Dr. Marlene Westmeier Winzlingen Martyrium erleichtern?

Von Daniela Eichert 

Was können Sie tun, um den Winzlingen dieses wochenlange Martyrium zu erleichtern?

Körperliche Zuwendung ist ein Punkt. Zudem verabreichen wir Medikamente. Welche, richtet sich nach den Grundsubstanzen, die die Eltern eingenommen haben. Wir geben etwa Morphin, wenn die Mama Opiate genommen hat.

Welche Folgeschäden können zurückbleiben und wie groß ist die Gefahr, dass die schlimmen Erfahrungen der Kindheit zur eigenen Zukunft gemacht werden?

Etliche Kinder haben auch später noch Unruhephasen, ADS ist ein Thema und es gibt ein doppelt so hohes Risiko, selbst abhängig zu werden. Kinder von drogenabhängigen Eltern sind nicht selten Vernachlässigung und auch Missbrauch ausgesetzt. Kinder brauchen Strukturen, Halt, Begrenzung. Das ist wichtig für deren Entwicklung.

Das Problem ist aber, dass viele drogenabhängige Eltern dies selbst nicht erfahren haben. Sie lernen bei uns, was ein Kind braucht. Die Frühförderung der Kleinen liegt mir dabei besonders am Herzen. Wir wollen Ihnen ein schönes Umfeld bieten, die Familie stabilisieren, dranbleiben.

Das heißt, Sie begleiten die Babys auch noch nach deren Entlassung?

Bis zu deren Einschulung, ja. Wir sehen die Kinder alle drei Monate in der Sprechstunde unseres Sozialpädiatrischen Zentrums. Dabei achten wir darauf, wie sich das Kind mental und physisch entwickelt. Erscheint eine Familie nicht zur Untersuchung, haken wir nach. Im Alter von zwei Jahren machen wir einen Entwicklungstest, ebenso vor der Einschulung.

Mit dem Jugendamt sind wir momentan dabei, auch zwischen diesem Zeitraum eine Helferkonferenz zu initiieren, in der die einzelnen Fälle mit allen beteiligten Institutionen besprochen werden.