Downhill-Strecke in Stuttgart-Degerloch Für die dauerhafte Genehmigung fehlt noch ein Beweis

Von Torsten Schöll 

Nun kam heraus: Seit drei Jahren gibt es schon keine Genehmigung mehr für die Downhill-Strecke in Stuttgart-Degerloch. Die Stadt würde sie gern verlängern, doch es gibt ein Problem.

Der Woodpecker-Trail spricht vor allem Downhillfahrer an. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
Der Woodpecker-Trail spricht vor allem Downhillfahrer an. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Degerloch - Die jüngste Forderung der Naturschutzverbände, konsequent und rasch gegen die illegalen Mountainbike-Strecken in den Stuttgarter Wäldern vorzugehen, löst Unmut in der Szene aus. Der Vorwurf der Mountainbiker: Statt wie im Rahmen einer kürzlich durchgeführten Waldbegehung von Naturschützern und Forstämtern geschehen, nur über die Mountainbiker zu diskutieren, hätten die Naturschutzverbände besser auch mit ihnen sprechen sollen. Einer, der das sagt, ist Jannick Henzler, einer der Initiatoren des Woodpecker-Trails zwischen Degerloch und Stuttgart-Süd und Mitglied im Stuttgarter Mountainbike-Verein. Im Zuge des Appells der Naturschützer war bekannt geworden, dass die Genehmigung für die viel befahrene Degerlocher Downhill-Piste – die einzig legale in Stuttgart – bereits seit Oktober 2017 offiziell ausgelaufen ist. „Die Probezeit des 2015 eingerichteten Woodpeckers war auf zwei Jahre veranschlagt“, bestätigt Henzler. Der 2018 vom Sportamt der Stadt bei der Unteren Naturschutzbehörde daraufhin gestellte Antrag zur dauerhaften Genehmigung ist jedoch bis heute weder angenommen noch abgelehnt worden.

Das ist abhängig von einem Nachweis

Der Vorgang wirft Fragen auf: Die weitere Genehmigung der Degerlocher Downhillstrecke, so lässt das Sportamt verlauten, sei abhängig von einem erforderlichen Nachweis, ob der Betrieb des Woodpeckers einen bestimmten Effekt hat: dass der Trail dazu führt, dass illegale Strecken im Wald weniger bis gar nicht mehr genutzt werden. Dieser Nachweis sei jedoch, so die Stadt, „deutlich schwieriger und komplexer als ursprünglich angenommen“, weshalb „die Abstimmungen hierzu“ weiterhin laufen. Was genau den Nachweis so schwierig macht, lassen die Verantwortlichen freilich im Dunkeln.

Henzler wundert das nicht: Er betont, dass zwar die Downhillszene seit Bestehen des Trails sich auf den Woodpecker konzentriere, die Strecke also ein Erfolg sei. Gleichzeitig habe sich aber in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Mountainbiker insgesamt in Stuttgart etwa verzehnfacht. „Darunter sind Downhiller, Tourenfahrer, Leute die Crosscountry machen und viel andere.“ Die Szene sei extrem vielfältig, das Angebot „Woodpecker“ spreche aber allein die Downhillfahrer an.

Biker: Es braucht ein legales Streckennetz

Soll heißen: Für einen Gutteil der sportiven Zweiradfahrer in Stuttgart, die gerne auf natürlichem Untergrund unterwegs sind, fehlen nach wie vor die geeigneten Angebote im Stadtgebiet. „Aber ohne legales Streckennetz kann es auch keine Verlagerung weg von den illegalen Wegen geben“, sagt der 30-jährige Henzler.

Eine Position, die von der Haltung der Naturschützer gar nicht weit entfernt wirkt: So forderte beispielsweise auch Michael Eick vom Nabu in Fellbach kürzlich, eine Karte für die Region zu erstellen, die geeignete Pisten genauso ausweist wie „No-Go-Areas“. Henzler würde das begrüßen. Er sieht dringenden Informationsbedarf auf beiden Seiten: Es herrsche große Unkenntnis über die nötige Angebotsvielfalt, um all den Untergruppen in der Mountainbike-Szene gerecht zu werden.

Radfahrer wollen Natur auch schützen

Umgekehrt müssten die Mountainbiker aufgeklärt werden, wo ökologisch sensible Gebiete im Wald unbedingt gemieden werden sollten. „Uns ist es wichtig, solche Areale zu schützen“, sagt Henzler. Solange jedoch keine geeigneten Angebote für alle Mountainbiker in Stuttgart existierten, dürfe es auch keine Ordnungsstrafen geben, wie zuletzt verstärkt geschehen. „Geschätzte 60 000 Mountainbiker in Stuttgart und der Region kann man jedenfalls nicht einfach wegwünschen.“ Dass Corona und das veränderte Freizeitverhalten die Lage verschärft habe, bestätigt Henzler.

Warum der Woodpecker von der Stadtverwaltung geduldet wird, obwohl die Genehmigung längst ausgelaufen ist, erklärt sich der 30-Jährige damit, dass die Schließung der Strecke die Situation nur weiter verschlimmern würde. „Die Stadt kommt der Dynamik der Entwicklung einfach nicht mehr hinterher.“

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