DRK-Fahrdienst DRK bringt Kinder zu spät zur Schule

Das Rote Kreuz hat Probleme, den Vertrag mit der Stadt zu erfüllen Foto: Michael Steinert
Das Rote Kreuz hat Probleme, den Vertrag mit der Stadt zu erfüllen Foto: Michael Steinert

Mit dem Fahrdienst des Roten Kreuzes kommen behinderte Schüler und Kinder bis zu zwei Stunden zu spät. Das liegt unter anderem am Personalmangel, will heißen: dem DRK fehlen Fahrer. Dieses Problem wiederum ist zumindest zum Teil hausgemacht.

Lokales: Christine Bilger (ceb)
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Das Deutsche Rote Kreuz hat bei den Eltern und bei der Stadtverwaltung Alarm geschlagen. Denn die Organisation hat Probleme, ihren Fahrdienst für behinderte Kinder zur Schule und wieder nach Hause dem Vertrag entsprechend auszuführen. Bis zu zwei Stunden Verspätung haben die Schüler, da Mitarbeiter sich andere Jobs gesucht haben. Die Fahrer greifen dem Vertragsende für die Schülerbeförderung vor und wechseln schon jetzt.

„Unsere Entscheidung, frühzeitig zu kommunizieren, dass wir uns nicht mehr um den Fahrdienst bewerben wollen, hat Folgen“, sagt der Pressesprecher des DRK, Udo Bangerter. Dass die Kollegen sich jetzt schon wegbewerben, sei verständlich. Außerdem sei der Krankenstand gestiegen, einerseits weil im Winter Erkältungszeit sei, andererseits weil vermutlich manche die Ungewissheit, wie es ohne den Job im Sommer nach Vertragsende weitergehen soll, krank mache. „Auch das wundert uns in der Situation, die für alle Beteiligten sehr stressig ist, nicht“, sagt Bangerter.

Das DRK weiß nicht, wie viele Fahrer fehlen

Aufgrund der Krankmeldungen schwanken die Ausfälle von Tag zu Tag. Das DRK kann daher nicht beziffern, wie viele Fahrer fehlen. So entstehen Lücken. „Kinder kommen zu spät zur Schule und müssen auf ihre Fahrer warten. Wir tun alles, um die Ausfälle auszugleichen“, sagt Bangerter. Diese Informationen habe er auch an die Eltern und an die Stadtverwaltung weitergegeben. „Wir halten mit den Problemen nicht hinterm Berg.“

Die Fahrer bringen auf den Punkt, was das für die Betroffenen heißt: „Kinder, deren Unterricht eigentlich um 8.20 Uhr anfängt, waren am Dienstag erst um 10.20 Uhr in der Schule. Wir mussten nach unserer Stammtour zwei weitere fahren, um die Ausfälle auszugleichen“, sagt Volker Brümmer. Auch am Mittwoch seien einige Kinder erst gegen 9.30 Uhr an ihrer Schule angekommen. „Das DRK musste sogar Taxis schicken, damit alle Kinder transportiert werden konnten“, berichten die Fahrer.

Malteser prüfen, ob sie einen Teil der Touren übernehmen

Von den betroffenen Fahrern war zu hören, dass ihr Arbeitgeber versuche, andere Anbieter zur Übernahme von Touren zu bewegen. „Auch das stimmt. Wir stehen natürlich in der Pflicht, den Vertrag zu erfüllen“, sagt Bangerter. Der Malteser Hilfsdienst bestätigt die Anfrage. „Wir prüfen noch, ob wir die Touren übernehmen“, sagt der Sprecher Alexander Baur.

Ein Defizit im sechsstelligen Bereich ist der Grund, warum das Rote Kreuz bei der Vergaberunde des Fahrdienstes keine Bewerbung mehr abgeben will. Die Zahl von 500 000 Euro, die im Raum steht, bestätigt die Organisation nicht. Auch zu einer anderen Zahl gibt es keine offizielle Stellungnahme: 30 bis 40 Prozent mehr müsste es sich die Stadt kosten lassen, damit die Anbieter kostendeckend arbeiten könnten.

Gewerkschaft fordert Tariflohn für die Fahrer

Rund 3,2 Millionen Euro zahlt die Stadt Stuttgart bisher für die Beförderung der 550 Kinder mit Behinderung pro Jahr. Die nun auslaufenden Verträge wurden 2010 für drei Jahre geschlossen. Ende des Monats wird im Verwaltungsausschuss des Gemeinderates über die Ausschreibung für die kommenden drei Schuljahre beraten. Die Verwaltung legt auf Antrag der Grünen und der SPD eine lange Liste von Leistungen vor, die der Qualitätsverbesserung des Fahrdienstes dienen sollen und natürlich den Preis für die Touren erhöhen würden.

Noch ist unklar, wer von den Anbietern wieder ins Rennen geht. Der private Anbieter Sonnenschein Schulbusse hat sich zum Beispiel noch nicht entschieden. Damit warte man, bis die neuen Konditionen bekannt seien. Das DRK ist sich zurzeit noch sicher, nicht mehr mitzubieten. Ein grundsätzliches Problem ist mit der Wunschliste der Ratsmitglieder zur Verbesserung des Fahrdienstes noch nicht gelöst: Betriebsrat, Gewerkschaft und die Mitarbeiter fordern, dass die Fahrer nach den Tarifen des öffentlichen Dienstes bezahlt werden. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Fahrer behinderter Kinder schlechter bezahlt werden als das Personal im öffentlichen Nahverkehr“, sagt Christine Ernst von der Gewerkschaft Verdi. Die DRK-Fahrer sind auf 400- beziehungsweise 800-Euro-Basis geringfügig beschäftigt.




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