Thomas Speer liebt es, Gäste mit seinem eigenen Wein zu bewirten. Foto: Stefanie Schlecht
Thomas Speer schmecken seine selbstgekelterten Weine am besten, wenn er sie teilen kann. Deshalb lädt er drei Tage lang zum Besen nach Sindelfingen ein.
Für Thomas Speer ist Wein viel mehr als nur ein leckeres Getränk. Er nennt es einen Kulturträger, der Menschen zusammenbringt. „Wein hat etwas sehr Kommunikatives“, sagt der 74-Jährige. Deshalb liebt er es, den Wein, den er in seinem Weingut in Breitenholz anbaut, im Besen unter die Leute zu bringen. Von Donnerstag, 12., bis Samstag, 14. Februar, schenkt er den selbstgekelterten Wein in Sindelfingen im Vereinsheim der Gartenfreunde, Rudolf-Harbig-Straße 15, aus. „Es wäre widersinnig, wenn man ihn nur für sich selber macht“, sagt er.
Speer ist Vollblut-Hobbywinzer. Fast jeden Tag verbringt er auf seinem 30 Ar großen Weinberg in Steillage und je nach Jahreszeit schneidet er die Reben, mäht, hält die Mauern intakt, bricht Triebe aus, bindet sie fest oder liest die Weintrauben. „Das ist sein Leben“, sagt seine Frau Barbara Höhn-Speer, die ihn im Besen bei der Verköstigung der Gäste tatkräftig unterstützt, das Sauerkraut kocht und Brotaufstriche selbst macht.
Per Zufall wird aus dem Naturliebhaber ein Hobbywinzer
Angefangen hat alles vor 20 Jahren, als die Speers auf der Suche nach einem Gartengrundstück auf ein 5 Ar großes Weinbergle in der Nähe von Ammerbuch (Kreis Tübingen) stießen. Beim Ausblick vom Schönbuchrand übers Gäu war es um die beiden geschehen und ihr Schicksal als Hobbywinzer besiegelt.
Die Aussicht der Weinberge in Breitenholz (hier von Hasen-Wirt Arnold Nölly) ist fantastisch. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer
Anfangs nebenberuflich – der Landschaftsarchitekt leitete viele Jahre das Gartenamt der Stadt Sindelfingen –, fing Speer mit der Weinproduktion an. Er legte „einfach mal los“, den Ausbau machte er daheim im Keller. „Bei der Gärung hat das ganze Haus nach Wein gerochen“, erinnert er sich. Rund 50 Liter kamen damals zusammen, die schon gut trinkbar waren. Als er in den Vorruhestand ging, dachte er sich: „Jetzt willst du’s genau wissen“, und absolvierte eine Ausbildung zum Nebenerwerbswinzer.
Er kaufte nach und nach Nachbargrundstücke hinzu und bewirtschaftet mittlerweile auf 30 Ar die Sorten Kerner, Rosé und Lemberger-Monarch. Die offizielle Qualitätsprüfung zeichnet seinen Wein inzwischen immer wieder mit dem Prädikat Kabinett aus. Die ersten Jahrgänge, sagt er mit einem Augenzwinkern, hätten erst nach dem zweiten Viertele geschmeckt, „jetzt kannst du schon das erste Viertele gut trinken“. Alle seine Weine sind Bio-zertifiziert, das heißt er verwendet nur Spritzmittel, die nicht in die Pflanzen eindringen.
Pro Jahrgang baut Speer rund 1000 Liter aus. „Die trinkst du nicht mehr alleine“, sagt er, deshalb eröffnete er 2015 das erste Mal einen Besen im Verein der Gartenfreunde. Daraus ist inzwischen eine Tradition geworden, immer an den drei Tagen vor Faschingssonntag.
Am Besten findet der Winzer, wenn sein Wein alle ist
Ein Helferteam bewirtet die Gäste, er selbst setzt sich mit an die Tische und pflegt den Ursinn des Besens, nämlich den Austausch. Er sei ein „Menschenfänger“, sagt seine Frau über ihn, und er selbst sagt, dass es ihn freue zu sehen, wie die anderen sich freuen. Zu essen gibt es dann Schlachtplatte mit Sauerkraut, Maultaschen und Vesper.
Rund 150 Liter des Jungweins werden an den drei Tagen getrunken. Die restlichen Flaschen schenkt Speer in seinem Weinberg aus, und zwar immer am 1. Mai, an Fronleichnam und Christi Himmelfahrt sowie an Muttertag, wenn auch die Kollegen der umliegenden Weinberge zum Besen öffnen. „Nach dem Mai ist der Wein praktisch getrunken“, sagt Speer, und fügt hinzu: „Das ist das Beste, was einem passieren kann.“ Zu sehen, wie es seinen Gästen schmeckt, motiviere ihn, auch künftig den steilen Berg hoch und runter zu springen, denn leichter werde die Arbeit nicht, sagt der 74-Jährige.