Die Leichtwinddrachen sind am Samstag die Stars am Himmel über Malmsheim. Denn sie halten sich auch bei nur wenig Wind oben. Quallen, Blumen, Fledermäuse, große Vögel – der Fantasie scheinen bei den schwebenden Figuren keine Grenzen gesetzt zu sein. Nach ersten groben Schätzungen des Sportfliegerclubs Malmsheim sind am Wochenende zwischen 25 000 und 30 000 Besucher nach Malmsheim gekommen, um beim 28. Drachenfest die Faszination der lautlos und nur von Thermik und Wind getragenen Flugobjekte zu erleben.
Auch Kinder können Drachen steigen lassen
Und nicht nur zuschauen, was die rund 300 Drachenflug-Profis so in die Luft bringen, ist angesagt, auch selbst einen eigenen Drachen fliegen zu lassen. Neben dem offiziellen Flugfeld gibt es dafür eine Fläche. Dort herrscht ein lebhaftes Gewusel, Kinder wie Erwachsene flitzen mit ihren Kreationen, die man auch auf dem Gelände kaufen kann, umher. Und trotz Flaute hält sich so manche in der Luft.
Auch die kleine Sophie, die mit ihrer Familie aus Merklingen gekommen ist, versucht, ihr Einhorn fliegen zu lassen. „Wir sind alle gerannt“, erzählt die Vierjährige und meint damit die Eltern und Großeltern. Nun sitzen sie, wie viele andere Familien auch, auf Picknickdecken am Rand des Flugfelds und schauen den Profifliegern zu.
Zu wenig Wind für die Profis
Zu diesen gehört Rainer Hatje, der mit seiner Frau aus dem 700 Kilometer entfernten Kreis Celle angereist ist. Er kommt seit vielen Jahren. Dieses Jahr hat er einen großen Hund und einen Gecko mitgebracht – als Drachen natürlich – die aber am Samstag keine Höhenflüge hinlegen können. „Viel zu wenig Wind“, sagt der Hobby-Drachenflieger. „Letztes Jahr war‘s deutlich besser.“ Beim abendlichen Defilee, also der Parade, der leuchtenden Flugobjekte will Rainer Hatje weiße Kugeln zeigen. Seine nächste Station ist das Drachenfest in Hülben auf der Schwäbischen Alb, bevor es wieder heimwärts Richtung Celle geht.
Regisseur dieses Nachtprogramms ist Frank Schmidt, der zum Orga-Team der Drachenflieger gehört. Etwa 40 Teilnehmer zeigen in der Dunkelheit ihre Objekte, darunter auch drei Meter große, beleuchtete Herzen, reflektierende Gebilde und solche mit LED-Lämpchen, die weit oben am Himmel schwebend in der Dunkelheit wie fantastische Ufos aussehen. Rund 35 Stunden Planung hat Schmidt in die Vorbereitung dieser Darbietungen gesteckt, sagt er. Den Abschluss bildet dann ein großes Feuerwerk. Schon kurz nach Einbruch der Dunkelheit, demonstriert der „Circus of Fire“, eine Gruppe junger Leute aus einem Kinderheim in Sigmaringen, wie man mit Feuer jonglieren kann.
Zuvor mussten 26 Hektar Wiese gemäht werden
Die prägende Stimme des Drachenfestes gehört Jürgen Schneider, der von einem Zelt am Rand des Flugfeldes nicht nur verloren gegangene Eltern und Kinder wieder zusammenbringt, sondern auch durch das Programm führt und zu den vielen Flugobjekten etwas zu sagen weiß. Mit einem kleinen Plastikdrachen aus dem Supermarkt fing bei ihm alles an, erinnert er sich. Inzwischen ist er mit einem 18 Meter langen Manta Ray unterwegs. Doch der hätte an diesem Samstag wegen Windmangels keine Chance, anders als die Null-Wind-Drachen, die fast wie von selbst am Himmel stehen.
Im wahrsten Sinne des Wortes die Grundlage für das Fest haben die Ehrenamtlichen des gastgebenden Sportfliegerclubs Malmsheim geschaffen. „Wir haben zweieinhalb Tage lang 26 Hektar Wiese gemäht“, erzählt der Vereinsvorsitzende Eckard Ahrens. 40 Hektar groß ist das Gelände, das zum Bosch Forschungscampus gehört. Neben dem Drachen-Spektakel gibt es viele Verpflegungsstände, an denen sich ebenso lange Schlangen bilden wie beim Bungee-Jumping, wo man selbst mal kurz abheben kann.