Drei Tote an Bahnübergängen Warum Bahnübergänge lebensgefährlich sein können

Von /dpa 

I n Norddeutschland sind innerhalb weniger Stunden drei Menschen bei Unfällen an Bahnübergängen ums Leben gekommen. Laut Experten sind 90 Prozent der Kollisionen von Zügen mit Lkws, Pkws, Radfahrern oder Fußgängern auf das Fehlverhalten von Verkehrsteilnehmern zurückzuführen.

Halt! Ein Zug fährt bei  Jacobsdorf in Brandenburg an einem geschlossenem Bahnübergang mit Andreaskreuz und rotem Lichtsignal  vorbei. Foto: dpa/Patrick Pleul 13 Bilder
Halt! Ein Zug fährt bei Jacobsdorf in Brandenburg an einem geschlossenem Bahnübergang mit Andreaskreuz und rotem Lichtsignal vorbei. Foto: dpa/Patrick Pleul

Heide/Techau/Boizenburg - Innerhalb weniger Stunden sind am Mittwoch (7. August) in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern drei Menschen bei Unfällen an Bahnübergängen ums Leben gekommen.

Die Bundespolizei forderte auch mit Blick auf den Schulbeginn in Norddeutschland dazu auf, Verbote an Bahnanlagen strikt zu beachten. „Bahnanlagen sind keine Spielplätze. Züge werden schneller und leiser und können nicht schnell bremsen. Sogwirkung von vorbeirasenden Zügen und Bahnstrom sind weitere Gefahren“, heißt es in einer Mitteilung.

Techau: Radfahrer von Zug erfasst

Am Mittwoch war ein 81 Jahre alter Mann an einem Bahnübergang bei Techau in Schleswig-Holstein von einem Zug erfasst und tödlich verletzt worden.

Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, hatte der Mann mit seinem Fahrrad die geschlossene Halbschranke an dem Bahnübergang umfahren.

Heide: Pkw kollidiert mit Bahn

Ebenfalls am Mittwoch wurde ein 70 Jahre alter Autofahrer auf einem unbeschrankten Bahnübergang in Heide (Schleswig-Holstein) von einem Zug erfasst und tödlich verletzt. Trotz des herannahenden Zuges überquerte der Rentner den unbeschrankten Bahnübergang.

Laut Polizeimeldung erfasste der Zug den Wagen und schleuderte diesen rund zehn Meter weit weg. Der Rentner starb im Krankenhaus, wie die Polizeidirektion Itzehoe mitteilte.

Boizenburg: Zug erfasst Fußgänger

Schließlich hatten am Mittwoch Reisende einen 61 Jahre alten Mann tot am Ende eines Bahnsteigs in Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt. Die Ermittler gehen von einem Unglück aus. Demnach erfasste ein Zug den Mann, als er versuchte, zu Fuß die Gleise zu überqueren.

Die Stelle, an der der Tote entdeckt wurde, wird der Polizei zufolge von Anwohnern gelegentlich zum illegalen Überqueren der Gleise genutzt.

Tödliches Fehlverhalten der Verkehrsteilnehmer

Nach Angaben des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) und der Deutschen Bahn (DB) sind mehr als 90 Prozent der Kollisionen an Bahnübergängen auf das Fehlverhalten von Verkehrsteilnehmern zurückzuführen. Leichtsinn, Unaufmerksamkeit und Unkenntnis sind demnach die häufigsten Ursachen für Unfälle. „Wo sich Straße und Schiene kreuzen, gelten klare Regeln“, betont Volker Hentschel vom DB-Vorstand.

2017 ereigneten sich 157 Unfälle an Bahnübergängen der Deutschen Bahn. Dabei kamen 28 Menschen ums Leben. 1995 waren es 603 Kollisionen und 2002 insgesamt 294 Unfälle.

Unfallstatistik: Baden-Württemberg an vierter Stelle

Laut DB-Unfallstatistik ereigneten sich im Jahr 2017 die meisten Unfälle (2052) an Bahnübergängen in Nordrhein-Westfalen (43), wo es auch die meisten Bahnübergänge gibt. An zweiter Stelle steht Bayern (41 Unfälle/3079 Übergänge), gefolgt von Niedersachsen (22 Unfälle/2018 Übergänge) und Baden-Württemberg (elf Unfälle/1305 Übergänge).

Die meisten Unfälle an Bahnübergängen werden von Pkw-Fahrern verursacht (2017: 99). In 21 Unfälle waren Fußgänger und bei 15 Kollisionen Radfahrer verwickelt.

Viele kennen Verkehrszeichen nicht

Umfragen zufolge wissen viele Menschen nicht, was die Verkehrszeichen an Eisenbahnkreuzungen oder an anderen Sicherungsanlagen an Bahnübergängen bedeuten. „Eine fatale Wissenslücke – immerhin kreuzen sich Straße und Schiene bundesweit fast 17 000 Mal“, heißt es seitens des DVR.

16 541 DB-Übergänge

Nach DB-Angaben sind von insgesamt 16 541 Bahnübergängen der Deutschen Bahn in Deutschland 62 Prozent technisch gesichert: davon 20 Prozent mit Schranken, rund 70 Prozent mit Halbschranken und zehn Prozent mit Blinklicht- oder Lichtzeichenanlagen (Stand: 2017).

Alle nicht technisch gesicherten Übergänge – ausschließlich auf Nebenstrecken – werden laut Deutscher Bahn routinemäßig dreimal pro Jahr geprüft. Die technisch gesicherten unterliegen zweimal jährlich einer „strengen Inspektion“.

Nebenstrecken sind weniger gesichert

Nebenstrecken sind anders als Zugstrecken bis 160 Stundenkilometern nicht mit einer Voll- und Halbschranke, Blinklicht sowie durch ein Lichtzeichen gesichert, sondern verfügen nur über ein Andreas- oder Drehkreuz sowie eine Umlaufsperre.

Laut Deutscher Bahn haben Züge aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeiten und ihrer Masse einen sehr viel längeren Bremsweg als Pkws. So benötigt ein 100 Stundenkilometer schneller Reisezug bis zu 1000 Meter zum Anhalten. „Hinzu kommt, dass Schienenfahrzeuge spurgebunden sind und gerade moderne Züge aufgrund ihrer Fahreigenschaften vergleichsweise spät gehört werden können“, schreibt die Bahn auf ihrer Homepage.