jahr nicht auch passieren kann?“, fragte Gomez. Dabei gibt es Signale, die in eine andere Richtung deuten.

In der vergangenen Saison begann die Misere an eben jenem achten Spieltag (2:3 gegen RB Leipzig), den der BVB nun mit Bravour überstanden hat. Und die 20 bisher geholten Punkte erinnern an die Meistersaison 2010/2011, damals waren es 21. Mit den Verpflichtungen von Axel Witsel, Thomas Delaney und Abdou Diallo hat man bei aller Offensivkraft auch in Stabilität investiert. Neu-Trainer Lucien Favre gilt als erfahrener Taktikfuchs und Perfektionist. Dennoch ist man um Mahnungen bemüht.

„Man merkt schon, dass wir noch einiges zu tun haben“, sagte Marco Reus am Samstag – und blickte dennoch zuversichtlich auf den Mittwoch. Dann empfängt der BVB in der Champions League Atlético Madrid, Reus sieht das Duell als „Reifeprüfung und Gradmesser“. Er sagt bei aller Vorsicht aber auch: „Ich traue uns einiges zu.“ Da ist er nicht der einzige.