Dreitägiges Festival startet am Freitag Sindelfinger Jazztage kehren in den Pavillon zurück

Auf Wiedersehen im Pavillon: Martin Johnson, Christian Meyers und Lucas Johnson begeisterten schon 2018 bei den Jazztagen. Foto: Epple/Archiv

Die IG Kultur veranstaltet am Wochenende wieder die Sindelfinger Jazztage zur gewohnten Zeit und am gewohnten Ort – nämlich im Pavillon. Bedauerlich finden die Veranstalter die Überschneidung mit dem Herrenberger „Jazzfrühling“.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Sindelfingen - Zwei Jahre ist es her, seit die IG Kultur ihr 40-jähriges Bestehen feiern und sich dabei unter anderem mit den Jazztagen ein schönes Geschenk machen wollte. Der Ausbruch der Corona-Pandemie vermieste dem Kulturverein jedoch die Party. Statt im März fanden die Jazztage 2020 im Oktober statt – kurz bevor der zweite Lockdown den Pavillon als Live-Spielstätte auf längere Zeit komplett unnutzbar machte.

 

Die Jazztage 2021 gingen deshalb – anderes als gewohnt – nicht im März im Pavillon, sondern im Juni in dem eigens von der IG Kultur organisierten Kulturzelt auf dem „Grünen Platz“ über die Bühne. Vereinzelte, aber dennoch folgenreiche Lärmbeschwerden von Anwohnern machten dem Verein dort das Leben schwer. Mittlerweile ist die Freifläche wegen nicht einhaltbarer Dezibel-Grenzwerte keine Option mehr.

Neue Lüftungsanlage und Hygienekonzept

Nun also kehrt die IG Kultur wieder räumlich und zeitlich an ihren Stammplatz zurück. Die Zeiten sind dabei jedoch weiterhin schwierig. Statt der Pandemie überschattet der Krieg in der Ukraine auch das lokale Kulturgeschehen. Dennoch, so Jazztage-Mitorganisator Klaus Haidle, überwiege im Moment auf jeden Fall die Vorfreude. „Wir versuchen auch dem Publikum deutlich zu machen, dass wir mit einer sehr aufwendigen, neuen Lüftungseinrichtung und einem Hygienekonzept für maximale Sicherheit im Pavillon sorgen können“, erklärt er.

In den Lockdown-Monaten im Winter 2020/2021 hatte die IG Kultur in Kooperation mit der Herrenberger Veranstaltungstechnikfirma EMT Livestreams aus dem Pavillon gesendet. Künftig, so hatte Vereinschef Ingo Liedtke angekündigt, wolle die IG Kultur weiterhin Präsenzveranstaltungen mit Videoübertragungen kombinieren. Bei den Jazztagen ist dies jedoch noch nicht möglich. „Sogenannte Hybridveranstaltungen sind weiterhin in Planung“, sagt Hilmar Kallweit, der stellvertretende Vorsitzende der IG Kultur. Allerdings seien dafür ausgebildete technische Kräfte im Verein nötig. Nach einigen Workshops wolle man im Herbst eigenständig Streamings anbieten können.

Überschneidung mit Herrenberger „Jazzfrühling“

Bedauerlich finden die Sindelfinger Veranstalter, dass der Verein „Jazzin’ Herrenberg“ seinen „Jazzfrühling“ ebenfalls auf das kommende Wochenende gelegt hat. Allerdings sei der Verein eben an freie Termine im Mauerwerk gebunden. „Und die Künstler bekommen nun vermehrt Auftrittsmöglichkeiten, die sie auch koordinieren müssen“, sagt Klaus Haidle, der selbst als Saxofonist aktiv ist. Die Überschneidung sei für beide Veranstalter außerordentlich bedauerlich.

Um Terminkollisionen möglichst zu vermeiden, wollen man künftig noch enger mit „Jazzin’ Herrenberg“-Koordinator Martin Hering zusammenarbeiten, kündigt Haidle an. Zudem setzt die IG Kultur große Hoffnung in einen von verschiedenen Ehrenamtlichen geplanten Kulturrat für Böblingen, Sindelfingen und Umgebung. Damit solle sich die Koordination zwischen den Veranstaltern auf lange Sicht verbessern.

In der Pandemiezeit entsteht ungewöhnliches Duo

Das ist aber noch Zukunftsmusik. Jetzt stehen zunächst einmal die Jazztage 2022 vor der Tür – und die haben es in sich. Das Programm verspricht Vielfältigkeit auf hohem Niveau. Funkige Klänge, Rockjazz und ruhigere, vielseitige Duo-Musik bestimmen die Konzerte.

Das Organisatoren-Trio Klaus Haidle, Pit Bäuerle und Albrecht Barth hat wohlbekannte und neue Acts eingeladen. „Leider ist es uns aus terminlichen Gründen zu diesem Festival nicht gelungen, Christoph Neuhaus zu verpflichten“, bedauert Haidle. Den Landesjazzpreisträger von 2021 hätte er gerne in den Pavillon geholt.

Dafür gibt es am Sonntag mit Roof Songs ein spannendes Duo-Projekt mit Karoline Höfle und Dizzy Krisch zu erleben. Entstanden ist diese Kooperation zu Beginn des ersten Lockdowns im März 2020. Da spielte der Vibrafonist Dizzy Krisch seine ersten freien Improvisationen auf seinem Hausdach – „für die Vögel auf den Bäumen und die Menschen hinter den Fenstern“, wie er sagt. In der Kontrabassistin Karoline Höfle, mit der ihn eine lange Freundschaft verbindet, fand er dafür die perfekte Duo-Partnerin. „Roof Songs kann nicht unbedingt einer Stilistik zugeordnet werden, da die Kompositionen und die musikalischen Ausdrucksformen und Möglichkeiten von uns beiden so unterschiedlich sind, wie unsere Gedanken manchmal springen“, erklärt Höfle, die an der Böblinger Musikschule unterrichtet.

Martin Johnson und Sohn Lucas spielen zum Auftakt

Ein weiterer Lokalheld ist der Herrenberger Pianist Martin Johnson, der zusammen mit seinem Sohn Lucas (Drums) und dem Berliner Trompeter Christian Meyers samt Band am Freitag die Jazztage eröffnet. „Natürlich ist die Freude riesig groß, dass man uns wieder spielen lässt“, sagt Johnson. Dennoch bleibe nach zwei harten Pandemiejahren eine gewisse Skepsis – gerade jetzt mit Blick auf die Situation in der Ukraine.

Dass sein Sohn sich ebenfalls für den Musikerberuf entschieden hat, bereite ihm jedoch keine allzugroßen Sorgen. „In meiner Familie gibt es Angst nicht als Ratgeber“, sagt Johnson. Ja, die zwei Jahre seinen gerade für junge Künstler bitter gewesen. Aber Lucas habe die Zeit sinnvoll genutzt: An sein Master-Studium in der Schweiz hat er in der Pandemiezeit einen Masterstudiengang an der Mannheimer Popakademie drangehängt. Er gehe also mit einer höheren Qualifikation aus den Krisenjahren hervor. Den Jazzfans im Sindelfinger Pavillon kann das nur recht sein.

Das Programm

Freitag, 11. März
Den funkig-groovigen Auftakt macht Meyers Nachtcafé mit dem Berliner Trompeter Christian Meyers (Trompete), Martin Johnson (Rhodes), Alex Uhl (Bass), Rüdiger Nass (Gitarre) und Lucas Johnson (Schlagzeug).

Samstag, 12. März
Am Samstag sollte das Jazz- und Rock-Kommando aus Konstanz die Bühne stürmen. Wie die IG  Kultur mitteilt, mussten die Musiker nun kurzfristig absagen, der Bandleader und Trompeter Thomas Banholzer soll sehr schwer erkrankt sein. „Seine Mitmusiker sind schockiert und haben und gebeten, das Konzert  abzusagen“, sagt  Hilmar Kallweit, stellvertretender  Vorsitzende der IG Kultur. Bereits erworbene Tickets würden  von Reservix erstattet. Als kleinen Ersatz zeigt die IG Kultur  am Samstag um 20 Uhr im Pavillon kostenfrei das Video eines Bandauftritts vom August 2020.

Sonntag, 13. März
Ein doppeltes Duo-Konzert beschließt die Jazztage. Karoline Höfler (Kontrabass) und Dizzy Krisch (Vibrafon) präsentieren unter dem Namen Roof Songs eine ungewöhnliche Klangkombination. Spannende Sounds versprechen auch Claus Rückbeil und Asha Khan. Ihre „Jazz-Raga-Worldmusic -Fusion“ vereint Jazz mit indischer Musik.

Mehr Infos
Alle Konzerte beginnen jeweils um 20 Uhr. Weitere Infos und Vorverkauf unter www.igkultur.de sowie beim Ticketservice der Kreiszeitung unter Telefon (0 70 31) 62 00 29.

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