Dritte Sherlock-Staffel Meisterdetektive können empfindlich sein

John Watson (Martin Freeman, re.) will eigentlich seiner Geliebten Mary (Amanda Abbington) einen Heiratsantrag machen, als plötzlich der tot geglaubte Sherlock (Benedict Cumberbatch) auftaucht. Foto: ARD
John Watson (Martin Freeman, re.) will eigentlich seiner Geliebten Mary (Amanda Abbington) einen Heiratsantrag machen, als plötzlich der tot geglaubte Sherlock (Benedict Cumberbatch) auftaucht. Foto: ARD

Vor zwei Jahren stürzte Sherlock Holmes vor den Augen John Watsons in den Tod. Nun ist der exzentrische Ermittler wieder im Einsatz. Auch die dritte Staffel von „Sherlock“ ist ein wildes Spiel mit den Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle.

Kultur und Gesellschaft: Ulrike Frenkel
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Stuttgart - Zwei Jahre sind eine lange Zeit, wenn man auf die Lösung eines Rätsels wartet. Und da jeder Hobbydetektiv ja inzwischen dank Internet an möglichen Szenarien in Fernsehserien mitspinnen kann, trieben die Nutzerbeiträge auf entsprechenden Seiten nach dem entsetzlichen Ende der zweiten Staffel von „Sherlock“ im Frühjahr 2012 wilde Blüten. Zur Erinnerung: nachdem sein Erzfeind Moriarty den unterkühlten Meisterdetektiv in Verdacht gebracht hatte, die Verbrechen, die er so bravourös aufklärte, zuvor selbst in Auftrag gegeben zu haben, stürzte sich Sherlock vom Dach des Londoner St. Barts Hospitals. Sein Sidekick John Watson musste das mit anschauen, in einer letzten Szene war er am Grab zu sehen, und bat um ein Wunder: Sherlock möge doch zurückkommen. Dass genau dies geschehen würde, war dann auch schon klar. Weshalb sollte sich die produzierende BBC die Chance entgehen lassen, an der so überaus erfolgreichen Serie weiterzustricken, für die sich weltweit zahllose, vor allem junge Zuschauer begeistern, und die den beiden Hauptdarstellern Benedict Cumberbatch und Martin Freeman Kultstatus verleiht?

Zum Jahreswechsel 2014 war die dritte Staffel dann auch in Großbritannien zu sehen, die Macher haben teilweise in parodistischer Manier die dramaturgischen Vorschläge der Fans mit eingearbeitet. Könnte Sherlock seinen Tod etwa durch einen Bungeesprung vorgetäuscht haben? Auch wenn das Erste nun an Himmelfahrt die erste von drei neuen Folgen zeigt, wird diese Frage weiter ungeklärt sein, einiges bleibt der eigenen Vorstellungskraft überlassen.

Neuen Episoden sind ein bunter Mix

Von dem, was da sowie an den beiden weiteren Sendeterminen dann alles passiert, kann man dennoch nur weniges erzählen, ohne den Fans, sofern sie nicht schon längst die Originalversion auf DVD geschaut haben (was sich wegen der herrlichen englischen Dialoge und der tollen Stimmen empfiehlt), die Spannung zu verderben. Nur so viel: auch diesmal sind die einzelnen Episoden aus einem Mix unterschiedlichster Motive aus den 56 Originalgeschichten und vier Romanen von Sir Arthur Conan Doyle entstanden. Schon der britische Schriftsteller hatte Holmes aus Verdruss darüber, dass nur seine Kriminalromane erfolgreich waren, nicht aber seine anderen literarischen Werke, 1893 in der Story „Das letzte Problem“ sterben lassen und musste ihn nach lauten Protesten des Publikums wieder zum Leben erwecken.

Das wiederholt sich nun im TV-Format. Auch diesmal sind die Sherlock-Geschichten wieder eingebettet in die gegenwärtigen Weltgeschehnisse. Zum Beispiel droht in der ersten Folge in London ein Attentat eines Terrornetzwerks, in der dritten geht es um einen mächtigen Datensammler, der Menschen und Staaten erpresst. Und auch die technischen Mittel, die Tätern wie Profilern zur Verfügung stehen, spielen neben der reinen Kraft des Geistes wieder eine nicht unerhebliche Rolle. John Watson bloggt weiter über die Aufklärungsarbeit. Und trägt einer der Verbrecher etwa eine Art Google-Brille?

Drehbuchautor schreibt Mycroft weiche Züge zu

Die größte Überraschung aber ist, dass der Drehbuchautor Mark Gatiss, der in der Serie auch Sherlocks snobistischen Bruder Mycroft spielt, mit großem Spaß dem arroganten Denker, dem alles Natürliche und Menschliche fremd zu sein scheint, nun zarte humane Züge auf den Leib geschrieben haben. Auch diese neue Entwicklung hat eine Verankerung in einer Doyle-Geschichte, in „Die drei Garridebs“ lässt der Autor John Watson nämlich in eine Schießerei geraten, und der getreue Mann schreibt anschließend über Holmes Reaktion: „Die Wunde war es wert, es wäre viele Wunden wert gewesen, die Tiefe der Loyalität und der Liebe kennenzulernen, die sich hinter seiner kalten Maske verbarg.“ Und so sieht man Benedict Cumberbatch nun als Sherlock geigen, tanzen, küssen, wenn auch Letzteres nur aus Berechnung. Er erscheint als leidende Christusfigur in Gefangenschaft bei Schurken auf dem Balkan, als Junkie und nicht zuletzt als Trauzeuge, denn John Watson wird heiraten. Am Ende opfert sich der große Dunkle sogar für seinen Freund und wird des Landes verwiesen. Sieht aber ganz so aus, als könne man sich trotzdem schon auf eine vierte Staffel dieser intelligenten Serie freuen.




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