Ob das Feld bereits vollständig ist, lässt sich knapp drei Monate vor dem Urnengang noch nicht sagen, Bewerbungsschluss ist erst am 14. April. Die anderen größeren Gemeinderatsfraktionen jedenfalls werden wohl keinen eigenen Bewerber ins Rennen schicken – oder nicht mehr.
„Wir hatten einen Kandidaten“, berichtet Sabine Kober, die Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen, mit sieben Sitzen die zweitstärkste Gruppe im Gemeinderat,„aber er ist uns im Herbst abgesprungen.“ Man habe diesmal schon sehr früh angefangen, nach einem geeigneten Bewerber Ausschau zu halten, verrät sie, schon lange bevor Bernd Vöhringer verkündet hatte, dass er nicht mehr antritt. Doch der Auserwählte der Grünen wollte dann doch nicht mehr. Um wen es sich handelte, will Sabine Kober nicht verraten.
Grün haben „Anforderungskatalog“
Welchen der aktuellen Kandidaten die Grünen unterstützen wollen, sei noch nicht klar. Mit Max Reinhardt und Lukas Rosengrün habe es bereits Gespräche geben, auch Markus Kleemann wolle man sich noch eingehend anschauen. „Wir haben einen Anforderungskatalog entwickelt“, sagt Kober, „und prüfen genau, welchen Bewerber wir unterstützen wollen – und ob überhaupt.“
Die Freien Wähler sind mit sechs Mitgliedern im Sindelfinger Gemeinderat vertreten. Auf Anfrage unserer Zeitung deutet die Fraktionsvorsitzende Dorothee Kadauke an, ebenfalls keinen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken zu wollen: „So wie es Moment aussieht, wird es keinen Kandidaten der Freien Wähler geben.“ Derzeit gebe es auch keine Empfehlung vonseiten der Freien Wähler, Markus Kleemann werde sich in den nächsten Tagen der Fraktion vorstellen.
Zuletzt waren noch andere Namen für eine Bewerbung kursiert, zum Beispiel der vom Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sindelfingen, Felix Rapp. In einer Pressemitteilung erteilte der 43-Jährige am Anfang dieser Woche Gerüchten eine Absage, er wolle Nachfolger von Bernd Vöhringer werden. „In den vergangenen Wochen haben mich zahlreiche Menschen ermuntert zu kandidieren. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dagegen entschieden. Mein derzeitiger Job bereitet mir große Freude“, schreibt Rapp, der bis 2014 zehn Jahre lang für die SPD im Sindelfinger Gemeinderat saß.
Rapp und Burkardt winken ab
Ebenfalls im Gespräch war der Bürgermeister Jettingens, Hans-Michael Burkardt. Kurz nach Aufkommen der Spekulationen Mitte Januar sagte der seit 2004 amtierende Bürgermeister aber definitiv ab. Gärtringens Bürgermeister Thomas Riesch und Böblingens Erster Bürgermeister Tobias Heizmann hatten bereits im alten Jahr abgewunken.
Bernd Vöhringer hatte Anfang Dezember überraschend angekündigt, nach 24 Jahren Amtszeit nicht erneut zur Oberbürgermeisterwahl anzutreten. Als erster ging daraufhin Lukas Rosengrün, Bürgermeister in Ehningen, an die Öffentlichkeit, um seine Kandidatur anzukündigen. Fast fünf Jahre steht der 40-Jährige an der Spitze des Rathauses in der 9400-Einwohner-Kommune. Der Entschluss sei länger gereift, es sei eine „einmalige Chance im Leben“, so der Sozialdemokrat, der aus Sindelfingen stammt.
Der Jüngste präsentiert ein Kompetenzteam
Kurz darauf wagte sich Max Reinhardt, 25 Jahre, Jurist und Stadtrat, aus der Deckung. Der FDPler sitzt seit 2019 im Gemeinderat und machte sich in Sindelfingen neben seiner Arbeit in dem Gremium auch durch das ehrenamtliche Engagement bei „Helfen statt Hamstern“ in der Coronapandemie und nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine einen Namen. Erst kürzlich präsentierte Reinhardt ein Kompetenzteam, das ihn während des Wahlkampfes in Fragen von Kinderbetreuung, Verkehr, Gastronomie, gesellschaftlichem Miteinander oder Kultur beraten soll. Das Team besteht aus Personen verschiedener politischer Couleur.