Dreißigjähriger Krieg Bayerischer Brandstifter

Maximilian I. von Bayern um 1620. Foto: imago//.Tschanz-Hofmann

Der Weg in die Katastrophe führt über Bayern und seinen frommen Landesherrn. Maximilian I., ein religiöser Eiferer vor dem Herrn, schürt den Dreißigjährigen Krieg mit, auch weil er ein glühender Anhänger der katholischen Sache ist.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts verhärten sich im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation die konfessionellen Fronten. Mit der 1608 gegründeten Protestantischen Union und der im Jahr darauf formierten Katholischen Liga stehen sich zwei unversöhnliche Lager gegenüber. Letzterem zugehörig ist Maximilian I. von Bayern, ein stockkatholischer Landesfürst, der den Protestantismus zurückdrängen will und den Verlauf des Dreißigjährigen Krieges stärker beeinflussen wird, als es der Größe seines Landes eigentlich entspricht.

 

Maximilian, 1573 in München als Sohn Herzog Wilhelms V. von Bayern geboren, war ein zutiefst gottesfürchtiger Mann, der seinem Beichtvater zufolge Tag für Tag die Nähe zu Gott suchte. Entsprechend streng durchgetaktet war sein Tagesablauf: Dieser startete frühmorgens mit einem einstündigen Gebet, gefolgt von zwei Messen am Vormittag, die Maximilian bußfertig auf Knien absolvierte.

Die Kutsche als Gebetsraum

Am Nachmittag hielt der Herzog eine weitere Stunde Andacht und erneut vor dem Schlafengehen. Selbst die Nächte sind erfüllt mit Rosenkranzgebeten. Befand sich Maximilian auf Reisen, wurde die Kutsche zum Gebetsraum. Mitunter geißelte sich der fromme Büßer. Die Instrumente dafür, darunter eine Stachelkette, verwahrte er in einer Schatulle.

Maximilian wächst in einer Zeit auf, in der religiöse Fragen eine große Rolle spielen – und immer auch mit Politischem verknüpft sind. Machtpolitik zum Vorteil des eigenen Territorialstaats ist auch Maximilian nicht fremd. In seiner Brust schlagen zwei Herzen: das des sich um diese Zeit herausbildenden absolutistischen Fürsten und das des strenggläubigen Katholiken.

Mit Maria gegen die Protestanten

Als 14-Jähriger war Maximilian nach Ingolstadt gegangen, wo er mit seinem Vetter Ferdinand, dem späteren Habsburgerkaiser, an der dortigen Universität, dem süddeutschen Zentrum der Gegenreformation, seine ideologische Prägung erhielt. In dieser Kaderschmiede des Katholizismus wurden ihm Drill und Gottesfurcht eingeimpft.

Vor allem die Marienverehrung hinterlässt tiefe Spuren: In einem Tabernakel, den Maximilian Jahre später dem Kloster Altötting stiftet, stieß man auf ein mit dem Blut des Herzogs geschriebenes Dokument: Sein Leben weihe er, „der Sünder größter“, der Jungfrau Maria. Und er erhebt die Mutter Gottes zur „Patrona Bavariae“, zur Schutzheiligen Bayerns. 1620 werden die Truppen Tillys, den man auch den „Mönch im Harnisch“ nennt, mit dem Schlachtruf der heiligen Maria auf den Lippen gegen die Protestanten in den Kampf am Weißen Berg ziehen.

Fensterln wird verboten

Mit dem Herrschaftsantritt des Bayernherzogs am 15. Oktober 1597 ändert sich im Land vieles. Um das Seelenheil seiner Untertanen bemüht, will der neue Regent aus den Bayern ein gottgefälliges Volk machen. Zahlreiche Verordnungen sollen „die schlechten Sitten in strenger Aufsicht halten“. Männern ist der Besuch von Wirtshäusern und Biergärten nur noch an Sonn- und Feiertagen erlaubt. Das Schuhplatteln wird ebenso unter Strafe gestellt wie das Tragen von engen Hosen und das Fensterln.

Peinlichst genau achtet der Landesvater darauf, dass seine Untertanen die Vorschriften einhalten. Kontrolleure durchstreifen die bayerischen Lande, durchsuchen Häuser nach lutherischen Schriften, führen Namenslisten über die obligatorische Teilnahme an der österlichen Kommunion und fahnden an Fastentagen in Kochtöpfen nach Fleisch. Hart geht Maximilian gegen „das hochsträfliche Laster“ des Ehebruchs vor. Auch als Hexenverfolger macht er sich einen Namen. Die Angeklagten werden gefoltert, bis sie ihren Pakt mit dem Teufel gestehen, und dann verbrannt.

Eiferer im Namen des Herrn

Mit den Reformierten steht Maximilian zeitlebens auf Kriegsfuß. Der Wittelsbacher macht Bayern zum Bollwerk der Gegenreformation in Deutschland. Mit seinem Geld wird die Liga zu einer schlagkräftigen Armee ausgebaut. Immer wieder befeuert der Eiferer die aufgeheizte Stimmung im Reich, schürt lokale Konflikte, die, wie 1607 in Donauwörth, wie ein Brandbeschleuniger wirken. In der Freien Reichsstadt, wo Anhänger beider Konfessionen Tür an Tür leben, wird vorexerziert, was Maximilian plant – die Rekatholisierung des Reichs.

Am Dreißigjährigen Krieg, der 1618 beginnt, ist Maximilian mit schuld. Die Lunte ans Pulverfass legen 1618 in Prag die böhmischen Stände, als sie gegen ihren österreichisch-habsburgischen König rebellieren, dessen Gesandten aus einem Fenster der Hofburg werfen und den Kurfürsten Friedrich von der Pfalz zum König von Böhmen wählen – einen Protestanten.

Ein regionaler Krieg wird europäisch

Der gestürzte Habsburger dagegen, Ferdinand II., ist katholisch und seit 1619 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Ferdinand wendet sich an seinen Ingolstädter Studienkollegen. Und Maximilian, dem die Verteidigung des katholischen Glaubens eine Herzenssache ist, hilft gern. 1619 lässt er das Liga-Heer in Böhmen einmarschieren, das die Aufständischen 1620 in der Schlacht am Weißen Berg schlägt. Ferdinand ist wieder böhmischer König, der Konflikt scheint beigelegt. Doch anstatt Frieden mit dem besiegten Gegner zu machen, gießt Maximilian Öl ins Feuer.

Sein kompromissloses Verhalten gegenüber den Protestanten trägt wesentlich dazu bei, dass sich der auf Böhmen begrenzte Regionalkrieg zu einem europäischen Krieg auf deutschem Boden auswächst. Als Führer der Liga rüstet Maximilian gegen die sich formierende europäische Nordkoalition der Protestanten unter dem Dänenkönig Christian IV. und erringt durch seinen General Tilly achtbare militärische Erfolge.

Maximilian scheitert und profitiert doch

Als 1629 die Waffen schweigen, zündelt Maximilian weiter. Auf sein Betreiben hin erlässt Ferdinand II. am 6. März 1629 das Restitutionsedikt, laut dem die protestantischen Reichsstände alle nach 1552 in protestantische Hand gelangten Kirchengüter zurückgeben sollen. Ein Affront, der den Widerstand erneut entfacht und mit dem Kriegseintritt Schwedens und Frankreichs zu einer Ausweitung des Krieges führt.

1648 ist Maximilians Politik gescheitert. Als er am 27. September 1651 im Alter von 78 Jahren in Ingolstadt stirbt, hinterlässt er ein entvölkertes Land, dessen Einwohner schwer unter den langen Jahren des Krieges gelitten haben. Und doch steht der Wittelsbacher nicht mit leeren Händen da: Maximilian bleibt Kurfürst, und Bayern geht als einziges katholisches Territorium mit Gebietsgewinnen aus dem Frieden von Osnabrück hervor.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Religion Geschichte