Dreikönigskundgebung in Stuttgart FDP lässt sich nicht aus der Oper vertreiben

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Exklusiv Die Liberalen können die Stuttgarter Oper bis zur Sanierung weiter nutzen. Den medienwirksamen Auftritt lässt sich die Partei, die ums parlamentarische Überleben kämpft, einiges kosten: Statt einst 4500 Euro zahlt sie künftig das Zehnfache.

Ein unvergleichlicher Rahmen: das Dreikönigstreffen der FDP lebt nicht nur von mehr oder weniger starken Rednern, sondern auch vom Flair des Staatstheaters. Foto: dpa
Ein unvergleichlicher Rahmen: das Dreikönigstreffen der FDP lebt nicht nur von mehr oder weniger starken Rednern, sondern auch vom Flair des Staatstheaters. Foto: dpa

Stuttgart - Das hatte es noch nie gegeben bei der traditionellen Dreikönigskundgebung der FDP im Stuttgarter Opernhaus: die Sternsinger kamen einfach nicht. Vergeblich wartete die liberale Prominenz im Januar 2014 auf Caspar, Melchior und Balthasar. Weder gab es das obligatorische Foto mit den drei Weisen aus dem Morgenland noch die übliche Spende des Parteichefs. Erst im Nachhinein wurde das Rätsel gelöst: der zuständige Pfarrer hatte die Sternsinger erst gar nicht losgeschickt. Er hatte in der Zeitung vom Tauziehen um die Nutzung der Staatsoper gelesen und gefolgert, das Treffen falle in diesem Jahr aus.

Noch einmal soll das der FDP nicht passieren. Rechtzeitig vor der nächsten Kundgebung im Januar 2015 hat sich die Landespartei jetzt mit dem Stuttgarter Staatstheater verständigt: Bis die Oper in einigen Jahren für die Sanierung geschlossen wird, steht nun fest, dürfen die Liberalen sie weiter nutzen. Allerdings müssen sie dafür etwa das Zehnfache der einstigen Miete berappen – ein Zugeständnis, dass der Partei nicht leicht fällt. Doch weil sie in Baden-Württemberg ums parlamentarische Überleben kämpft, will sie auf den medienwirksamen Jahresauftakt im Großen Haus nicht verzichten.

In der Vergangenheit waren die Freidemokraten gleich doppelt bevorzugt. Eigentlich wird das Opernhaus gar nicht vermietet – nur aus Traditionsgründen wurde für die FDP eine „absolute Ausnahme“ gemacht. Bis zum Jahr 2009 zahlte sie zudem einen Spottpreis für den repräsentativen Rahmen: gerade mal 4500 Euro. Bald nach dem Amtsantritt des Geschäftsführenden Intendanten Marc-Oliver Hendriks im Jahr 2009 wurden die Konditionen überprüft und angepasst: die Pauschale stieg in Stufen zunächst auf 6000, dann auf 10 000 und schließlich auf 30 000 Euro. Basis der Berechnung sollten fortan die entgangenen Einnahmen sein, bis zu 60 000 Euro pro Vorstellung. Man wolle „die attraktive Zeit Anfang des Jahres künftig intensiver für eigene Belange nutzen“, hieß es.

45 000 Euro Miete für das Dreikönigstreffen

Schon mit dem Sprung auf 30 000 Euro hatte sich die FDP schwer getan. Nach dem Scheitern bei der Bundestagswahl im Herbst 2013 wäre es freilich ein fatales Signal gewesen, wenn auch noch die Kundgebung in der Oper ausgefallen wäre. Auch in den nächsten Jahren legt die Partei großen Wert auf das Große Haus, vor allem mit Blick auf das Jahr 2016: dann stehen das 150-Jahr-Jubiläum des Traditionstreffens und die schicksalhafte Landtagswahl im Südwesten an. Landeschef Michael Theurer verhandelte denn auch persönlich mit dem Theaterintendanten Hendriks. Nun habe man eine „objektive Grundlage“ für die Berechnung der Miete, lobt Theurer das Ergebnis der Gespräche in „guter Atmosphäre“. Etwa 45 000 Euro muss die FDP demnach künftig für Dreikönig berappen – ein Betrag, den sie auch über zusätzliche Spenden aufbringen will.

Die neuen Konditionen zu akzeptieren fiele den Liberalen indes leichter, wenn sie für alle gelten würden. Doch im Verwaltungsrat der Staatstheater monierte der FDP-Vertreter Heinz Lübbe unlängst eine klare „Ungleichbehandlung“. Auch die Organisatoren des Evangelischen Kirchentages im Juni 2015 in Stuttgart nämlich wollen die Theater-Bühnen nutzen: eine Veranstaltung soll in der Oper, vier sollen im Schauspielhaus stattfinden. Vom Grundsatz, dass die Oper eigentlich nicht zu vermieten ist, wird dafür abgewichen. Auch die Miete – sofern überhaupt eine berechnet wird – soll weit unter dem liegen, was die FDP bezahlt. Vor allem die Amtschefin des Wissenschaftsministeriums von Theresia Bauer (Grüne) habe sich vehement für die Interessen des Kirchentages eingesetzt, hieß es. Offenbar wolle man neun Monate vor der Landtagswahl bei einer wichtigen Wählergruppe punkten.

Für Opernsanierung werden 300 Millionen Euro benötigt

Was aber wäre, wenn unter Berufung auf den Kirchentag – Träger ist ein eingetragener Verein – auch andere, weniger seriöse Interessenten das Opernhaus begehrten? Um einen solchen Präzedenzfall zu vermeiden, wurde eine Art Camouflage ersonnen: die noch nicht näher geplante Veranstaltung in der Oper wird als eine gemeinsame von Staatstheater und Kirchentag deklariert. Für den FDP-Stadtrat Lübbe ist das ein Trick, der nicht so recht zur sonst klaren Linie des Intendanten Hendriks passe. Doch der Theater-Manager, vermutet er, müsse sich wohl das Wissenschaftsressort gewogen halten: für die Sanierung der Oper werden schließlich bis zu 300 Millionen Euro benötigt, auch vom Land.

Mit der stark erhöhten Miete, meinte Michael Theurer unlängst augenzwinkernd bei einem Liberalen-Treffen, leiste die FDP gerne einen Beitrag zur Sanierung. Den Kostenschub alleine auszugleichen, würde die Partei freilich „überfordern“.