Knapp zwei Jahre ist es her, da haben sich die Weil der Städter in einem Bürgerentscheid mit Zwei-Drittel-Mehrheit für den Ausbau von Windkraft in ihrer Kommune entschieden. Oder genauer: Für Windkraft auf zwei sogenannten Windvorrangflächen, eine westlich von Merklingen, die andere nordöstlich in Richtung Heimsheim.
Die Stadt hat das Vorhaben in den vergangenen zwei Jahren auch entsprechend vorangetrieben – für beide Flächen gibt es Projektierer, die Planungen für die Windparks laufen. Nun könnte aber auch noch auf einer dritten Fläche auf Weiler Gemarkung Windkraft entstehen. Möglich macht das besonders der bürokratische Akt hinter all jenen Windkraftvorhaben, die gerade in so ziemlich jeder Kommune in der Region nach vorne getrieben werden.
Windpark auf privaten Flächen: Eigentlich gegen den Wunsch der Stadt
Denn die übergeordnete Planung für die Flächen, die in Baden-Württemberg für Windkraft zur Verfügung stehen sollen und können, hatten bislang die Regionalverbände übernommen. Sie hatten in einer Kartierung der Region mögliche Windvorranggebiete definiert, um das gesetzlich vorgeschriebene Mindestflächenmaß von 1,8 Prozent zu schaffen. Eine Stellungnahme konnten Kommunen dabei zwar abgeben – allerdings ohne Garantie auf Berücksichtigung.
In Weil der Stadt hatte man sich damals vom Verband Region Stuttgart gewünscht, stadteigene Flächen zu priorisieren. Passiert ist damit: Nichts. Als der Verband Region Stuttgart seine Planung verabschiedet hat, war deshalb auch ein Gebiet auf Weil der Städter und Renninger Gemarkung inkludiert, das überwiegend in Privatbesitz ist. Und eben dort, südlich der B295, will nun die Firma WW Süd aus Markgröningen drei Windräder mit einer potenziellen Gesamthöhe von 262 Metern errichten. Vorgestellt hatte Geschäftsführer Falk Hecker die Planungen in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats.
Der Windpark kommt – auch ohne Zustimmung der Stadt
Involviert ist die Stadt dabei nicht. „Wir hatten die Hoffnung, dass es uns gelingt, Windenergieanlagen auf städtischen Flächen zu konzentrieren“, so Bürgermeister Christian Walter. Umgesetzt werden könne der kleine Windpark „ohne, dass die Stadt um Zustimmung gefragt werden muss“ – der Regionalplanung sei Dank. „Dieser Windpark kommt mit oder ohne uns.“ Die betroffenen Grundstückseigentümer hätten bereits ihre Zustimmung signalisiert, heißt es seitens der Stadt.
Was aber nicht heißt, dass man sich in Weil der Stadt nicht auch eine gute Zusammenarbeit – und damit gute Konditionen – erhofft. „Private denken durchaus auch an die Allgemeinheit“, beteuerte Christian Walter gegenüber den Gemeinderäten. Hecker rechnet es vor: Die umliegenden Kommunen würden mit 0,2 Cent pro Kilowattstunde beteiligt werden, für Weil der Stadt würden damit bis zu 51 000 Euro im Jahr herausspringen. Hinzu kommen bis zu 80 000 Euro Gewerbesteuereinnahmen pro Anlage, außerdem etwaige Pachtkosten, zum Beispiel für die Nutzung von Wegen.
Bürgerstiftung soll jährlich 30 000 Euro erhalten
Für Freude wird derweil auch das Angebot der WW Süd gesorgt haben, mit den Privateigentümern der betroffenen Flächen eine Bürgerstiftung zu gründen, in die bis zu 30 000 Euro im Jahr fließen und von der gemeinnützige Vorhaben in Weil der Stadt profitieren sollen. Ob der Windpark kommt, wird letztlich davon abhängig sein, welchen Strompreis sich die WW Süd bei der sogenannten EEG-Ausschreibung sichern kann. Und auch andere Fragen sind noch nicht geklärt: Etwa zur Zukunft des Modellflugclubs, der nahe des potenziellen Windparks beheimatet ist.