Drei Jahre ohne Kinderarzt Praxis aus Weil der Stadt plant zweiten Standort in Renningen
Vor drei Jahren schloss die einzige Kinderarztpraxis in Renningen, für viele Familien eine Katastrophe. Nun gibt es neue Hoffnung.
Vor drei Jahren schloss die einzige Kinderarztpraxis in Renningen, für viele Familien eine Katastrophe. Nun gibt es neue Hoffnung.
Etwas mehr als drei Jahre ist es her, dass die einzige Kinderarztpraxis in Renningen dicht machte. Im März 2022 hatte sich Werner Plieninger zur Ruhe gesetzt, die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin war gescheitert. Seitdem ist die Verzweiflung bei vielen Eltern groß, die keinen Arzt mehr für ihren Nachwuchs finden.
Doch nun sorgt eine Suchanzeige für Aufsehen, die Renningens Bürgermeisterin Melanie Hettmer vergangene Woche in den sozialen Medien veröffentlicht hat: „Die Stadtverwaltung Renningen sucht zur Miete ab 1. Januar 2026 oder früher Räumlichkeiten für eine Kinderarztpraxis.“
Dahinter steckt die Kinderarztpraxis Thomas Kirchner und Thomas Schwab aus Weil der Stadt. „Ja, wir planen, einen zweiten Praxis-Standort in Renningen zu eröffnen“, bestätigt Thomas Kirchner unserer Zeitung. Gesucht werden deshalb Praxisräume mit etwa 100 Quadratmetern Fläche in Renningen oder Malmsheim. Möglich sind auch Wohn-, Büro- oder Gewerbeimmobilien, die umgenutzt werden können. „Je nachdem, wie schnell wir etwas finden und wie viel umgebaut werden muss, hoffen wir, zum neuen Jahr zu eröffnen“, sagt der Mediziner.
Als Werner Plieninger vor drei Jahren seine Praxis in Renningen schloss, hatten sich viele betroffene Familien aus der Rankbachstadt an die Praxis in Weil der Stadt gewandt. „Die Renninger waren verzweifelt, einige sind es immer noch. Aber wir waren damals nicht gut genug aufgestellt. Jetzt sind wir es“, sagt Kirchner.
Wenn irgendwo eine Praxis schließe, sei dies für Familien eine Katastrophe. „Wir hätten gern alle Kinder behandelt, aber war einfach nicht leistbar. Wir müssen ja auch eine medizinische Qualität bieten“, erklärt der Pädiater.
Die Zweitpraxis in Renningen sollen zwei Kinderärztinnen übernehmen. Eine arbeitet aktuell schon in Weil der Stadt. Eine weitere war früher bereits dort angestellt gewesen und will gern zurück in die Praxis. „Beide haben kleine Kinder. Dass sie die Praxis nicht selber führen müssen, ist für sie deutlich angenehmer. An einer eigenen Praxis hängt sehr viel Organisationsarbeit und Bürokratie“, erklärt der Weiler Kinderarzt.
Auch habe man sich bewusst für einen zweiten Standort entschieden und nicht für neue größere Praxisräume. „Wir möchten unsere Patienten lieber wohnortnah versorgen. In einer großen Praxis wird es auch schnell mal unpersönlich. Bei zwei kleinen Praxen weiß dagegen die rechte Hand, was die linke macht“, meint Kirchner, der die Praxis in der Weiler Altstadt vor 21 Jahren von seinem Vorgänger übernommen und 2009 seinen Kollegen Thomas Schwab mit ins Boot geholt hat.
Renningen als Standort für die zweite Praxis habe mehrere Gründe: Eine ähnliche Größe und Struktur, räumliche Nähe und natürlich dringender Bedarf. „Wir wissen, was uns erwartet, und durch die Nähe kann man sich gegenseitig gut aushelfen“, erklärt Thomas Kirchner. Auch die Unterstützung durch die Stadt Renningen hebt er hervor.
Die hatte sich schon 2022 intensiv bemüht, einen Nachfolger für Werner Plieninger zu finden und zu unterstützen. Auch eine Initiative von betroffenen Eltern hatte sich zusammengefunden, unter anderem eine Petition gestartet und in verschiedenen Medien auf die prekäre Situation aufmerksam gemacht. Gebracht hatte es am Ende allerdings nichts.
Die neue Bürgermeisterin Melanie Hettmer, erst seit Dezember im Amt, hatte das Thema auch im Wahlkampf angesprochen. „Ich freue mich sehr, dass die Kinderarztpraxis aus Weil der Stadt bei uns einen Zweitstandort eröffnen will. Ich setze mich mit aller Kraft dafür ein, dass wir bald wieder eine Praxis in Renningen haben“, sagte Hettmer. Das Thema habe höchste Priorität.
Die Nachricht, dass es bald wieder eine Kinderarztpraxis in Renningen geben könnte, kombiniert mit der Hiobsbotschaft, dass in Leonberg zwei von drei Kinderärzten Ende des Jahres in den Ruhestand gehen, hat auch in Weil der Stadt ordentlich für Aufregung gesorgt. „Allein am Freitag haben etwa 70 Leute bei uns in der Praxis angerufen und um Aufnahme in die neue Praxis gebeten“, berichtet Thomas Kirchner.
Er stellt klar: „Wir werden Kinder aus Renningen und Malmsheim aufnehmen, und zwar alle.“ Allerdings bittet er eindringlich darum, nicht in der Praxis in Weil der Stadt anzurufen. „Diese Leitung soll frei bleiben für unsere Patienten.“ Sobald feststeht, wann und wo der neue Standort in Renningen eröffnet, werde man auf der eigenen Homepage informieren.
Neue Räume
Etwa 100 Quadratmeter in Renningen oder Malmsheim als Praxisräume oder zur Umnutzung als Praxis werden gesucht. Wer etwas anbieten möchte, kann sich an die Bürgermeisterin Melanie Hettmer wenden unter Telefon 0 71 59 / 92 41 21 oder E-Mail an melanie.hettmer@renningen.de, sowie an die Kinderarztpraxis Kirchner/Schwab in Weil der Stadt per E-Mail an info@kirchner-schwab.de.
Personal
Die Kinderarztpraxis sucht für den neuen Standort auch weiteres medizinisches Fachpersonal.