Draufsicht, Sweat, Panopticum Wie organisiert man ein Festival mitten in der Stadt?
Sommerzeit ist Festivalzeit! Doch was braucht es eigentlich alles für die beliebten Open-Air-Events? Drei Orga-Teams geben Einblicke.
Sommerzeit ist Festivalzeit! Doch was braucht es eigentlich alles für die beliebten Open-Air-Events? Drei Orga-Teams geben Einblicke.
Das Beste am Sommer? Tanzen und feiern unter freiem Himmel! Wie gut, dass der Kessel in den letzten Jahren um ein paar Festivals reicher wurde. Die Organisation dafür übernehmen oft junge Menschen – viele von ihnen ehrenamtlich.
Herausforderungen gibt es dabei viele, aber auch Momente, die motivieren. Wir haben mit den Macher:innen vom Draufsicht-Festival, dem Panopticum und dem Sweat-Festival über ihre Erfahrungen gesprochen.
Nicht mehr lange, dann findet auf der Karlshöhe zum dritten Mal das Draufsicht Festival statt – die Vorbereitungen für das Event am ersten Augustwochenende laufen auf Hochtouren. „Wir treffen uns zurzeit sehr sehr oft“, erzählt Alexander Schneider (20), einer der vielen Organisatoren. Er macht gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr bei Team Tomorrow, einem Stuttgarter Verein, der in die Orga vom Draufsicht-Festival involviert ist. Auch die Chats zwischen den Helfer:innen laufen gerade heiß, berichtet er. Gemeinsam mit Erika Palnau (27) vom Trabanten-Kollkektiv, das auch mitwirkt, gibt er Einblicke in die Orga des Festivals auf der Karlshöhe.
Ingesamt wirken beim Draufsicht-Festival etwa 45 ehrenamtliche Helfer:innen mit. Das Besondere: Ein Großteil von ihnen ist zwischen 15 und 21 Jahren, erzählen Alexander und Erika. Da einige Helfer:innen noch zur Schule gehen, komme es gelegentlich zu Überschneidungen mit den Vorbereitungen. Organisiert haben sich die Helfer:innen in Kleingruppen zu Themen wie Grafik, Essen oder Line-Up. Zusammen Kultur erleben, ist das gemeinsame Ziel. Besonders toll sei es, dass alle mit dem Herzen dabei sind, sagt Alexander.
Doch neben allen spaßigen Angelegenheiten muss sich auch um Themen wie Finanzen und Sicherheit gekümmert werden. Beim Draufsicht gibt es auch dafür ein festes Team. Die Kooperation mit dem Trabanten-Kollektiv helfe bei technische Fragen und der Gestaltung des Veranstaltungsortes, sagt der 20-Jährige. „Anfangs haben wir Vieles nicht gewusst und waren blauäugig“. Darüber, welche Künstler:innen am Ende auf der Bühne stehen, wird demokratisch entschieden – bei Problemen wird offen kommuniziert.
Um das Festival für alle zugänglich zu machen, hat sich das Team dazu entschieden, keinen Eintritt zu verlangen. Und klar, das kommt im Kessel natürlich an! Im letzten Jahr zog das Event auf der Karlshöhe bis zu 1500 Menschen an. „Irgendwie haben wir da ein kleines Monster kreiert“, sagt Schneider. Auch eigene Getränke und eigenes Essen können mit auf das Gelände gebracht werden. Vor Ort gibt es Essen und Getränke auf Spendenbasis. Mit dem Spendenkonzept hat das Team im letzten Jahr positive Erfahrungen gemacht: Viele würden spenden, weil ihnen das Konzept gefalle.
Vorgaben wie Lärm- und Naturschutz müssen beim Festival natürlich ebenso beachtet werden, wie das Thema Müll. Besonders wichtig ist es dem Team, den Platz so zu verlassen, wie es ihn vorgefunden hat, ebenso mit den Anwohner:innen im Reinen zu sein. Im letzten Jahr hatten sie den Müll zunächst bei sich im Büro deponiert, erzählt Alexander. Doch Jahr für Jahr lerne man dazu. Übrigens: Beim Draufsicht-Festival gibt es nicht nur Musik, sondern zum Beispiel auch Workshops, in denen ihr kreativ werden könnt.
Eine andere vibrierende Crew, die sich vor allem der elektronischen Musik und deren Kultur verschrieben hat, ist das Kollektiv Panopticum, das es seit mittlerweile 13 Jahren gibt. Anton Zeeb, seit fünf Jahren im Vereinsvorstand, erinnert sich: „Am Anfang hatten wir keine Connections, kaum Erfahrung, aber Leidenschaft!“ Nach langer Suche nach einem passenden Ort, fiel die Wahl schließlich auf den Berger Festplatz im Unteren Schlossgarten, wo das Panopticum Sommerfest Ende Mai in die achte Runde ging.
Was das Panopticum so besonders macht? Die Crew hat kein kommerzielles Interesse, ihnen geht es um die Musik und das gemeinsame Erlebnis – der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Verkauft werden nur die Getränke. „Wir wollen einen Raum schaffen, in dem sich jeder wohlfühlt“, sagt Anton. Mit einem Vorstand von rund zehn Mitgliedern, die alle gleichberechtigt entscheiden, wird ein diskriminierungsfreier Raum geschaffen. Jede Person kann ihre eigenen Ideen einbringen.
Das Line-Up setzt sich aus Resident-DJs und Newcomern zusammen, Männer und Frauen möglichst zu gleichen Teilen. Für das Event musste sich das Team eine Genehmigung der Stadt und der Interessengemeinschaft des Festplatzes Berg einholen. Und klar, auch beim Panopticum sind Lärm- und Naturschutz wiederkehrende Themen. Deshalb gehe die Party nach 22 Uhr auf Fridas Pier weiter. „Auch wenn es mal chaotisch und wild zugeht, gelohnt hat sich das bisher immer“, sagt Anton. Gemeinsam eine schöne Nacht zu schaffen, ist das Ziel des Vereins.
Ende Mai ging auch das beliebte Sweat-Festival in die dritte Runde. Ein Wochenende lang bringen bis zu 30 DJs und Live-Acts Fridas Pier zum Schwitzen und Tanzen, darunter auch internationale Acts. „Wir fanden, dass House-Musik in Stuttgart unterrepräsentiert ist, und wollten das ändern“, sagt Mitveranstalter Philipp Bauer (38), den man zum Beispiel aus dem Climax, White Noise oder Romy S. kennt. Mehr Diversität in der Kulturlandschaft sollte es sein, „ein Festival für elektronische Musik, bei dem es nicht nur um Bumm Bumm geht“, erzählt er.
Viele Kollektive und Akteur:innen der Stadt habe man deshalb mit an Bord geholt und Programm und Line-Up gemeinsam erarbeitet. So gibt es beim Sweat neben Techno, House und Trance auch eine Yoga Class und Workshops wie Tufting und Producing von zwei DJ’s. Hinzu kommt eine Talk-Runde. Und das kommt an: Etwa 2000 Besucher:innen kommen an solch einem Wochenende zusammen. Was die Organisation angeht, hätten sie Glück, denn Fridas Pier biete bereits eine gute Infrastruktur, sagt Philipp.
Neben dem Kernteam helfen 25 Volunteers mit. Ein bisschen Zittern gebe es jedes Mal, sagt Bauer. Er und sein Team hätten die Erfahrung gemacht, dass die Leute oft kurzentschlossen Tickets kaufen würden, das gemeinsame Erlebnis werde dann zum Happening und die Musik stehe gar nicht so sehr im Mittelpunkt. Ganz vorbei ist die Sweat-Saison noch nicht: Ende August steht das Sweat Summer Closing an! Ob und in welchem Rahmen das Sweat 2026 stattfindet, ist derzeit noch offen.
Draufsicht Festival, Karlshöhe Stuttgart, Stuttgart-Süd/West, 1.+2.8., Fr.+Sa. 12-22 Uhr
Team Tomorrow: Das Team Tomorrow ist ein gemeinnütziger Verein aus Stuttgart mit dem Ziel der politischen Bildungen für junge Menschen. Sie planen und organisieren politische Projekte im öffentlichen Raum.
Trabanten-Kollektiv: Das Trabanten-Kollektiv ist ein Zusammenschluss junger Kreativer. Ihr Ziel ist es, Menschen durch Kultur, Tanz, Kunst und Musik zusammenzubringen.
Panopticum : Das Panopticum-Kollektiv vertritt das Ziel, gemeinsam eine schöne und ereignisreiche Zeit zu verbringen. Dazu gibt es elektronische Tanzmusik.
Sweat-Festival: Seit 2023 findet das Sweat-Festival auf Fridas Pier statt. Das Angebot bewegt sich zwischen Club- und Subkultur. Sweat Summer Closing 2025, 23.8., ab 17 Uhr