Drei Güterumschlagszentren im Süden der Region Schiene und Wasser – und nur zuletzt der Lastwagen

Ein Großteil der Güter wird in Containern transportiert. Foto: dpa
Ein Großteil der Güter wird in Containern transportiert. Foto: dpa

Wirtschaft und Regionalverband fordern schon lange neue Logistikzentren, die mindestens Schiene und Straße verbinden. Das Land hat sich nun eingeschaltet.

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Stuttgart - Sie gelten als unerlässlich für die wirtschaftliche Entwicklung einer exportorientieren Region. Durchsetzen lassen sich flächenfressende und laute Güterumschlagplätze, über die der zunehmende Warenverkehr bis nach Übersee abgewickelt wird, aber nur mit Mühe. Der Verband Region Stuttgart ist bisher mit entsprechenden Plänen meist am Widerstand der Kommunen gescheitert.

Nun unternimmt das Verkehrsministerium des Landes einen Versuch, im Großraum Stuttgart Logistikzentren auf den Weg zu bringen, die mindestens Schiene und Straße verbinden. Er schlägt als mögliche Standorte für solche „Zentren des kombinierten Verkehrs“ (KV-Terminals) das gut an die A 81 und das Schienennetz der Bahn angebundene Eutingen im Gäu (Kreis Freudenstadt), den Plochinger Hafen sowie Reutlingen mit seinem vor mehr als anderthalb Jahrzehnten stillgelegten Güterbahnhof vor.

Die Grundlage dafür bildet eine Studie, die der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am Freitag vorgestellt hat. Sie sollte mögliche Standorte für zukunftsfähige KV-Terminals im Süden der Region Stuttgart finden, und zwar in drei Räumen: am sogenannten Neckarknie (Kreise Esslingen und Göppingen), im Albvorland um Tübingen und Reutlingen sowie im sogenannten Gäuquadrat, das Teile der Kreise Böblingen, Tübingen, Calw und Freudenstadt umfasst. Verglichen wurden in der Studie die Kommunen Ebersbach/Fils, Kirchheim/Teck und Plochingen am Neckarknie, die Städte Tübingen und Reutlingen sowie im Gäuquadrat Gärtringen, Bondorf/Ergenzingen und Eutingen im Gäu.

Der Süden der Region ist unterversorgt

Im Süden der Region besteht laut Hermann dringender Handlungsbedarf. Denn die dortigen Firmen könnten nur schwerlich von den bereits bestehenden, kaum noch erweiterbaren Umschlagplätzen im Norden – etwa Kornwestheim im Kreis Ludwigsburg – bedient werden. Die Stadt Stuttgart mit ihrem dichten Verkehr bilde einen Riegel zwischen dem Norden und dem Süden der Region, sagte Hermann.

Deshalb hat er die Studie bei Tobias Bernecker vom Institut für Nachhaltigkeit in Verkehr und Logistik der Heilbronner Hochschule in Auftrag gegeben, wobei der Minister keine Megaterminals, sondern dezentrale Verladebahnhöfe favorisierte. Unter den acht Standorten, die Bernecker geprüft hat, finden sich mit Bondorf/Ergenzingen und Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) zwei Kommunen, die im neuen Regionalplan des Verbands Region Stuttgart als Logistikzentren vorgesehen sind, sich bisher aber nicht durchsetzen ließen.

Diesbezüglich ist Hermann optimistisch, was die drei nun favorisierten Standorte anbelangt. Er habe die Bürgermeister vor der Pressekonferenz informiert, sagte er. Die Resonanz sei eher positiv gewesen. Und die Bürger will der Minister bei voranschreitenden Planungen frühzeitig ins Boot holen und sie davon überzeugen, dass diese Umschlagplätze ökonomisch wie ökologisch unabdingbar seien.

Ökonomisch und ökologisch unabdingbare Infrastruktur

Die Notwendigkeit begründet er in erster Linie mit der wirtschaftlichen Entwicklung, mit der die Infrastruktur mithalten müsse, und der prognostizierten Zunahme des Verkehrs, der sich bis zum Jahr 2025 verdoppeln soll. Nicht nur Hermann ist der Überzeugung, dass die Straßen – und damit auch die Umwelt – entlastet werden müssen. Erstrebenswert sei, dass ein möglichst großer Teil der Transporte über die Schiene und das Wasser erfolge und der Lastwagen allenfalls die letzten Kilometer bis zum Adressaten übernehme. Bis jetzt kommen laut Berneckers Studie in Baden-Württemberg 4,6 Prozent der Güter in der Kombination Schiene, Wasser, Straße an ihr Ziel. In zwölf Jahren werden es laut Bernecker doppelt so viele sein. Und wünschenswert wäre es, die Quote noch zu steigern.




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