Drei Menschen von den Fildern erzählen Wie das Fasten geklappt hat

Von Frank Wahlenmaier und  

Etliche Menschen haben zwischen Aschermittwoch und Ostern gefastet. Ein Kindergarten in Leinfelden-Echterdingen hat auf Ausmalbilder und Süßes verzichtet, eine Studentin aus Stuttgart-Vaihingen auf soziale Medien und eine Familie aus Stuttgart-Birkach auf Plastik. Doch es lief nicht immer reibungsfrei.

Lena, Emilian, Laurin und Bastian Winkler haben versucht, auf Plastik zu verzichten. Foto: Frank Wahlenmaier 3 Bilder
Lena, Emilian, Laurin und Bastian Winkler haben versucht, auf Plastik zu verzichten. Foto: Frank Wahlenmaier

Filder - Ostern ist rum, die Fastenzeit ist vorbei. Auch auf den Fildern haben zwischen Aschermittwoch und Gründonnerstag etliche Menschen auf etwas verzichtet. Doch wie gut hat das geklappt? Wir haben nachgefragt.

Studentin hat auf soziale Medien verzichtet

Der Umgang mit sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Instagram ist für Milena Sager ein essenzieller Bestandteil ihres Studiums. Sie studiert an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart-Vaihingen Public Relations. Trotzdem ist die 21-Jährige in den vergangenen sieben Wochen offline gegangen. An Ostern leuchteten dann rund 160 Benachrichtigungen von sozialen Netzwerken auf ihrem Display auf. Während der Fastenzeit blieb Milena Sager standhaft und nutzte nur im äußersten Notfall das Handy.

„Vor allem in den ersten Wochen habe ich gemerkt, was für Gewohnheiten man sich angeeignet hat. Morgens in der Bahn habe ich normalerweise direkt das Handy in der Hand“, berichtet sie. Während der Fastenzeit war dieser Automatismus nicht mehr möglich. Wirklich schlimm sei dies aber nicht gewesen, sagt sie. Durch das Fasten von sozialen Netzwerken habe sie sich mehr auf Gespräche mit Freunden konzentrieren können und nicht mehr ständig auf ihr Smartphone gelinst.

Während der sieben Wochen wurde ihr aber auch bewusst, wie viel sich heutzutage über soziale Medien abspielt. Sie gesteht: „Ich musste mich gezwungenermaßen einige Male auf Facebook anmelden, um mich für Veranstaltungen der Hochschule einzutragen.“ Die größte Herausforderung waren für sie die längeren Bahnfahrten am Wochenende, wenn sie zu ihrer Familie nach Hause gefahren ist. Nach einer gewissen Zeit hat sie neue Wege gefunden, diese Zeit zu überbrücken: „Ich habe viel mehr gelesen, da auf einmal die Zeit dafür da war. Doch wenn ich mein Buch mal vergessen hatte, musste ich gegen die Langeweile ankämpfen.“

Für die Zukunft hat sie sich vorgenommen, abends ab einer bestimmten Uhrzeit das Smartphone wegzulegen. Für Fahrten mit Bus und Bahn kann sie sich dies unterdessen nur schwerlich vorstellen.

Kindergarten hat Süßigkeiten und Ausmalbilder weggelassen

Für die Kinder war das Fasten weniger aufreibend als für einige Eltern. Die 99 Sprösslinge im katholischen Kindergarten St. Gabriel in Stetten, einem Stadtteil von Leinfelden-Echterdingen, haben von Aschermittwoch bis Ostern auf Süßigkeiten und auf Ausmalbilder verzichtet. Wer sich unter Letzterem nichts vorstellen kann: Da gibt es zum Beispiel vorgedruckte Prinzessinnen, Pferde oder Logos von Fußballvereinen, die die Kinder bunt ausmalen. Das macht den Kleinen viel Spaß – untergräbt aber mutmaßlich langfristig die eigene Kreativität und Fantasie.

„Während der Fastenzeit haben die Kinder wieder viel freier gemalt und zum Beispiel in einem Buch nachgeschaut, wie viele Beine denn ein Hund hat und wie man den malt“, sagt die Kindergärtnerin Vanessa Böhmerle. Auch der Verzicht auf Nachtisch habe die Kleinen wenig gestört: „Am Anfang haben vor allem die Jüngeren noch nachgefragt, aber meistens haben sie sich dann sofort selbst daran erinnert.“

Etwas Verwirrung herrschte anfangs unter einigen Eltern. Die waren verunsichert, ob ihren Kindern nicht zu viel weggenommen werde und ob sie ihnen nicht mal mehr einen Kuchen mitgeben dürften, wenn diese Geburtstag haben. „Auch künftig gilt: Ein einfacher Rührkuchen ist völlig in Ordnung. Was wir nicht mehr wollen, sind große, aufwendige Torten mit zentimeterdicker Schokoladen- oder Zuckerglasur. Wir wollen keinen Geburtstags-Wettbewerb“, sagt Vanessa Böhmerle.

Generell habe man in der Fastenzeit wieder mehr Achtsamkeit und Sensibilität unter Kindern und Eltern herstellen wollen, sagt Hans-Jürgen Jung als Trägervertreter von der katholischen Kirche in L.-E. Deshalb wurde bis Ostern für Eltern auch ein Handyverbot im Kindergarten ausgesprochen – was sehr gut geklappt habe. „Wir haben niemandem etwas weggenommen, sondern die Sinne geschärft“, sagt Jung.

Familie hat auf Plastik verzichtet

Die Meere sind voller Plastik. Erst vor Kurzem wurde vor der Küste Sardiniens ein toter Pottwal entdeckt, der 22 Kilogramm Kunststoff in seinem Magen hatte. Damit so etwas nicht noch öfter passiert, hat die Familie Winkler – bestehend aus Lena (30), Bastian (33), Emilian (5) und Laurin (4) – in der Fastenzeit auf Produkte verzichtet, die in Plastik eingepackt sind. Nicht immer war die Birkacher Familie dabei erfolgreich.

„Einen absoluten Verzicht haben wir nicht geschafft, das ist kaum möglich“ sagt Lena Winkler. „Aber wir haben öfter im Birkacher Hofladen und in Bioläden eingekauft.“ Doch selbst in Bioläden sind viele Produkte in Plastik verpackt. Und der Hofladen hat nur an zwei Tagen in der Woche geöffnet. Generell gebe es viele Alltagsprodukte, die man fast nur in Kunststoff erhalte, sagt Lena Winkler. Dazu gehört zum Beispiel Klopapier, Shampoo oder fast alle Lebensmittel aus dem Kühlregal. „Um solche Käufe in Plastik zu vermeiden, waren wir gezwungen, mit dem Auto zu einem Unverpackt-Laden zu fahren. Aber da fragt man sich schon, ob dabei noch die Ökobilanz stimmt – schließlich gibt es einen Supermarkt, den wir zu Fuß erreichen.“ Auch die beiden kleinen Söhne haben während der Fastenzeit gelernt, Plastik zu vermeiden. Auf kleine Belohnungen wie Joghurt aus dem Plastikbecher oder Süßigkeiten haben sie verzichtet. „Dabei haben sie auch ein stärkeres Bewusstsein für Verpackungen entwickelt“, sagt Lena Winkler.

Selbst wenn die Familie Winkler nicht komplett ohne Plastik leben konnte, hat sie gelernt, bewusster einzukaufen. Den monatlichen Kunststoffabfall konnten die Winklers von vier gelben Säcken auf eine Kiste reduzieren. Trotzdem findet die Familie, dass nicht nur die Verbraucher ihre Gewohnheiten umstellen müssen. Auch Hersteller und Händler sollten zur Verantwortung gezogen werden, verlangen sie.