Die Index-Werke hoffen auf bessere Geschäfte in 2025 und sehen bereits eine Erholung der Nachfrage nach ihren Maschinen. Foto: Roberto Bulgrin
Auch bei den Index-Werken mit mehreren Standorten im Kreis Esslingen lief das Geschäft zuletzt schlechter. Bei dem Hersteller von Drehmaschinen schrumpft darum die Belegschaft – allerdings ohne Kündigungen.
Greta Gramberg
25.03.2025 - 14:12 Uhr
Seit Monaten gilt bei den Index-Werken an den Standorten Esslingen, Deizisau und Reichenbach Kurzarbeit. Denn aufgrund sinkender Auftragszahlen ist die Produktion nicht ausgelastet. Wie viele andere Industriearbeitgeber im Landkreis Esslingen will darum auch der Hersteller von Drehmaschinen Personal reduzieren – allerdings ohne Mitarbeitende zu kündigen. In den nächsten Jahren werden wohl mehr als 200 Stellen wegfallen. Dennoch sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dirk Prust, das höre sich gewaltiger an, als es sei. „Niemand verliert seinen Arbeitsplatz“, versichert er.
Bei der Jahrespressekonferenz am Standort Deizisau erläuterte die Geschäftsführung diese Woche, wie es um die Unternehmensgruppe steht, die Maschinen der Marken Index und Traub herstellt. „Mit den Umsätzen 2024 sind wir nicht zufrieden“, macht Roberto Deger, der in der Geschäftsführung für die Finanzen zuständig ist, klar. Die Umsatzerlöse betrugen 460 Millionen Euro, elf Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Schon 2023 waren sie gesunken.
„Wir halten zu unserer Stammbelegschaft“, beteuert der Finanzgeschäftsführer Deger. Allerdings wird sie schrumpfen. Entlassen werden soll aber niemand – vielmehr sinkt die Zahl der Beschäftigten durch Renteneintritte und Fluktuation. Stellen werden also nicht nachbesetzt. Die Altersstruktur der Belegschaft komme dem Betrieb an dieser Stelle entgegen, sagt der Geschäftsführer Prust. „Das befreit uns davon, zu härteren Maßnahmen zu greifen.“ 2024 und 2025 wird sich die Belegschaft in Deutschland so um je 100 Personen verringern. Derzeit arbeiten 1750 Menschen für die Index-Werke, für die Jahre 2028 bis 2029 geht die Geschäftsführung von 1500 aus.
Standort in Slowakei wird ausgebaut
Derweil wird der Standort in Malacky in der Slowakei ausgebaut. Dort sind neben einer Montageeinheit mittlerweile auch Servicemitarbeiter angesiedelt, die Produktionsflächen seien verdoppelt worden, berichtet Prust. Nun soll eine weitere Baugruppenmontage von Deutschland in die Slowakei verlegt werden. Der Grund sind geringere Herstellungskosten. Die Slowakei als verlängerte Werkbank stärke so auch die deutschen Standorte, lautet die Darstellung der Geschäftsführung.
Prust kritisiert die tariflich festgelegte Wochenarbeitszeit von 35 Stunden in der Metall- und Elektroindustrie. In anderen Ländern in Europa werde ein Tag mehr pro Woche gearbeitet. Das bringe eine große Produktivitätssteigerung. Nicht allein die Arbeitskosten seien entscheidend für die zunehmende Verlagerung in die Slowakei, sondern auch die hiesige Arbeits- und Lebenseinstellung. „Das sind Begleitumstände, die die Entwicklungen begünstigen.“
Index-Werke rechnen mit Erholung 2025
Dennoch wird auch in Deutschland noch Nachwuchs gesucht. Der Sorge des Betriebsratsvorsitzenden, dass nicht genug ausgebildet werde, um die Renteneintritte zu kompensieren, entgegnet die Geschäftsführung, dass Index durchaus viel für die Berufsausbildung tue. Pro Jahrgang habe das Unternehmen 35 bis 40 Auszubildende und etwa fünf Studenten. „Wir bieten viele Möglichkeiten an, die aber nicht so genutzt werden“, sagt der Finanzgeschäftsführer Deger. So sei es schwer, junge Leute für Aufgaben wie den Service zu begeistern, der auch mal Dienstreisen und Auslandseinsätze mit sich bringe – und das, obwohl diese Jobs aus Sicht der Index-Geschäftsführung zukunftssicher sind.
Nun hoffe man auf bessere Verkaufszahlen, sagt Prust. 2025 werde mutmaßlich moderat besser, zuversichtlich sei man für 2026. Nach Angaben von Reiner Hammerl, Geschäftsführer für den Bereich Vertrieb, rechnen die Index-Werke mit einer Umsatzsteigerung von 16 Prozent in diesem Jahr. Demnach gibt es bereits Anzeichen für eine Erholung. Trotz der Umsatzrückgänge ist unter dem Strich auch 2024 ein positives Ergebnis erwirtschaftet worden. Bei der Profitabilität liegt man laut der Geschäftsführung aber unter den Erwartungen. „Aber unter den gegebenen Umständen ist ein leicht positives Ergebnis schon beachtlich“, stellt Dirk Prust klar.
In Deizisau haben die Index-Werke ein weiteres Gebäude für den Service und die Kundenschulungen gekauft und umgebaut. Foto: Roberto Bulgrin
Und auch in Deutschland hat das Unternehmen zuletzt noch investiert und seine Flächen erweitert. In ein umgebautes Gebäude in Deizisau ziehen derzeit der Service und das Kundenschulungzentrum ein. Das Projekt schafft mehr Flächen für die Montage am Standort Reichenbach, wo bislang die Schulungen stattfanden.
Das Unternehmen und sein Umfeld
Index-Werke 1914 hat Hermann Hahn die Firma in Esslingen gegründet. Über die Jahre entwickelten sich die Index-Werke zu einem der führenden Hersteller von CNC-Drehmaschinen. 1997 wurde die Firma Traub Drehmaschinen in Reichenbach übernommen. Heute heißt das Unternehmen offiziell Index-Werke GmbH &
Geschäftsfelder Die Index-Werke haben sich in den vergangenen Jahren von der Automobilindustrie unabhängiger gemacht. Diese hatte 2020 noch die Hälfte des Umsatzes der Index-Werke gebracht. Heute sind es sieben Prozent. Die wichtigsten Abnehmerbranchen sind mit Blick auf die Umsatzanteile der Maschinenbau bei der Marke Index und die Medizintechnik bei Traub-Maschinen. Auch die Rüstungsindustrie bringe zunehmend Aufträge. Großes Potenzial sieht die Geschäftsführung außerdem in der Armaturen- und Fluidtechnik. Maschinen des Esslinger Unternehmens können beispielsweise Bauteile für die Kühlung von Serverfarmen herstellen.